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Tonart | Beitrag vom 15.10.2020

Soundportal LoopermanMit Gratis-Loops zum Platinstatus

Von Dennis Kastrup

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Dreidimensionale Visualisierung einer unendlichen Schleife (Gettyimages / Moment RF / Andrey Onufrienko)
Looperman kann man als Gratis-Schlaraffenland sehen für Produzenten, die sonst viel Geld für ein Sample beim Rechteinhaber bezahlen müssen. (Gettyimages / Moment RF / Andrey Onufrienko)

In Hip-Hop- oder Rap-Songs sind oft einzelne Beats oder Loops enthalten, die auf Onlineplattformen angeboten werden. Einige sind kostenlos und dazu gehört Looperman. Der prominenteste User des Portals erklärt, warum er seine Arbeit verschenkt.

User-Name, E-Mail-Adresse und Passwort – mehr braucht es nicht, um sich bei der Plattform und Onlinecommunity Looperman anzumelden. Nach einem kurzen Klick stehen einem kostenlos ungefähr 165.000 Audio-Loops, Sounds und Samples zur Verfügung. Eine Suchmaschine hilft, die passende Musik zu finden: Es kann nach Genre, Tonart, Beats per Minute oder Instrument gefiltert werden. Ein Beispiel: Die Auswahl 140bpm, Trap und Drums liefern das siebensekündige Sample "Power Trap Drums" des Users "Wordex". Ähnliche Parameter schlagen das Sample von User "MadLabz" vor.

Eines der bekanntesten Profile bei Looperman nennt sich "Minor2Go". Dahinter verbirgt sich der deutsche Musiker und Musikproduzent mit dem Alias Martin Minor aus dem thüringischen Saalfeld. Mehr Informationen über ihn findet man weder online, noch gibt er sie in Interviews preis. Seit elf Jahren ist er bei Looperman aktiv.

Er sei damals wohl via Google auf Looperman gestoßen, sagt er. Er habe die Seite sehr ansprechend gefunden, und dann auch gesehen: "‘Ha, da gibt es ein Forum, da können sich die Musiker untereinander austauschen, können sich gegenseitig Tipps geben. Hier kann man miteinander arbeiten, Collaborations starten.‘ Das fand ich sehr gut, sehr faszinierend, und dachte mir: ‚Ja, ich möchte Teil dieser Gemeinschaft sein!‘"

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Bei Looperman sollen sich alle an bestimmte Regeln halten. Die wichtigste lautet: Angebotene Loops dürfen nicht gelayert, übereinandergeschichtet werden. Ein Cello darf also beispielsweise nicht mit einem Klavier gemischt werden. Der Sound muss klar sein, damit das Sample als einzelner Klang benutzt werden kann. "Minor2Go" hat mittlerweile über 5000 kostenlose Loops auf die Plattform gestellt und dabei ein gewisses Erkennungsmerkmal entwickelt.

"Ich würde meine Loops moll-lastig bewerten. Nicht umsonst heiße ich ‚Minor2Go‘, Minor, Moll, traurige Musik zum Mitnehmen sozusagen. Ich bin ein sehr emotionaler Typ und dementsprechend klingen dann, denke ich, auch meine Loops. Ich versuche immer und habe auch schon immer versucht, einen eigenen Style, einen eigenen Sound zu entwickeln. Das war mir auch immer besonders wichtig, dass wenn jemand meine Melodien hört, dass der weiß: ‚Hey, das ist Martins Melodie‘ und da nicht unterzugehen im Rest der Sounds."

Urheber muss nicht angegeben werden

"Minor2Go" ist so etwas wie der Star von Looperman. Seine Loops finden sich in unzähligen Songs wieder. Manche davon haben sogar Gold- oder Platinstatus erreicht. Darunter sind große Namen wie die Rapper Polo G, French Montana, Lil Tjay. Lil Peep oder Drake. Dass Künstler seine Samples benutzen, findet "Minor2Go" oft heraus, wenn er selbst online Songs anhört oder Freunde ihn darauf hinweisen. Ab und zu wird auch sein Name in den Credits genannt. Das ist aber nicht verpflichtend.

"In den Guidelines steht einfach nur: Wenn du den Loop von Looperman verwendest und den Track beispielsweise auf Spotify oder YouTube uploadest, dann gib doch bitte an, dass du diesen Loop von Looperman hast. Aber der Artist an sich, der Uploader, der Composer dieses Loops, muss laut AGBs nicht angegeben werden."

Gratis-Schlaraffenland für Produzenten

Looperman ist quasi ein Gratis-Schlaraffenland für Produzenten, die sonst viel Geld für ein Sample beim Rechteinhaber bezahlen müssen. Die Loops von Looperman sind lizenzfrei, normalerweise hätte "Minor2Go" mit seinen Sounds viel Geld verdient. Umso erstaunlicher ist es, dass er sich darüber bis vor Kurzem nicht wirklich Gedanken gemacht hat.

"Meine Hauptintention ist ja wirklich, den Leuten zu helfen, also erst einmal mich selbst musikalisch auszudrücken und natürlich dann auch Amateurproducer, Producer, die vielleicht nicht so das Geld haben, teure Loop-Packs zu kaufen, musikalisch zu unterstützen. Wenn man diese ganzen Hit-Tunes mal wegdenkt, habe ich im Laufe der letzten Jahre wirklich unzählige Dankeschöns und sehr, sehr nette Feedbacks erhalten. Dann wusste ich jedes Mal: Hey, genau deswegen mache ich das!"

Schritt ins bezahlte Musikgeschäft

Dennoch hat Martin Minor sich jetzt dazu entschieden, den Schritt in das bezahlte Musikgeschäft zu wagen. Im August hat er bei Electric Feel Entertainment unterschrieben, das Label, bei dem unter anderem der erfolgreiche Rapper Post Malone unter Vertrag ist. Der Schritt ist nachvollziehbar: Kreativität muss belohnt und bezahlt werden. Ob in Zukunft das Profil "Minor2Go" bei Looperman trotzdem weiterhin existieren wird, weiß Martin Minor aber selber noch nicht.

"Das ist auch eine spannende Frage. Also aktuell besteht er ja noch und der bleibt auch erst einmal da, wo er ist. Was mit dem Account in Zukunft passiert, das kann ich gar nicht so sagen. Noch ist er da und man darf sich gerne bedienen."

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