Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Sonntag, 21.04.2019
 
Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Tonart | Beitrag vom 20.03.2019

"Songs of Our Native Daughters"Weiblicher Folk – ungeschönt und ergreifend

Fanny Tanck im Gespräch mit Carsten Beyer

Die vier Musikerinnen Rhiannon Giddens, Leyla McCalla, Allison Russell and Amythyst Kiah (von links), die sich zu dem Projekt "Our Native Daugthers" zusammengefunden haben. Ihr erstes gemeinsames Album heißt "Songs of Our Native Daugthers". Die vier afroamerikanischen Musikerinnen stehen nebeneinander in einem Park, jede hält ein Banjo in den Armen. (Terri Fensel)
Die vier Musikerinnen Rhiannon Giddens, Leyla McCalla, Allison Russell and Amythyst Kiah (von links), die sich zu dem Projekt "Our Native Daugthers" zusammengefunden haben. Ihr erstes gemeinsames Album heißt "Songs of Our Native Daugthers". (Terri Fensel)

Rhiannon Giddens, Allison Russell, Leyla McCalla und Amythyst Kiah könnten als Musikerinnen unterschiedlicher nicht sein. Doch die Afroamerikanerinnen teilen ein Anliegen und ein Musikprojekt: Songs gegen die Diskriminierung und den Alltagssexismus.

"Woman is the Nigger of the world" - "Die Frau ist der Neger der Welt" sang einst John Lennon. Was, wenn sogar beides zutrifft? Frau sein und schwarz sein? Für die US-Musikerinnen Rhiannon Giddens, Amythyst Kiah, Allison Russell und Leyla McCalla, die sich für ein Musikprojekt als "Our Native Daughters" zusammengetan haben, gab diese doppelt schwierige Rolle Anstoß für ein neues Album. "Songs of Our Native Daughters" versammelt Themen und Songs rund um das Lebensgefühl afroamerikanischer Frauen in den USA.

Wer sind wir? Wohin gehen wir? Und woher kommen wir? Diese Fragen stellen sich die vier Frauen, alle mit Banjo und einem Ziel, aber mit ganz unterschiedlichem musikalischen Hintergrund: den immer noch allgegenwärtigen Rassismus und Sexismus in den USA zu thematisieren, eine öffentliche Diskussion anzustoßen. Dafür schreiben sie eigene Songs, beziehen sich aber auch auf alte Kompositionen und historisches Material wie Fotos und Texte.

Ohne die üblichen Klischees

In jedem Fall seien die Songs "absolut ungeschönt", sagt die Musikkritikerin Fanny Tanck. Für sie ist "Songs of our Native Daughers" eine "reflektierte und selbstbewusste Platte" – ohne erhobenen Zeigefinger und abgegriffene Klischees. Einige Songs, etwa der von Rhiannon Giddens über einen kleinen Skalvenjungen, der mitansehen muss, wie seine Mutter misshandelt und schließlich aufgehängt wird – seien derart "ergreifend und intensiv umgesetzt, da hätte ich fast  ausgeschaltet".

Daneben gebe es aber auch Songs, die Hoffnung verbreiteten – zwar gehe es fast immer um Diskriminierung, jedoch gekoppelt mit der Solidarität schwarzer Frauen untereinander und der klaren Ansage, sich nichts gefallen zu lassen.

(mkn)

Mehr zum Thema

Rhiannon Giddens - Stimmgewaltiges Debüt
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 4.3.2015)

Leyla McCalla - Amerikanischer Blues und haitianische Folklore
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 11.5.2016)

Vor 30 Jahren erschien Tracy Chapmans Debütalbum - Chronistin von Rassismus, Gewalt und Armut
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 5.4.2018)

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur