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Interview / Archiv | Beitrag vom 27.03.2015

Soziologe Christoph ButterweggeWie Armut in Deutschland verharmlost wird

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Auf einem Gehweg sitzt ein Mann in einer Decke. Vor ihm steht ein Becher. Ein Passant geht vorbei. (dpa / picture alliance / Paul Zinken)
Die Armut in Deutschland nimmt zu (dpa / picture alliance / Paul Zinken)

Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) hält wenig von der Annahme, wonach ein Bürger, der über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt, arm ist. Armut solle neu definiert werden, meint Nahles. Damit verdränge die Politikerin das Problem, kritisiert der Armutsforscher Christoph Butterwegge im Interview mit Deutschlandradio Kultur.

"Ich fürchte, dass auf diese Art und Weise wieder versucht werden soll, das Problem zu verharmlosen und zu verdrängen", sagt Christoph Butterwegge. Der Sozialwissenschaftler forscht an der Universität Köln zum Thema Armut. Armut habe viele Gesichter und wenn man versuche, diese verschiedenen Aspekte zu erfassen, werde die Frage der Definition von Armut "ein unendliches Projekt". Wichtiger als statistische Zahlen sei die Einsicht, dass in Deutschland die soziale Ungleichheit wachse. 

"Man muss dafür sorgen, dass man Arbeitsverhältnisse schafft, von denen die Menschen leben können", sagt Butterwegge. Ein großer Teil der Armut in Deutschland sei durch die politischen Entscheidungsträger selbst erwirkt worden, etwa durch die Agenda 2010 oder die Hartz-Gesetze. "Wir müssen an den Strukturen ansetzen – da hat die Politik ihre Verantwortung." Das Armutsproblem dürfe nicht subjektiviert werden. Armut sei ein strukturelles Problem. "Ich glaube, das Problem ist nicht der fehlende Aufstiegswille, sondern die fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten", sagt Butterwegge.

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