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Vollbild | Beitrag vom 21.02.2015

SpongeBob in 3D"Größer, schöner und großartiger"

Paul Tibbitt im Gespräch mit Patrick Wellinski

SpongeBob (Imago/Foto:xD.xVanxTinex/xFuturexImage)
"SpongeBob" während der Filmpremiere zu "SpongeBob 3D" im Januar 2015 in New York. (Imago/Foto:xD.xVanxTinex/xFuturexImage)

"SpongeBob", der Schwammkopf aus der erfolgreichen US-Fernsehserie, kommt erstmals als 3D-Animation ins Kino. Dank Digitaltechnik wirkten die einzelnen Pinselstriche der Figur noch tiefer und nicht so flach, sagt Produzent Paul Tibbitt.

Patrick Wellinski: Sie arbeiten schon seit Jahren an und mit der Figur "SpongeBob". Wie bewahren Sie sich da noch die Kreativität und den Spaß?

Paul Tibbitt: Na ja, es gibt ja nun nicht so viele positive und optimistische Figuren, und Menschen brauchen die. Also, ich brauche die auf jeden Fall. Und ehrlich gesagt, es macht immer noch Spaß, ihn zu machen, ihn zu erschaffen, und auch der Film jetzt war wirklich eine ganz wunderbare Erfahrung und es geht immer weiter mit ihm und es macht Spaß und es ist wirklich niemals ermüdend!

Wellinski: Aber wie erklären Sie sich denn diesen unglaublichen Erfolg dieser Kindersendung, dieses Zeichentrickformats? Ich meine, nicht nur Kinder gucken es, sonst wäre es ja gar nicht so erfolgreich. Warum sind auch die Erwachsenen so scharf auf "SpongeBob"?

Tibbitt: Ja, also, dass auch Erwachsene da gerne zuschauen… Es ist so: Wir machen die Show erst einmal nicht nur für Kinder, sondern wir wollen uns auch selber zum Lachen bringen und versuchen, so witzig wie möglich zu sein. Und wenn wir dabei eben auch die Kinder ansprechen, dann ist das natürlich sehr schön, weil, wir sind ja auch Eltern und es macht ja auch Spaß, Sachen gemeinsam mit den Kindern zu gucken. Und es ist dann wirklich wichtig, auch Fernsehen zu machen, eine Show zu machen, die man mit den Kindern sich ansehen kann. Und wenn wir erwachsene Fans haben, dann ist das doch eine sehr gute Sache. Weil, ich bin ehrlich gesagt auch der Meinung, dass Kinder nicht alleine fernsehen sollen.

Wellinski: Das Abenteuer, das "SpongeBob" und seine Freunde in Ihrem Film "SpongeBob 3D" erleben, hat damit zu tun, dass ein Geheimrezept verschwindet für die sehr berühmten Hamburger in Bikini Bottom. Geklaut wird dieses Rezept, wie sich herausstellt, von einem bärtigen Piraten, gespielt von Antonio Banderas. Aber wie schwer ist es für Sie und Ihr Team, aus einer Elf-Minuten-Fernsehserie einen Stoff zu entwickeln, der 90 Minuten trägt?

"Wir möchten natürlich schon das Gefühl aus der Fernsehsendung"

Tibbitt: Genau darin besteht ja die große Herausforderung. Und wenn so viel Zeit vergeht, so ein Warten zwischen den Filmen, dann geht es ja darum, auch 85 Minuten sinnvoll auszufüllen, das muss sich ja auch wirklich lohnen. Und wir möchten natürlich schon das Gefühl aus der Fernsehsendung, aus der Show mit herüberbringen, aber genau das ist die Herausforderung, dass diese Energie sich hält. Natürlich ist es viel einfacher, elf Minuten zu schreiben und elf Minuten auszufüllen, als 85 Minuten, und man muss ja auch dem Geist des Ursprungs irgendwo treu bleiben, dem Geist der Figur. Und das ist eben das, was wir versuchen herüberzubekommen, dass das, was wir im Fernsehen begonnen haben, dass das im Kino dann alles irgendwie größer, schöner und großartiger wird.

