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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 19.03.2015

Sonnenfinsternis und FotovoltaikWarum Bayerns Stromnetz schockresistent ist

Von Michael Watzke

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Solarkraftwerk Repperndorf in Bayern (dpa / picture alliance / Friedel Gierth)
Bayern hat bundesweit die höchste installierte elektrische Nennleistung von Fotovoltaik-Anlagen. (dpa / picture alliance / Friedel Gierth)

Ohne Sonne kein Solarstrom. Die anstehende Sonnenfinsternis werde deshalb im Süden der Republik schlimme Folgen haben, unken selbsternannte Elektrizitätsexperten. Warum das ein großer Schmarrn ist, erklärt unser Bayern-Korrespondent Michael Watzke.

Die Beschaffenheit des bayerischen Stromnetzes erklärt man am besten mit Bier. Nirgendwo ist der Strom des Bieres konstanter als in Bayern. Und so wie es Tag und Nacht gibt, gibt es hier ein Helles und ein Dunkles.

Normalerweise trinkt der Bayer entweder ein Helles oder ein Dunkles. Manchmal aber, quasi einer Laune der Natur folgend, ruft der Bayer nach zwei Hellen plötzlich der Bedienung zu: "Geh', Marei, bringst amal a Dunkles!" Die Bedienung, ohne mit der Wimper zu zucken, bringt dem Gast ein dunkles Bier, das er zügig leert, um danach gleich wieder zum Hellen zu wechseln. So ist er, der Bayer. Er kann das.

Phlegma statt Panik-Attacken

Wer glaubt, ein solch "anomalisches" Verhalten müsse automatisch zum Netzwerk-Ausfall führen - dass sich der Bayer also quasi selbst die Lichter ausschießt – , der kennt nicht die Leberwerte hiesiger Trinker. Bayern haben eine erstaunliche Konstitution, hierzulande auch gern als bayerische Verfassung bezeichnet. Sie können mühelos von Hellem zu Dunklem, von Gutem zu Bösem, von Ying zu Yang wechseln, weil sie das Phlegma eines buddhistischen Meditations-Mönchs besitzen.

Nord-, Ost- und Westdeutsche neigen in Stress-Situationen wie einer Sonnenfinsternis zu Panik-Attacken und Hyperventilation. Der Bayer dagegen nutzt großflächige Pufferzonen in seinem Gehirn, um zu schnelle Gedanken abzubremsen, bevor sie zu Netzwerkschwankungen führen können.

Auch in der Nacht ist es dunkel

Und das gilt auch für das bayerische Stromnetz. Es ist schock-resistent. Keine Angst, Deutschland, Bayern hat alles im Griff. Und sollte dir diese Versicherung wider Erwarten zu unwissenschaftlich sein, sei hier noch Dr. Herbert Barthel zitiert, Energie-Referent des BUND Naturschutz in Bayern:

"Dass es mal dunkel ist und mal hell, das wissen wir ja auch von der Nacht. Nachts ist es dunkel, am Tag ist es hell. Das einzige Problem ist das der Geschwindigkeit der Änderung. Und das kann man planen, darauf kann man sich einstellen. Die Sonnenfinsternis war sicherlich schon bekannt, bevor ich geboren wurde. Also weiß man genau, was auf einen zukommt. Wir sehen da keine Probleme, da wird nichts passieren."

Also: Wenn sich morgen gegen 9:30 Uhr der Mond vor die Sonne schiebt und Sie gerade im Aufzug stehen – bewahren Sie Ruhe. "A Ruah", wie der Bayer sagt. Machen Sie sich doch ein Bier auf. Zum Beispiel ein Helles. Oder ein Dunkles.

Mehr zum Thema:

Astronomie - Partielle Sonnenfinsternis über Europa
(Deutschlandfunk, Sternzeit, 19.03.2015)

Solarstrom - Sonnenfinsternis als Härtetest für die Stromnetze
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 17.03.2015)

Bayern und Baden-Württemberg - Gemeinsame Energiewende im Süden?
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 12.03.2015)

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