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Interview | Beitrag vom 08.01.2019

Soziale NetzwerkeWie Twitter die Sprache verändert

Peter Schlobinski im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Illustration: Vogel sendet unhöflichen und wütenden Tweet an eine große Gruppe von Menschen. (imago/Ikon Images)
In Twitter sei auch ein Potenzial für Kreativität enthalten, meint Peter Schlobinski. (imago/Ikon Images)

280 Zeichen, mal eben schnell dahingetippt - das macht etwas mit unserer Sprache. Nicht nur Schlechtes, meint Peter Schlobinski, Vorsitzender der Gesellschaft für deutsche Sprache. "Indem man spontan reagiert, ist man teilweise auch kreativ."

Polemisch, aggressiv, diffamierend  - Robert Habecks Twitter-Fauxpas über das noch nicht vollständig demokratisierte Thüringen hat Habecks Erklärung hat erneut die Diskussion über die Verrohung der Sprache in den Sozialen Netzwerken aufflammen lassen.

Für den Vorsitzenden der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, liegt das Problem vor allem in der Schnelligkeit des Mediums. "Je schneller man etwas produziert und je unkontrollierter, desto fehleranfälliger ist es." Genau das sei Robert Habeck passiert. "Man haut so, locker gesagt, die Sachen einfach mal raus und hinterher wundert man sich, was man da geschrieben hat oder auch gesagt hat." Doch Menschen, die in der Öffentlichkeit stünden, müsse klar sein, dass jedes einzelne Wort zähle, mahnt Schlobinski.

"Wir haben unterschiedliche Sprachregister"

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache geht generell davon aus, dass das Medium und die Art der Kommunikation auch die Sprache prägt. "Wenn ich bei Whatsapp was schreibe oder bei Facebook, dann schreibe ich natürlich anders, als wenn ich ein Essay schreibe oder einen Brief an den Präsidenten. Das heißt also, wir haben unterschiedliche Sprachregister, das ist so, dass wenn ein relativ lockerer Stil gepflegt wird, wir auch entsprechend lockerer schreiben." Das könne sich natürlich auch hinsichtlich aggressiven Verhaltens oder Diffamierung auswirken, meint Schlobinski. Aber die Veränderungen der Sprache durch soziale Netzwerke halte er nicht nur für negativ. Denn in der Spontaneität sei auch ein Potenzial für Kreativität enthalten.

"Das zeigen auch viele Studien, dass gerade so diese Kurznachrichten, wo man halt weniger Zeichen zur Verfügung hat, dass man da auf der einen Seite stark abweicht, aber auf der anderen Seite auch relativ kreativ und witzig ist."

(uko)

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