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Fazit | Beitrag vom 08.03.2019

Sozialwissenschaftlerin Gisela Notz zum Frauentag„Hauptsache, es bleibt ein Frauenkampftag“

Gisela Notz im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Zwei Frauen auf einer Bühne. Auf dem Transparent an der Bühne steht "FRAUEN*STREIK". (dpa)
Auch in Rostock streikten Frauen - hier gemeinsam mit dem antikapitalistischen Jodel-Duo "Esels Alptraum". (dpa)

In Berlin ist der Frauentag nun offiziell ein Feiertag. Bundesweit fanden in vielen Städten Frauenstreiks statt. Die Sozialwissenschaftlerin Gisela Notz vergleicht den heutigen Kampftag mit dem vor 25 Jahren, als eine Million Frauen auf die Straße gingen.

Berlin ist das erste Bundesland, das den 8. März offiziell als Feiertag eingeführt hat. Sechs Millionen Menschen profitieren davon. Festangestellte Frauen konnten heute zuhause bleiben, im Laufe des Tages an Demonstrationen und Veranstaltungen teilnehmen oder sich dem bundesweiten Frauenstreik anschließen. Es ist der erste Frauenstreik in Deutschland seit 1994.

Mit Telefonketten und Fax zum Erfolg

Die Sozialwissenschaftlerin und Historikerin Gisela Notz organisierte vor 25 Jahren den Streik am Weltfrauentag mit, zu dem eine Million Frauen auf die Straße gingen. Im Deutschlandfunk Kultur erzählt sie, sie und ihre Mitstreiterinnen hätten das ganz ohne E-Mails, Smartphones und Internet geschafft. "Wir haben die gelbe Post benutzt, wir haben Faxe morgens abgeschickt, bevor wir zur Arbeit gegangen sind, und sogenannte Telefonketten gab's ja zu dieser Zeit öfter."

So habe sich der geplante Streik schnell herumgesprochen. Es hätten sich dann Streikkomitees in allen größeren Städten gebildet, auch große Streikkonferenzen seien dann abgehalten worden. "So konnte niemand mehr sagen, dass er davon nichts weiß." 

Den einen zu radikal, den anderen nicht radikal genug

"1994 war in Deutschland vielleicht der erste Streik, der sowohl die Arbeit in der Produktion, in der Verwaltung als auch die Arbeit zuhause, im Ehrenamt, die unbezahlte Arbeit in der Familie mitbestreiken wollte." An diesem Streik beteiligten sich damals also Frauen aus unterschiedlichen Bereichen aus West und Ost.

Notz berichtet, dass es so kurz nach der Wiedervereinigung nicht leicht gewesen sei, alle unter einen Hut zu bekommen, da viele gemeint hätten, die Wiedervereinigung habe auf Kosten der Frauen stattgefunden. Auch seien den einen die Forderungen nicht radikal genug und den anderen zu radikal gewesen. "Wir waren dann aber total stolz, als wir es geschafft hatten, einen konsensfähigen Aufruf zu entwickeln und dann auch zu drucken und unterschreiben zu lassen."

Vor- und Nachteile des neuen Feiertages

Die Schaffung des neuen Feiertages in Berlin habe Vor- und Nachteile, sagt Notz. Einerseits sei der Tag in Zukunft für betriebliche Streiks nicht mehr so gut geeignet, andererseits sei der Internationale Frauentag 1911 aber von vornherein als Kampftag konzipiert gewesen. "Er sollte solidarisch, international und ein Ehrentag sein." Notz zeigt sich schließlich zufrieden mit dem Ergebnis des heutigen Tages und erklärt, es schließe sich nicht aus, einen Ehrentag als Feiertag zu bekommen und diesen als Kampftag zu leben.

"Heute hat sich vielleicht gezeigt: Das war eine Massendemonstration, wie wir sie als Frauendemonstration wirklich seit 1911 nicht mehr hatten. Das war vielleicht auch dem geschuldet, dass der Tag eben Feiertag war. Es war ein guter Auftakt, daraus wirklich was zu machen. Für mich ist wichtig: Hauptsache, es bleibt ein Frauenkampftag."

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