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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.10.2016

Social Bots "In den USA ist das ein riesiger Markt"

Simon Hegelich im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Einer der Trump-Auftritte auf Twitter (imago stock&people)
Im US-Wahlkampf stammen zahlreiche Kommentare nicht von echten Menschen, sondern sind automatisierte "social bots", die den Wahlkampf zugunsten eines Präsidentschaftskandidaten beeinflussen sollen. (imago stock&people)

Der Internet-Experte Simon Hegelich rechnet nicht damit, dass Social Bots im deutschen Wahlkampf eine so große Rolle spielen werden wie in den USA. Hierzulande fließe nicht so viel Geld in die Online-Wahlwerbung.

"In den USA ist das ein riesiger Markt", sagte Simon Hegelich, Professor für Political Data Science an der Hochschule für Politik in München im Deutschlandradio Kultur über die Rolle von Social Bots im US-Wahlkampf. "Da werden wirklich Millionen umgesetzt." Er rechne nicht damit, dass deutsche Parteien bereit seien, so viel Geld in Online-Wahlwerbung zu investieren.

Bot-Netz für den Skandal

Dennoch werde man sich dem Einsatz auch im Bundestagswahlkampf  nicht völlig verschließen können, sagte Hegelich. "Selbst wenn die Parteien sagen, wie setzen das offiziell nicht ein, können die gar nicht verhindern, dass irgendjemand sagt, ich möchte meine Partei aber unterstützen, ein relativ primitives Bot-Netz aufbaut und damit so etwas macht." Es könne auch passieren, dass jemand um einen Skandal herbeizuführen, ein Bot-Netz aufbaue und es einer Partei unterschiebe, um dann zu behaupten, dass die Partei trotz anderslautender Ankündigungen doch Bots einsetze.

Gefahr vor allem für Politiker und Journalisten

"Politische Manipulation ist immer sehr, sehr schwierig und aufwändig", sagte Hegelich. Mit Hilfe der Bots gebe es einerseits den Effekt, dass bestimmte Trends verfälscht würden. "Das kann dann sehr, sehr gefährlich sein, wenn dann falsche Entscheidungen getroffen werden."  Allerdings beträfe das vor allem Journalisten oder Politiker, die bestimmten Trendanalysen folgten und zu falschen Schlüssen kämen. Es seien sehr viel seltener die Nutzer, die durch solche Bots manipuliert würden. "Dieses Trendmanipulieren, gerade bei Hashtags, das hat eigentlich eher einen Effekt auf Leute, die dann social-media Analysen machen."  

"Fake-Profile" melden sich zu Wort

Hinter Social Bots, einer Abkürzung von "Robots", verbergen sich kleine Programme, die sich im Netz automatisiert zu Wort melden. Sie verwenden dafür oft  authentisch wirkende Nutzerprofile einschließlich Fotos und sind auf den ersten Blick deshalb oft nicht gleich als Absender automatisch generierter Nachrichten zu erkennen.

Weil man solche "Fake-Profile" zu Tausenden kaufen und zentral fernsteuern kann, posaunen mittlerweile ganze "Bot-Armeen" munter die Meinung ihres jeweiligen Auftraggebers durch das Netz. Das können Firmen sein, die versteckt Werbung für ihre Produkte platzieren, Geheimdienste, die die öffentliche Meinung manipulieren wollen - oder eben Parteien, Politiker und deren Sympathisanten.  

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