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Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.04.2020

Spontankonzert mit Mitgliedern der Akademie für Alte Musik BerlinKlingende Kreuze und musikalische Opfer

Moderation: Volker Michael

Die Akademie für Alte Musik, Musiker mit Instrumenten (Uwe Arens/Akademie für Alte Musik Berlin)
Spontan im Studiokonzert - Mitglieder der Akademie für Alte Musik Berlin (Uwe Arens/Akademie für Alte Musik Berlin)

Das zweite unserer Spontankonzerte versammelt am Abend des Gründonnerstags vier hervorragende Interpreten der Alte-Musik-Szene in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem. Mitglieder der Akademie für Alte Musik Berlin spielen Musik zur Passionszeit.

Wie könnte es anders sein? In diesem Programm mit vier Mitgliedern der Akademie für Alte Musik Berlin hat Johann Sebastian Bach das erste und das letzte Wort. Am Beginn steht die verhältnismäßig gefällige und einfache Sonate für Traversflöte, Violine und B.c. BWV 1038. Kulminationspunkt am Schluss des Abends ist die Triosonate aus dem "Musikalischen Opfer", jenem fantastischen Sammelsurium von Werken über ein königliches Thema. Das hatte der Preußenkönig Friedrich der Zweite dem Thomaskantor bei einem Besuch in Potsdam Sanssouci mit leicht arroganter Geste vorgelegt, zur weiteren Bearbeitung.

Ein Opfer für den wahren König

Bach erbat sich für die höheren Aufgaben wie mehrstimmige Fugen eine häusliche Kompositionszeit, der König hatte es eigentlich on the spot improvisiert gehört haben wollen. Das Opfer, das Bach dargebracht hat mit dieser Musik, dürfte letztlich nicht dem weltlichen Herrscher gegolten haben, sondern dem wahren König, dem göttlichen Wesen, dem der Komponist in seiner Kunst sicher näher gewesen ist als der griesgrämige Preußenkönig.

Johann Sebastian Bach stand mit seiner Musik am Ende einer Entwicklung in den Jahren des Spätbarock. Ein halbes Jahrhundert zuvor war Österreich das Zentrum einer virtuosen Instrumentalmusik, die tiefe Religiosität, aber auch einen höchsten musikalischen Anspruch offenbart. Berühmtestes Beispiel sind die Rosenkranzsonaten Heinrich Ignaz Franz Bibers. Passend zum Gründonnerstag erklingt in diesem Programm die zehnte Sonate mit dem Titel Kreuzigung. Biber wirkte in Salzburg, sein Vorgänger Johann Heinrich Schmelzer war Musiker und Komponist am kaiserlichen Hof in Wien.

Aus dem rhythmischen Baukasten

Seine Sammlung von sechs Sonaten von 1664, aus der hier die dritte zu hören ist, war die erste gedruckte Sonatensammlung außerhalb Italiens und bedeutete eine stilprägende Nordverschiebung dieser Gattung. Schmelzer spielt souverän mit den Rhythmen und behandelt stets wiederkehrende Basslinien wie in einem Baukastenprinzip. Ähnliche Prinzipien finden sich auch in Giuseppe Colombis "Tromba e Ciaconna" aus derselben Zeit, einem Werk für Violoncello und Basso continuo.

Jan Freiheit ist Cellist und Gambist bei der Akademie für Alte Musik Berlin (Kristof Fischer/AkaMus)Jan Freiheit ist Cellist und Gambist bei der Akademie für Alte Musik Berlin (Kristof Fischer/AkaMus)

Vom Pionier der Musik für Traversflöte, von Jacques Hotteterre, stammt ein Stück, das sich geschmeidig in dieses Programm einfügt: Der Pariser Komponist, der "der Römer" genannt wurde, weil er einige Jahre in Italien studiert hatte, überschrieb sein Opus 7 mit dem Titel "L'art de préluder sur la flûte traversière". 1719 gab er diese Sammlung von Präludien heraus und setzte damit Maßstäbe für expressive solistische Musik für die neuartige Querflöte, die damals in Frankreich auch "deutsche Flöte" genannt wurde im Unterschied zur traditionellen klappenlosen Querflöte.

Klingender Nachruf

Eine kleine Karwochen-gerechte instrumentale Pretiose baut eine dramaturgische Brücke von Bachs Flötensonate hin zur dunkel gefärbten Cello-Ciaccona von Colombi: Johann Jakob Frobergers klingender Grabstein für den verstorbenen Lautenisten Blancheroche. Diese Gedenkstücke - Tombeaus - waren gängige Praxis in Musikerkreisen, sie dienten als musikalische Nachrufe entweder für Kollegen oder für Herrscher und Mäzene. Die Besonderheit dieses Froberger-Tombeaus besteht auch darin, dass im Notentext eine möglichst freie, also emotional aufgeladene Spielweise verlangt wird.

Live aus der Jesus-Christus-Kirche, Berlin-Dahlem

Johann Sebastian Bach
Sonate G-Dur für Flöte, Violine und Basso continuo BWV 1038

Johann Jakob Froberger
"Tombeau fait à Paris sur la mort de Monsieur Blancheroche" für Cembalo solo

Giuseppe Colombi
Tromba e Ciaccona sopra il basso (Modena, ca. 1665) für Violoncello und Basso continuo

Jaques Hotteterre
Préludes pour la flute traversière (Paris 1719)

Heinrich Ignaz Franz Biber
Sonate X "Kreuzigung" aus den Rosenkranzsonaten für Violine und Basso continuo

ca. 20.45 Uhr Konzertpause, Gespräch mit dem Manager der Akademie für Alte Musik Berlin, Uwe Schneider:

Johann Heinrich Schmelzer
Sonata tertia g-Moll für Violine und Basso continuo

Johann Sebastian Bach
Chromatische Fantasie für Cembalo Solo BWV 903a

Fuga canonica in Epidiapente und Triosonate c-Moll für Flöte, Violine und Basso continuo aus dem Musikalischen Opfer BWV 1079

Mitglieder der Akademie für Alte Musik Berlin:
Christoph Huntgeburth, Flöte
Bernhard Forck, Violine
Jan Freiheit, Violoncello
Raphael Alpermann, Cembalo

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