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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.09.2020

Social-Media-Regeln für JournalistenKonservativer Druck auf die BBC

Burkhard Birke im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Porträt von Tim Davie, BBC Generaldirektor, London 2019.  (Getty / Leon Neal)
BBC-Generaldirektor Tim Davie will strenge Social-Media-Regeln für BBC-Journalisten durchsetzen. (Getty / Leon Neal)

Tim Davie ist erst seit einem Monat BBC-Generaldirektor und hat viele Änderungen angekündigt. Um die Überparteilichkeit des Senders zu wahren, sollen sich Mitarbeiter künftig an ein neues Regelwerk beim Posten auf ihren Social-Media-Kanälen halten.

BBC-Journalisten müssen in Zukunft beim Posten ihrer politischen Meinungen auf ihren privaten Social-Media-Kanälen einem neuen Regelwerk folgen. Der seit einem Monat amtierende Generaldirektor Tim Davie hat dies angekündigt. Bei Zuwiderhandlung drohen Sanktionen und im schlimmsten Fall auch die Kündigung.

Schon zum Amtsantritt vor knapp einem Monat hatte Davie BBC-Mitarbeiter aufgefordert, ihre politischen Ansichten nicht in den sozialen Medien zu verbreiten, um die Überparteilichkeit des öffentlich-rechtlichen Senders nicht zu gefährden.

Konservative unzufrieden mit Brexit-Berichterstattung

Diese Regeln seien aber noch gar nicht bekannt, sagt unser Korrespondent Burkhard Birke, der in den letzten Tagen und Wochen mit Gewerkschaftern in der BBC gesprochen hat. "Die sind eigentlich erstaunt, weil sie sagen: 'Das ist doch sowieso unsere Ethik.' Das ist also ein Prinzip, das im Grunde alle Journalisten bei der BBC, auch nach den schon geltenden Richtlinien, beherzigen sollten."

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Die Aufregung rühre daher, dass die BBC von konservativen Abgeordneten und von Ministern der Regierung beschuldigt werde, einseitig über den Brexit berichtet zu haben. Diese Vorwürfe seien heute auch nochmal erneuert worden. Davie habe sich dann deutlich vor seine Leute gestellt und betont, dass die BBC kein Sprachrohr irgendeiner Partei und auch nicht der britischen Regierung sei, sondern nur der Überparteilichkeit und Objektivität verpflichtet sei.

Den Eindruck politischer Agitation auf Social Media vermeiden

"Allerdings will er nicht, dass seine Leute über die sozialen Netzwerke in einer Art und Weise agieren, die als politische Agitation interpretiert werden könnte", betont Birke. Dennoch habe Davie gesagt, dass man eine "überparteiliche Meinungsäußerung" in den sozialen Medien so präsentieren müsse, dass sie eine "gewisse Würze" habe, also so aufbereitet sei, dass sie das Interesse der User wecke. 

"Genau das ist jetzt die Krux, die Quadratur des Kreises", sagt Birke. "Ich glaube, alle sind sehr gespannt, wie diese Richtlinien aussehen, aber klar ist: Tim Davie will die BBC umkrempeln. Er selbst ist ja auch ein Konservativer, und der Druck der Regierung ist hier enorm."

(rja)

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