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Kompressor | Beitrag vom 18.03.2021

Snyder-Cut von "Justice League"Superhelden in Zeitlupe

Von Lukas Gedziorowski

Filmstill aus Zack Snyder's "Justice League" (picture alliance / Entertainment Pictures)
Der Snyder-Cut von "Justice League" entspricht nicht ganz der Urfassung des Films. Es wurden zum Teil noch Szenen nachgedreht. (picture alliance / Entertainment Pictures)

Nun ist es soweit: Der Snyder-Cut des Superheldenfilms "Justice League" ist online abrufbar. Die Fangemeinde von Regisseur Zack Snyder hatte lange für diese neue Version gekämpft. Hat es sich gelohnt?

Superhelden-Fans haben sich diesen Tag dick notiert im Kalender: Denn Zack Snyders "Justice League" ist ab dem heutigen Donnerstag bei Sky als Stream abrufbar. Eine neu geschnittene Version des Films, der 2017 in die Kinos kam. Der Hintergrund: Regisseur Zack Snyder war in der Postproduktion damals aus dem Projekt ausgestiegen und von Joss Whedon ersetzt worden. Um den Snyder-Cut ist ein wahrer Hype entstanden.

Denn Zack Snyder hat von Anfang an mit den DC-Superheldenfilmen Großes vorgehabt. Das begann mit 2012 mit seinem Superman-Film "Man of Steel", 2016 ließ er dann "Batman v Superman" antreten und das Ganze sollte sich steigern zu zwei "Justice League"-Filmen, in denen Batman, Superman, Wonder Woman und andere Helden gemeinsam kämpften.

Tod der Tochter und Einmischungen des Studios

Doch das Projekt hatte einen schweren Start: "Man of Steel" war umstritten bei Fans und Kritikern, "Batman v Superman" wurde überwiegend schlecht bewertet, war aber immerhin ein Kinoerfolg. Und dann, als Snyder gerade an "Justice League" arbeitete, beging seine Tochter Suizid und er zog sich aus dem Projekt zurück. Er hatte aber schon vorher mit Einmischungen des Studios zu kämpfen.

Außerdem hat Whedon manche Szenen neu gedreht, was einige als Stilbruch empfanden. Die neuen Superman-Szenen konnte man beispielsweise daran erkennen, dass Henry Cavills Bart retuschiert werden musste – dadurch sieht sein Mund sehr befremdlich aus. Daher forderten die Fans, den Snyder-Cut herauszubringen.

Warner wehrte sich lange gegen den Snyder Cut

Lange hat sich Warner dagegen gesperrt, nicht mal auf DVD und Blu-ray waren die geschnittenen Szenen zu sehen. Dann fiel die Entscheidung im vergangenen Jahr. Über die Hintergründe kann man nur spekulieren. Klar ist, dass die #ReleaseTheSnyderCut-Bewegung sehr präsent war und der Hashtag auch nach Ende der Petition noch oft benutzt wurde – zum Teil mit einem sehr aggressiven bis toxischen Ton.

Viele Fans haben per Crowdfunding sogar Werbetafeln bezahlt und die Hälfte der Einnahmen an die Suizidprävention gespendet. Auch Snyder selbst hat die Bewegung indirekt unterstützt, indem er Details aus seiner Vision des Films preisgab. Das hat enormen Druck erzeugt.

Auf der anderen Seite hat Warner mit seinem Streamingdienst HBO Max bisher nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Daher braucht es neuen, starken Content, der Abonnenten anzieht. Der Snyder-Cut ist dafür nicht nur eine gute Gelegenheit, sondern auch ein guter Kompromiss, um alle Beteiligten zufrieden zu stellen.

Der Snyder-Cut entspricht allerdings nicht ganz der Urfassung des Films. Es wurden zum Teil noch Szenen nachgedreht, darunter eine mit Jared Leto als Joker. Trotzdem soll der Film sehr nah dran sein an der seiner ursprünglichen Vision, wie Snyder selbst sagt. Dazu muss man wissen: Der Snyder-Cut war, als der Regisseur ausstieg, bestenfalls eine Rohfassung, noch ohne vollendete Effekte.

