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Kommentar | Beitrag vom 02.06.2020

Solidaritätsbekundungen für George FloydEin Verbot politischer Botschaften im Fußball ist zeitgemäß

Von Stefan Osterhaus

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Eine Collage der Aktionen gegen Rassismus der Bundesliga-Spieler Jadon Sancho (Borussia Dortmund), Weston McKennie (Schalke) und Marcus Thuram (Borussia Mönchengladbach). (imago images / Poolfoto)
Umstrittene Gesten: Die Bundesligaspieler Jadon Sancho (rechts), Weston McKennie (oben) und Marcus Thuram protestieren gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA. (imago images / Poolfoto)

Mehrere Fußball-Profis haben ihren Torjubel in der Bundesliga George Floyd gewidmet. Jetzt ermittelt der DFB, denn politische Botschaften sind auf dem Platz verboten. Stefan Osterhaus findet das richtig.

Gerechtigkeit für George Floyd: Wer wollte ernsthaft bestreiten, dass dieser Gerechtigkeit unbedingt Genüge getan werden muss – dass die mutmaßlichen Täter zur Rechenschaft gezogen werden müssen? 

Es sind also Selbstverständlichkeiten, die einige Fussball-Profis in der Bundesliga am Wochenende zum Ausdruck gebracht haben. Der Gladbacher Thuram, der Schalker McKennie, die beiden Dortmunder Sancho und Hakimi. ´

Dass der DFB nun prüfen will, ob ein Verfahren eingeleitet werden soll, weil sie gegen das verstoßen haben, was man salopp als das Neutralitätsgebot auf dem Spielfeld bezeichnen kann, mag auf den ersten Blick empörend wirken. 

Konsequent ist es dennoch. 

Denn das Regelwerk besagt: Zumindest auf der Kleidung sind politische Botschaften tabu.

Dabei wird niemand, der halbwegs bei Verstand ist, bezweifeln, dass die Aussage der Fussballprofis die einzig vertretbare Position darstellt.

Politisierung des Sports kann niemand wollen

Aber denken wir nur mal einige Monate zurück: Da tobte eine Diskussion um politische Gesten im Stadion. Es waren türkische Nationalspieler, die während der Qualifikation zur Europameisterschaft den Anlass dazu gaben. Sie erboten dem türkischen Militär mit einem Gruß die Ehre. Teile der Armee gingen zu dieser Zeit im Norden Syriens gegen Kurden vor.

Die Aufregung war verständlicherweise groß. Eine solche Politisierung des Sports kann niemand wollen – es sei denn, er begreift den Fußball als ein Mittel der Propaganda, und dieser Verdacht liegt im Fall des türkischen Präsidenten Erdogan ziemlich nahe. 

Damals bestand weitgehend Einigkeit darüber, dass diese Gesten nicht tolerierbar sind. Der FC St. Pauli setzte sogar einen Profi vor die Tür, der sich in den sozialen Netzwerken positiv zur türkischen Offensive positionierte.

Sicher lässt sich einwenden, dass das Stadion kein neutraler Ort ist, dass Aktionen der Fans zum Teil politisch sind.

Aber es gilt zu unterscheiden zwischen den Akteuren auf dem Spielfeld und den Zuschauern auf den Rängen: Es sind die Spieler, die Resonanz erzeugen. 

Wer also in heiklen Fällen wie dem der türkischen Nationalspieler mit guten Gründen die Neutralität der Sportler einfordert, der darf diese nicht zur Disposition stellen. Auch wenn die Positionen, die von den Sportlern vertreten werden, noch so nachvollziehbar sind.

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