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Kompressor | Beitrag vom 06.08.2018

Spekulationen zum 90. GeburtstagWürde Andy Warhol auf Instagram posten?

Jörg Heiser im Gespräch mit Shanli Anwar

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In einer Austellung im Moskauer Granatny Dvor Kultur- und Ausstellungszentrum macht eine Besucherin Aufnahmen eines ausgestellten Kunstwerks von Andy Warhol, das Marilyn Monroe zeigt.  (Sergei Fadeichev / imago stock&people)
Kunstwerk von Andy Warhol in Moskau: "Er hat diese Medien begeistert und sofort eingesetzt." (Sergei Fadeichev / imago stock&people)

Andy Warhol war ein Technik-Fan. Wäre er auch heute noch ein Early Adaptor, jemand der immer die neueste Technologie nutzt? Und was wäre in Zeiten der Digitalisierung seine Plattform? Der Kompressor spekuliert mit Kunst-im-Kontext-Professor Jörg Heiser.

Wenn Andy Warhol noch am Leben wäre, würde er heute seinen 90. Geburtstag feiern. Warhol, der immer Early Adaptor, immer früher Nutzer neuer Technologien war, welche Plattformen würde der technikbegeistert Warhol heute nutzen? Dazu hat Shanli Anwar mit dem Geschäftsführendem Direktor des Instituts Kunst im Kontext an der Universität der Künste in Berlin, Jörg Heiser, gesprochen.

Heiser vermutet, dass Warhol sich immer noch stark für Medien interessieren würde – vor allem für Aufzeichnungsmedien. Warhol habe als einer der ersten überhaupt die Sony Videocam benutzt, also die erste Videokamera, mit der man sich frei bewegen konnte; er sei auch einer der ersten gewesen, die das Cassetten-Aufnahmegerät von Sony benutzt habe und damit den Roman "A" aufgezeichnete, 24 Stunden lang.

"Er hat diese Medien begeistert und sofort eingesetzt, aber es ging immer darum, damit die Dinge aufzuzeichnen, die ihn faszinierten: Ob es nun Werbe-Ikonen waren oder eben seine Factory-Superstars, mit denen er gemeinsam überhaupt erst geschaffen hat, was sie dann Superstar nannten."

Produktwerbung von Stars

Der Warhol der achtziger Jahre sei aber ein völlig anderer als der Gegenkultur-Warhol der sechziger Jahre gewesen, sagt Heiser. Klaus Theweleit habe dazu ausführlich geschrieben, dass er in gewisser Weise ausgelaugt gewesen sei: Also, "dass er sich plötzlich nichts Tolleres vorstellen konnte, als mit Nancy Reagan im Weißen Haus beim Dinner zu sitzen – was ihn in den Sechzigern sicher nicht interessiert hätte. Dementsprechend sind vielleicht so manche Aktionen, die er in den Achtzigern gemacht hat, doch sehr stark an dem, was man heute so kennt, wenn Stars, Sportler, Popmusiker für irgendwelche Produkte Werbung machen."

Warhol habe aber auch in den Achtzigern Dinge gemacht, die vor ihm so keiner gemacht hat, betont Heiser, etwa seine Sendung auf MTV, "Andy Warhol's Fifteen Minutes", die von 1985 bis 1987 lief. 

Das Format besteht aus sehr kurzen Clips, man könnte sich heute an Snapchat oder Instagram Stories erinnert fühlen – wären das also die sozialen Medien, die Warhol heute nutzen würde?

"Ja, aber er würde es sicherlich anders nutzen, als wir denken", sagt Heiser. "Es ging ihm ja nie darum, dass er einfach nur das macht, was alle anderen machen mit dem Medium, sondern dass er etwas macht, was alle anderen eben nicht machen. Und wie das aussehen könnte, darüber können wir natürlich wohlfeil spekulieren."

Ihm würde bestimmt etwas einfallen, was wir so nicht erwarten, meint Heiser. Vielleicht würde er sich aber auch gerade ein anderes Medium suchen.

Dr. Dre und die Faszination des Kommerziellen

Warhol hätte vielleicht fasziniert, dass Dr. Dre Hip-Hop-Milliardär wurde, indem er einen Kopfhörer an die Firma Apple verkaufte, meint Heiser: "Das sind so diese Geschichten, die etwas mit dem Business zu tun haben, die Warhol tatsächlich immer interessiert haben, aber die erst wirklich zentral für seine Arbeit wurden, als er schon nicht mehr in dem Maße künstlerisch innovativ war."

Auf das Kommerzielle reduzieren könne man Warhols Medienbegeisterung indes nicht, betont Heiser, er habe ja nicht einfach Gefälliges produziert: "Er hat ja radikale Ästhetiken verfolgt, er hatte ja, wenn man so will, die Illusion, dass die großen Mainstream-Firmen darauf einsteigen, was sie dann eben nicht taten. Also: Keiner wollte Warhol eine große Filmproduktion zahlen – was Warhol später vielleicht sogar etwas verbittert hat."

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