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Tonart | Beitrag vom 04.04.2019

Sonja Eismann über #Metoo in der RockszeneDie Rockgeschichte ist voller Missbrauchsfälle

Sonja Eismann im Gespräch mit Vivian Perkovic

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Keith Moon am Schlagzeug (imago/stock&people)
Musiker wie zum Beispiel Keith Moon, Schlagzeuger von "The Who", hatten Beziehungen zu Minderjährigen, sagt Sonja Eismann. (imago/stock&people)

Eine Diskussion über den Machtmissbrauch durch männliche Stars in der Musikszene fordert Sonja Eismann vom "Missy Magazine". Bands der 60er- und 70er-Jahre hätten selbstverständlich sexuelle Beziehungen zu Minderjährigen unterhalten.

"Leaving Neverland" ist die Dokumentation über zwei Männer, die als Kind Missbrauchserfahrungen durch Michael Jackson erfahren haben. Zu Lebzeiten wurde dieser freigesprochen, doch in der Dokumentation wird klar: Der Rockstar hatte doch juristisch verfolgbare Handlungen unternommen.

Sonja Eismann, Herausgeberin des "Missy Magazines", ist davon überzeugt, dass die mediale Aufmerksamkeit für diesen Film zum großen Teil der #Metoo-Bewegung zu verdanken ist. Die Sensibilität diesem Thema gegenüber sei in großen Teilen der Gesellschaft angekommen, meint Eismann.

Porträt von Sonja Eismann. (Katja Ruge)Sonja Eismann will die Rockgeschichte anders beleuchten. (Katja Ruge)
Dazu zählen auch die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle an Schulen und Kircheninstitutionen. "Es kommt noch dazu, dass der Celebrity-Faktor eine große Rolle spielt", sagt Eismann. Damit sei auch ein gewisser Voyeurismus verbunden. Schließlich war Michael Jackson einer der größten Popstars, die die Welt bisher gesehen habe. Das sei für die Medienwelt attraktiv, diese Nachrichten finden eine schnelle Verbreitung. 

"Rechtlich gesehen geht es hier um Vergewaltigung"

Auf Grund dieser Berichte, die sich nicht nur auf Michael Jackson beziehen, hat Eismann viele Berichte zur Hand genommen, die die sogenannte Groupie-Szene beschreiben: Bands und Musiker der 60-er und 70-er Jahren wie David Bowie oder Keith Moon. Diese erwachsenen Rockstars hätten ganz selbstverständlich sexuelle Beziehungen zu 14-, 13- oder 12-Jährigen unterhalten, konstatiert Eismann. "Rechtlich gesehen geht es hier um Vergewaltigung. Aber zum Beispiel hat noch im letzten Jahr ein Medium wie 'Interview Magazin' diesbezüglich ganz liebevoll von 'Baby Groupies' und ihren Sexkaskaden geschrieben." Ihr sei dabei klar geworden, dass die Rockgeschichte voller solcher Missbrauchsgeschichten sei.

Sexistische Männerfantasien

Ein Beispiel führt Eismann an: der "Stray Cat Blues" der "Rolling Stones". "Hier geht es um Sex mit einer 15-Jährigen. In der Live-Version wird sogar ein 13-jähriges Mädchen daraus. Da wird ein einvernehmlicher erotischer Austausch konstruiert, aber eigentlich ist das eine brutale, sexistische Männerfantasie." 

David Bowie kniet in einem auffälligen Kostüm auf einer Bühne. (imago/LFI)David Bowie 1974 bei einem Konzert in London. (imago/LFI)

Erschreckend für Eismann, wenn "Baby Groupies" wie Lori Mattix, heute noch davon sprechen, dass es doch ein Privileg sei, seine Jungfräulichkeit an David Bowie verloren zu haben. Vielleicht sei es Zufall, so Eismann, aber es sei für sie sehr auffällig, dass die dringend notwenige Diskussion um Machtmissbrauch durch männliche Stars erst dann richtig in Fahrt käme, wenn die Beschuldigten schwarze Männer seien. "Ich denke, dass mächtige weiße Männer unbeschränkten Zugriff auf junge Körper haben. Das scheint mir für viele Leute immer noch unhinterfragbar zu sein." Daher fordert sie, dass der unkritische Umgang mit der Rockgeschichte beendet werden muss, und zwar in seiner ganzen Bandbreite und nicht nur an jenen Fällen aufgearbeitet werden darf, die medial allseits präsent seien.

(cdr)

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