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Studio 9 | Beitrag vom 09.09.2015

SparknewsLauter gute Nachrichten

Von Suzanne Krause

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Daumen hoch! Die weltweit verstandene Geste zeigt dieser glückliche kleine Fußballfan aus der Ukraine. (dpa / picture alliance / Marcin Obara)
Daumen hoch! Manche Medien sammeln enorm viele "Likes" von ihren Usern nach Good-News-Beiträgen. (dpa / picture alliance / Marcin Obara)

"Lösungsorientierter" Journalismus ist im Aufwind. Schreiben und filmen, um die Welt zu verbessern − nach diesem Konzept bringt das Portal Sparknews ausschließlich "good news". Etablierte Medien merken: Viele Leser und Hörer wünschen sich mehr davon.

Dicht an dicht stehen die armseligen Hütten im Slum von Manilla – so dicht, dass kein Sonnenlicht in die Gassen und die Behausungen kommt, wie eine Fernseh-Reportage zeigt. Kostenloses Licht ins Dunkel bringt da eine sogenannte Solar-Flasche. Das Prinzip ist überaus simpel: Eine Plastikflasche, gefüllt mit gefiltertem Wasser und einem Bleichmittel, wird so installiert, dass die obere Hälfte aus dem Wellblechdach herausragt, die untere Hälfte ins Haus hinein. Die Solar-Flasche leitet Sonnenlicht in vormals düstere Räume.

Die TV-Reportage ist auf der Webseite von Sparknews zu sehen. Ein Video von derzeit rund 2.000, in denen es um Lösungsansätze zu heutigen Problemen geht. Die Themenpalette reicht von Landwirtschaft über Entwicklungshilfe bis hin zu Bildung im armen Süden oder auch Menschenrechte. Die Videos auf der Webplattform sollen Redaktionen auf Themensuche als Goldgrube dienen – sie können frei übernommen werden oder zu eigenen Recherchen anstiften, erklärt Christian de Boisdredon, der Sparknews-Gründer.

"Wenn ich meiner Großmutter verständlich machen will, was Sparknews ist, würde ich sagen: Sparknews will den Medien helfen, öfter von positiven Vorgängen in der Welt zu berichten."

Die Webplattform mit ihrem Good-News-Archiv ist ein Standbein von Sparknews. Das zweite ist der Impact Journalism Day. Ende Juni fand er dieses Jahr schon zum dritten Mal statt. Susanna Holowati von Sparknews zieht Bilanz:

"Mit 47 teilnehmenden Zeitungen haben wir ungefähr über 100 Projekte geschrieben, also die Zeitungen. Und damit ungefähr 120 Millionen Leser auf der ganzen Welt erreicht. Und auch im Internet vor allem war der Einfluss sehr groß, mit 11,5 Millionen Menschen, die dadurch erreicht worden sind."

Die Teilnehmer, führende Tageszeitungen aus 40 Ländern, von Algerien über China bis nach Südafrika, publizierten eine mehrseitige Sonderbeilage. Den Pool, koordiniert von der "Sparknews"-Schaltstelle in Paris, belieferten alle Redaktionen – zum kostenlosen Abdruck für die Kollegen.

"L'Economiste", die erste Wirtschafts-Tageszeitung in Marokko und in Burkina Faso, nimmt seit zwei Jahren am Impact Journalism Day teil. Chefredakteurin Meriem Oudghiri sagt: Zur zweiten Auflage war das Echo auf die Good-News-Beilage gewaltig:

"Wir hatten unglaublich viele Like-Klicks in den sozialen Netzwerken. Die Leser waren begeistert und fragten an, ob wir nicht noch mehr good news bringen können."

Jeden Montag eine "Lösung"

Auch die Redaktion des "Tagesanzeigers" in der Schweiz wurde von Rückmeldungen begeisterter Leser geradezu überrollt. Und bietet nun jeden Montag eine neue Rubrik mit good-news-Berichten, konsequent betitelt: Die Lösung. Alain Zucker von der Chefredaktion träumt von weiteren Neuerungen − als Vorbild nennt er die Initiative der Kollegen bei der "Straits Times", der großen Tageszeitung in Singapur:

"Also diese 'Straits Times' find ich wirklich ziemlich gut. Weil was die auch machen, ist, die haben aus diesem Projekt ein Community Event entwickelt, das heißt, sie haben Studenten eingeladen, ihre Ideen zu präsentieren und zu pitchen. Und ein Experten-Panel bewertet dann diese Ideen und dann gibt's einen Preis und so weiter."

Lösungsorientierter Journalismus ist weltweit im Aufwind. In Ägypten läuft eine ungewöhnliche TV-Reality-Show für sozial orientierte Nachwuchs-Unternehmer. Die französische Nachrichten-Agentur AFP bringt auf Wunsch ihrer Kunden immer mehr good news. Die britische "Sunday Times", das auflagenstarke Sonntagsblatt der Murdoch-Gruppe, kürt den "sozialen Innovator des Jahres". Auch Meriem Oudghiri von der marokkanischen Wirtschafts-Tageszeitung will journalistisch verstärkt neue Wege gehen.

"In der diesjährigen Sonderbeilage haben wir viel über soziales Unternehmertum berichtet. Das Thema ist in Marokko und auch in meiner Arbeit nun sehr angesagt. Viele Nichtregierungs-Organisationen im Land haben tolle Projekte und finden Inspiration bei unseren good news. Da entsteht ein Netzwerk mit dem Ziel, das Leben weltweit zu verbessern. Und dabei haben auch wir Journalisten eine Rolle zu spielen."

Mehr zum Thema:

Politischer Journalismus in Deutschland - Zweifelhafte Macht
(Deutschlandfunk, Andruck - Das Magazin für Politische Literatur, 6.7.2015)

Frage des Tages - Ist guter Journalismus heute unter Druck?
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