Allerdings ist der Film jetzt fast vier Stunden lang und es ist zweifelhaft, ob er jemals in dieser Länge in die Kinos gekommen wäre. Und die Länge ist auch der wesentlichste Unterschied, denn im Grunde wird die gleiche Geschichte erzählt. Manche Nebenfiguren bekommen mehr Zeit, wie etwa die Helden Cyborg und Flash, dadurch erlangen die Charaktere mehr Tiefe. Auch tritt jetzt mit Darkseid der eigentliche Schurke in den Vordergrund, der für die Kinofassung entfernt wurde. Der ist wesentlich interessanter als der Handlanger namens Steppenwolf.

Viele bekannte Szenen einfach nur verlängert

Ansonsten ist Zack Snyders "Justice League" ein sehr langsam erzählter Film, in dem viele bekannte Szenen einfach nur verlängert oder abgeändert sind. Das zeigt sich schon am Anfang, wo es acht Minuten dauert, bis überhaupt etwas passiert – so lange dauert der Vorspann mit Rückblende. Außerdem ist der Film jetzt im 4:3-Format, was annähernd dem IMAX-Kino-Format entspricht.

Snyder-Fans werden ihre Freude an dem Film haben, denn der Regisseur macht exzessiv von seinem Lieblingsstilmittel Gebrauch: der Zeitlupe. Es gibt kaum eine Szene, in der die Zeit nicht verlangsamt oder fast zum Stillstand gebracht wird. Daran zeigt sich, dass Snyder vor allem ein visueller Regisseur ist, der seine Bilder zelebriert und sich damit auch an einer Comic-Ästhetik orientiert. Aber leider bremst er damit die Handlung stark aus, sodass er die Geduld seines Publikums sehr strapaziert.

Viele der neuen Szenen tragen auch nicht viel Wesentliches zur Story bei. Im Grunde wirkt die neue Fassung im Vergleich zur alten, als würde man sich auf der Blu-ray die Extras mit den geschnittenen und erweiterten Szenen ansehen – und in solchen Fällen ist die Erkenntnis meist die gleiche: Der Großteil davon ist entbehrlich, manchmal sogar störend, weil überfrachtet mit Nebencharakteren, Nebenhandlungen und Andeutungen für spätere Filme.

Seltene Möglichkeit, zwei Versionen zu sehen

Man kann an der Kinofassung einiges zu Recht aussetzen. Aber was Whedon gut gemacht hat: die Handlung zu straffen. Bis Snyder seine "Justice League" zusammengebracht hat, sind fast zwei Stunden vergangen, Whedon braucht dafür nur eine. Dann folgt bei Snyder eine Stunde lang die Auferstehung von Superman, das Finale ist in einer halben Stunde erledigt. Der Film ist also stark ungleich verteilt, tritt oft auf der Stelle.

Was der Snyder-Cut allerdings bietet, ist die seltene Möglichkeit, einen Film dieser Größenordnung in zwei verschiedenen Versionen zu sehen. Man kann gut vergleichen, wie viel ein Regisseur und der Schnitt bei einem Film ausmachen. Im Snyder-Cut stecken auch ein paar interessante Szenen, aber am Ende wäre ein Kompromiss aus beiden wohl immer noch die beste Version von "Justice League". Denn Snyders Fassung ist eindeutig viel zu lang.

Um sagen zu können, ob Zack Snyder die Gelegenheit bekommen wird, die Geschichte in anderen Filmen weiterzuerzählen, dazu ist es noch zu früh. Das hängt wohl sehr vom Erfolg des Snyder-Cuts ab. Aber Zack Snyder hat jüngst im Interview gesagt, er wäre auf für weitere Projekte zu haben. Seine "Justice League" ist jedenfalls klar auf eine Fortsetzung angelegt.

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