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Echtzeit | Beitrag vom 14.03.2020

Solo DiningAlleine essen gehen in Japan

Kathrin Erdmann im Gespräch mit Katja Bigalke

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Auf einer Bambusmatte liegt eine Porzellanplatte mit zwei Schüsseln und Essstäbchen. (imago images / YAY Images / Iko)
"Verehrter einzelner Kunde": Die Solo-Zielgruppe hat in Japan sogar einen eigenen Namen. (imago images / YAY Images / Iko)

Als Einzelperson reservieren: Was hierzulande unfreundliche Reaktionen hervorrufen kann, ist in japanischen Restaurants keine Besonderheit. Die japanische Gastroszene hat sich mittlerweile auf Singles eingestellt – auch mit einer niedlichen Idee.

Die Zahl der Menschen, die alleine ein Restaurant besuchen, steigt ständig – und dabei geht es nicht um den schnellen Mittagsimbiss. Einen Einzeltisch im Sternelokal zu bestellen, kann allerdings Mut erfordern. Denn die Reaktionen bei einer solchen Reservierung können durchaus harsch ausfallen, wie erfahrene Single-Esser berichten.

Eigener Name für die Solo-Zielgruppe

Ein Blick nach Japan zeigt, wie diese Nachfrage und ein entsprechendes Angebot sich in Zukunft entwickeln könnten. Dort ist das Solo Dining schon etwas länger etabliert. Es habe sich insgesamt eine ganze Industrie für Menschen entwickelt, die Dinge alleine machen, berichtet unsere Korrespondentin Kathrin Erdmann: Alleine ins Kino gehen, alleine feiern, alleine reisen. Für diese Solo-Zielgruppe gibt es in Japan sogar einen eigenen Namen, der übersetzt soviel wie "verehrter einzelner Kunde" bedeutet.

Auch die japanische Gastronomieszene habe sich auf jeden Fall darauf eingestellt, dass man es sich auch "selber schön machen kann", sagt Kathrin Erdmann, dementsprechend sind die Lokale architektonisch auf einzelne Esser und Esserinnen ausgerichtet.

"Insofern gibt es eigentlich in jedem Restaurant immer Plätze, wo man als Einzelperson gut sitzen kann und wo man aber auch die Gelegenheit hat, mit dem links oder rechts ins Gespräch zu kommen", erzählt sie.

Dinner mit Mumin

Es gibt sogar Restaurants, in denen man als Einzelgast tatsächlich ein Stofftier als Gegenüber bekommt: "Die heißen Mumins, das sind so finnische Comicwesen, eine Art riesiges Nilpferd, das eigentlich ganz lieb aussieht und auch ein bisschen lächelt." Eine typisch japanische Idee, die mit der Vorliebe für Kitsch und allem Niedlichen zusammenhänge, erklärt Kathrin Erdmann.
Sie selbst hat es noch nicht ausprobiert. Aber sie könne sich vorstellen, dass das einfach gute Laune macht, vermutet sie.
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