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Interview / Archiv | Beitrag vom 07.02.2014

Sportförderung "Man kann nie genug tun"

Ehemalige Olympiasiegerin wünscht sich Unterstützung für junge Sportler

Rosi Mittermaier im Gespräch mit Julius Stucke

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Die ehemalige deutsche Skirennläuferin Rosi Mittermaier lächelt am 30.01.2014 bei einem Fototermin zur ARD Sendung "Star Biathlon 2014" auf dem Trainingsgelände Kaltenbrunn bei Garmisch-Partenkirchen (Bayern). (picture alliance / dpa / Foto: Ursula Düren)
Die ehemalige deutsche Skirennläuferin Rosi Mittermaier (picture alliance / dpa / Foto: Ursula Düren)

In Deutschland gibt es viele motivierte Nachwuchssportler, sagt die ehemalige Skirennläuferin Rosi Mittermaier. Wichtig sei aber, dass die jungen Athleten neben dem Sport vor allem auch einen Beruf erlernen. Dabei hätten auch die Älteren und Aktiven eine Verantwortung.

Julius Stucke: Das war 1976, Rosi Mittermaier in Innsbruck, zwei Mal Gold, einmal Silber. Guten Morgen, Frau Mittermaier!

Rosi Mittermaier: Ja, guten Morgen!

Stucke: Ja, wir wollen sprechen über die Frage des Nachwuchses und die Jugend bei den Olympischen Spielen, bei den Olympischen Winterspielen, die heute eröffnet werden in Sotschi, den 22. – da sind auch junge Sportler dabei, die jüngste im deutschen Team ist Janina Ernst, Skispringerin, 15 Jahre jung. Aber wie leicht oder wie schwer ist es denn für den deutschen Sport, junge Menschen für die olympische Idee zu begeistern? Haben wir so etwas wie ein Nachwuchsproblem, Frau Mittermaier?

Mittermaier: Das glaube ich nicht. Ich hatte das Glück, dass ich schon des Öfteren, also zum dritten Mal jetzt, mit dabei sein durfte bei den Jugendlichen, die hier ja zu den Olympischen Spielen geschickt werden, die sich bewerben – und also fantastische junge Leute, muss ich sagen, junge Sportler, die begeistert sind, und ich muss … Es gibt so viele junge, Gott sei Dank, junge Menschen, die sehr viel Spaß an Bewegung und Sport haben, und besonders dort dabei zu sein und diese Euphorie zu sehen und wie sie hier jetzt auch einmal auch ein anderes Land, ganz andere Kultur erleben, …

Und ich muss sagen, es empfängt sie Sonnenschein, denn in Sotschi scheint die Sonne, und sie wohnen am … Wir haben immer so viel Spaß gehabt bisher. Und ich habe sie noch nicht getroffen jetzt, aber es wird ja morgen geschehen, und dann werden wir die Wettbewerbe zuschauen, vom ersten Mann bis zum letzten anfeuern, sehr, sehr natürlich, das ist auch ein großes Thema auch, wie man sich verhält und wie man Begeisterung zeigt als deutsche junge Leute, und da freue ich mich drauf.

Stucke: Frau Mittermaier, Sie sehen da also gar kein Problem, Nachwuchs zu bekommen für den deutschen Skisport, es gibt aber auch welche, die sagen, ach, so richtig machen wir es nicht, wir müssten viel mehr fördern, wir müssten die jungen Leute viel mehr begeistern.

"Das Gemeinsame empfinden des Sports"

Mittermaier: Ja, wissen Sie, das sind ja nicht jetzt nur Skisportler dabei, sondern es sind ja auch Sommersportler, das sind 40 Jugendliche, die hier nach Sotschi fahren dürfen, und das ist natürlich das Schöne, weil das ist das, was ja Sportler an sich haben, dass die in allen anderen Sportarten auch sich kennenlernen, hineinschnuppern und die Begeisterung oder das Gemeinsame empfinden des Sports. Das kommt ja da dann rüber. Das ist dann ganz egal, ob Skisportler oder Sommersportler. Und das ist eigentlich das, was ja auch olympisch ist und was hier die Idee ist, wo sich doch so viele verschiedene Sportler treffen, und, ja, die haben auch alle die gemeinsamen Ziele, natürlich im Leistungssport, aber das sind jetzt zwei Paar Schuhe.

Der Hochleistungssport … Ich glaube, jetzt im Skisport, das ist halt für Mädchen doch ein bisschen gefährlicher Sport, das ist ja klar, und da ist es aber … Nachwuchs zu bekommen – muss man dann schon irgendwo aus dem Alpenraum sein, dass man auch irgendwie den Schnee vor der Haustür hat. Das ist jetzt ein anderes Thema. Aber hier geht es um das gemeinsame Erleben, um die Idee des Sports, und auch die Jugendlichen, die hier dabei sind, die bleiben 100-prozentig dem Sport erhalten oder mal später, wenn sie nicht im Hochleistungssport landen, als Betreuer, als Trainer, weil sie natürlich das erleben und auch dieses ganze Flair, die Begeisterung erleben.

Stucke: Aber, Frau Mittermaier, haben Sie denn das Gefühl: Wir tun genug, wir fördern auch genug? Also Sie sagen, die olympische Idee ist da, aber wird genug an Sportförderung getan für junge Menschen hierzulande?

Mittermaier: Ja, in Deutschland gibt es ja die Sporthilfe, und da versucht man natürlich schon, sehr viel zu tun, vor allen Dingen auch zu schauen, dass die Sportler auch in einen Beruf kommen und eine Ausbildung genießen, um das geht es am Hauptsächlichsten. Und da sind natürlich auch die Älteren, die Aktiven, die, sagen wir mal, gefragt, sich dort auch einzusetzen, und das tun ja sehr viele, um dort auch Firmen zu aktivieren, die sich für die Sportler interessieren und ihnen vor allen Dingen einen Arbeitsplatz, Versicherung und so weiter, das ist das große Thema.

Es gibt natürlich in Deutschland die Sportarten, da geht es um viel Geld, das ist der Fußball zum Beispiel und natürlich auch andere Sportarten – reine Amateure, die natürlich diese Unterstützung am allermeisten brauchen, und da kann man nie genug tun, und da setzen wir uns natürlich auch ein und da setzen sich sehr viele Ältere oder alte Sportler ein.

Stucke: Frau Mittermaier, ich habe da einen Satz gelesen, der stammt aus den Anfängen der Olympischen Spiele der Neuzeit, da heißt es, das ist die olympische Idee, die Bildung von Körper und Geist, die Verbindung des Sports mit Kultur und Erziehung, Respekt vor ethischen Prinzipien, das alles steckt in der olympischen Idee, als es losging, Ende des 19. Jahrhunderts. Haben Sie das Gefühl, das ist heute noch aktuell?

"Freundschaften schließen, über alle Grenzen hinweg"

Mittermaier: Da muss ich jetzt sagen: Die Deutschen, die haben als einziges dieses Jugendlager, das es schon immer gibt. Ich kenne das schon, 1964 habe ich eine Freundin, die schon genossen hat, dort im Jugendlager, in Innsbruck damals, dabei zu sein. Und das gibt es immer schon, und es ist sehr schade, dass andere Nationen das nicht mehr so betreiben, weil das ist ja eigentlich das, dass sich diese jungen Leute international kennenlernen, treffen, Freundschaften schließen, über alle Grenzen hinweg.

Aber nichts desto trotz passiert es trotzdem hier, weil natürlich auch viele Aktive, die die auch kennen in ihrem Sport, die auch schon jetzt mit Teilnehmer sind dieser Spiele, dass da natürlich auch unglaublich viel kulturell auch gemacht wird, und zum Beispiel in Italien, da hat man dann in einem Dorf am Dorfplatz richtiges großes Spaghetti-Essen gemacht gemeinsam und die Deutschen, die haben dann im Gegensatz auch Spezialitäten aus Deutschland gekocht, die Jugendlichen selber. Und um diese Dinge geht es.

Oder in Whistler bei den Indianern, da haben die Tänze gemacht gemeinsam. Also das wird hier sehr gelebt, und speziell in dem Jugendlager. Und das sind zwei Paar Schuhe. Die aktiven Sportler, die hier trainieren und die antreten, um Medaillen zu gewinnen, die haben dafür keine Zeit. Aber in dem Jugendlager, da wird das wirklich gelebt, diese olympische Idee richtig ausgelebt.

Stucke: Die olympische Idee.

Mittermaier: Und genossen!

Stucke: Die olympische Idee.

Mittermaier: Und das ist eben schon … Das zu erleben, und wir Deutschen, wir sind dort sehr dahinter, das ist ja das Schöne, dass wir, ja, auch Nachhaltigkeit der Spiele und das alles, das würden wir sehr, sehr beherzigen, was nicht überall auf der Welt passiert, auch nicht hier, auch nicht hier.

Stucke: Sagt Rosi Mittermaier. Vielen Dank, Frau Mittermaier!

Mittermaier: Ja.

Stucke: Die Jugend und die olympische Idee – die Jugend lebt die olympische Idee. Vielen Dank Frau Mittermaier, Ihnen einen schönen Tag.

Mittermaier: Wir hoffen, dass die Jugendlichen das weitertragen.

Stucke: Das hoffen wir auch. Ihnen einen schönen Tag!

Mittermaier: Wir hoffen es sehr. Ja, danke!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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