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Studio 9 | Beitrag vom 03.06.2020

SommerurlaubFür Reisefreiheit braucht man den richtigen Pass

Olga Grjasnowa im Gespräch mit Julius Stucke

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Im Vordergrund ein Sandstrand mit einem Sonnenschirm, dahinter türkis glitzerndes Meer, im flachen Wasser läuft eine Person. (D L / unsplash.com)
Vor Urlaub in Griechenland, etwa an diesem Strand der Insel Koronisia, wird ab 15. Juni nicht mehr durch das Auswärtige Amt gewarnt. (D L / unsplash.com)

Statt Reisewarnungen nur noch Reisehinweise: Die Deutschen sollen auch im Corona-Jahr Sommerurlaub bei den europäischen Nachbarn machen können. So unkompliziert könnten nur die wenigsten Menschen auf der Welt reisen, merkt die Schriftstellerin Olga Grjasnowa an.

Nach drei Monaten coronabedingter Isolation hat Italien an diesem Mittwoch seine Grenzen wieder geöffnet. Die ersten deutschen Urlauber sind gleich in der Früh durch die Schweiz (der das alles zu schnell geht) und durch Österreich (wo man höchstens zum Tanken halten darf) gebraust, um an der Riviera einen Liegestuhl zu besetzen.

Reisewarnung für 29 Länder aufgehoben

Zur gleichen Zeit hat die deutsche Regierung heute beschlossen, die Reisewarnung für 29 europäische Länder ab dem 15. Juni aufzuheben. Wieder reisen können soll man in alle Länder der Europäischen Union und nach Großbritannien, so es denn das Infektionsgeschehen erlaubt.

Reisen, sagt die Schriftstellerin Olga Grjasnowa, sei "ein extremes Privileg". Das sei vielen wegen der Reisefreiheit innerhalb Europas aber nicht mehr bewusst. "Wir müssen uns nicht mehr anstellen, um ein Visum zu beantragen", so die Autorin:

"Wir wissen nicht, wie viel Mühe es eigentlich kostet, nach Deutschland zu kommen. Und zwar nicht nur im Schlauchboot. Auch für normale, durchschnittliche Touristen aus afrikanischen Ländern ist es unmöglich, nach Europa zu kommen, sich Italien anzuschauen oder auch mal Deutschland."

Der Impfstoff wird das Reisen beflügeln

Die Autorin, die im Alter von elf Jahren als Kontingentflüchtling nach Hessen kam, hat die Erfahrung, vom unkomplizierten Reisen ausgeschlossen zu sein, selbst gemacht, als sie noch nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hatte:

"Eigentlich ist die Reisefreiheit nur für einen sehr kleinen Teil der Menschen da, und zwar für die Menschen mit dem richtigen Pass."

Corona werde die Selbstverständlichkeit des Reisens langfristig nicht in Frage stellen, glaubt sie: "Spätestens, wenn der Impfstoff da ist, haben die Leuten noch viel mehr Lust auf Reisen."

(jfr)

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