Wellinski: Ich frage ja auch, weil Figuren, Helden, Protagonisten in Filmen am Ende ihrer Reise geändert, geläutert sind – oder sein sollten, im besten Falle. Aber das Prinzip einer Comedyserie und eines Zeichentrickformats, wie es "SpongeBob" nun mal ist, ist ja, dass die Hauptfigur, also in dem Fall "SpongeBob", am Ende jeder Episode so ist wie am Anfang dieser Episode. Wie gingen sie damit um?

Tibbitt: Na ja, in dem ersten Film war es ja so, dass sich "SpongeBob" doch so ein bisschen verändert hatte. Und jetzt beim zweiten Film haben uns gesagt, diesmal ist es ein bisschen anders, diesmal bleibt "SpongeBob" doch eigentlich so, wie er ist, aber er wird all die anderen ein bisschen verändern. Und der große Gegenspieler, den es hier in dem Film gibt, der am Anfang nur an sich denkt, der total egoistisch ist, der so ein bisschen der Böse ist, der wird dann zum Schluss zum Teamplayer, weil er plötzlich merkt, dass seine eigenen Bedürfnisse doch nicht so wichtig sind wie die Bedürfnisse der anderen. Und das war uns wichtig, dass "SpongeBob" diesmal die anderen verändert.

Wellinski: "SpongeBob 3D", so sagt es der Titel, ist ein 3D-Film. Das ist das erste Mal, dass "SpongeBob" sich mit dieser Technik konfrontiert sieht. Welchen Mehrwert hat diese Technik und hat 3D überhaupt für die Geschichte?

Tibbitt: Also, ehrlich gesagt, haben wir da gar nicht so doll drüber nachgedacht, dass wir den Film jetzt in 3D machen. Das haben wir natürlich den Studios gesagt und wir haben uns auch nicht wirklich überlegt, wie das letztendlich aussieht. Und für mich war 3D eher, wie in ein Fenster zu schauen. Ich wollte jetzt nicht, dass all diese optischen Gags kommen, dass das Publikum quasi überrascht und angesprungen wird. Und dann gab es eigentlich eine sehr interessante Überraschung, als das 3D dann fertig war: Wir haben gemerkt, dass unsere Hintergründe, die wir ja malen, dass die doch mit Pinselstrichen und auch groben Pinselstrichen normalerweise funktionieren, und irgendwie wirkte das jetzt alles tiefer und nicht irgendwie so flach. Und das war eine sehr angenehme Überraschung. Aber wir haben uns jetzt nicht darauf konzentriert, einen 3D-Film zu machen, sondern wir haben uns natürlich auf die Geschichte konzentriert, die wir erzählen wollten. Und dann war 3D am Ende eine angenehme Überraschung, die gut funktioniert und eigentlich auch wirklich gut aussieht.

Wellinski: Sie benutzen in diesem Film sehr viele unterschiedliche Arten der Animation. Es ist viel gezeichnet, es ist auch CGI aus dem Computer dabei. Was waren die größten Herausforderungen, die Sie bei diesem Film hatten?

"Das erste Mal, dass er praktisch vom Computer animiert wurde"

Tibbitt: Das war natürlich auch die andere große Herausforderung, wie wird "SpongeBob" eben in CGI aussehen. Weil, er ist ja ursprünglich keine Figur, die wir am Computer oder am Laptop animiert haben. Das war wirklich das erste Mal, dass er praktisch vom Computer animiert wurde. Und natürlich haben wir uns die Frage gestellt, wie wird das letztendlich aussehen, und das war ein gewisses Risiko. Aber wir haben dann, glaube ich, die richtige Firma ausgewählt, und zwar eine Firma in Australien, die auch schon für TED gearbeitet hat, und die waren große Fans unserer Serie, unserer Show, und wir haben dann sehr schnell gemerkt, dass es eben funktioniert. Damit wurde uns natürlich ein großes Gewicht von den Schultern genommen, da konnten wir uns endlich wieder auf unsere Geschichte konzentrieren, auf die Story. Wir sahen, es sieht gut aus und CGI ist kein Problem für "SpongeBob", und dann haben wir das gemacht, was wir am besten können, nämlich eine Geschichte zu erzählen.

Wellinski: Es kommt dann zu dem Moment, wo "SpongeBob" und seine Freunde aus dem Wasser kommen. Damit ändert sich ihre Gestalt und für mich sahen die dann aus wie aus Seife. Irre ich mich da?

Tibbitt: Oh ja, das ist natürlich ein sehr schmaler Grat. Weil, einerseits sollten sie schon so aussehen, wie man sie kennt, und dann mussten wir natürlich ihnen auch ein bisschen Konturen noch hinzufügen. Sie sollten aber schon an die Fernsehsendung erinnern. Und dann haben wir versucht, bei "SpongeBob" ein bisschen was an Tiefe hinzuzugeben, ein bisschen Textur. Das war ein bisschen stilisiert, aber natürlich war klar, dass bei Tadeus Tentakel, der sollte nun keine Tintenfischhaut haben, das hätte ja auch gruselig ausgesehen. Das sollen ja irgendwo auch Spielzeuge bleiben. Und so haben wir versucht, eine Balance zu finden, dass sie einerseits nach wie vor realistisch wirken, und andererseits ein bisschen stilisiert.

Wellinski: Wir sollten natürlich auch noch über den Spielfilmteil des Films sprechen! Antonio Banderas gehört dazu. Warum ist er der perfekte Antagonist für "SpongeBob"?

Tibbitt: Na ja, wir kennen ja Antonio Banderas aus vielen Filmen und wir wissen, dass er witzig sein kann, dass er böse sein kann, dass er auch ein bisschen Angst machen kann und dass er auch ein sehr körperlicher Schauspieler ist. Also, wenn er einen Piraten spielt, dann nimmt man ihm das einfach ab, auch mit diesem spanischen Akzent, und er kann seine eigenen Stunts machen. Und er verfügt einfach über diese ganze Palette, die du für so einen Piraten brauchst!

Wellinski: Wie sieht das eigentlich für ihn aus am Set, wenn er als Schauspieler gegen, ja, ganz viele nicht existierende Figuren arbeitet? Machen Sie das nur mit Greenscreen?

Tibbitt: Ja, das ist immer sehr schwer für Schauspieler. Und das kann auch nicht jeder. Wir hatten letztendlich wirklich nur so ein paar kleine Puppen oder da war ein Draht, da war dann irgendetwas draufgeklebt. Und das ist schwierig. Aber Antonio Banderas ist einfach auch ein Schauspieler, der die Erfahrung dafür hat und der das irgendwie kann, und der hat einfach wirklich eine ganz tolle Arbeit hingelegt und man glaubt ihm einfach die vielen Szenen, die er eben mit den Charakteren hat.

Wellinski: Ist es noch zu früh für mich – da der Film ja gerade erst in die Kinos kommt – zu fragen, was schon das nächste Abenteuer für Sie und natürlich auch für "SpongeBob" ist?

Tibbitt: Jetzt sind wir wieder zum Fernsehen zurückgekehrt und konzentrieren uns auf die Fernsehsendung. Am Freitag habe ich den Film sozusagen abgeschlossen und am Montag war ich dann wieder im Studio, um mich auf die Fernsehshow zu konzentrieren. Wir sind ja jetzt schon im neunten Jahr, in der neunten Saison, und erst haben wir alles für den Kinofilm gegeben und nun konzentrieren wir uns wieder auf unsre Show!

Wellinski: Paul Tibbitt, thank you very much for your time, for your movie, and I wish you the best of luck!

Tibbitt: Thank you very much!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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