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Kompressor | Beitrag vom 12.04.2018

Snapchat für MusikvideosInfohäppchen für Musiknerds

Von Matthias Finger

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Screenshot der Website von Genius (Screenshot Website Genius)
Song Stories: Einblicke hinter die Fassade des Popgeschäfts. (Screenshot Website Genius)

Genius.com ist sowas wie ein Wikipedia für Popmusik. Zwei Millionen Nutzer tragen hier ihr Wissen zusammen. Neuestes Feature für diejenigen, die keine langen Texte lesen wollen: Sogenannte Song Stories. Diese kombinieren Videoschnipsel mit kurzen Infotexten.

Seitenweise auf Genius.com durch endlose Songtexte scrollen? Das ist was für Teenager und Nerds. Für moderne To-Go-Nutzer werden schriftliche Infohappen aus der Genius-Datenbank jetzt mit Videoschnipseln unterlegt - aus dem Füllhorn der Plattform Youtube. Dank einer bemerkenswerten Kooperation.

Herauskommen sind multimediale Knallbonbons – allerdings noch in überschaubarer Anzahl. Von den vielen Songs in der Datenbank wurden gerade mal neun mit Youtube-Material in Slideshows verwandelt. Aller Anfang ist schwer:

"Ah ja, hier habe ich ja gleich ein Lied aus den Charts erwischt: 'Friends' von Marshmello & Anne-Marie. Also der Song läuft und gleichzeitig erscheint jetzt ein Foto mit nem kurzen Infotext auf meinem Handy: DJ Marshmello ist ein maskierter DJ – stimmt, der hat so einen Eimer auf dem Kopf. Jetzt laufen auch schon Videoschnipsel ein. Und hier steht, dass es in dem Song um einen Typen geht, der was von Anne-Marie will – während sie eher an eine platonische Beziehung denkt."

Puh – ganz schön viel Info auf einmal für einen alten Menschen: 17 Slides bleiben jeweils nur zehn Sekunden stehen – wie bei Snapchat. Die haben die neue Mechanik ja erfunden, jetzt wird sie – beispielsweise – auch bei Instagram kopiert. Die Leute mögen scheinbar kleine Bildgeschichten.

Youtube startet Aboservice für Musikvideos

"Bei Youtube suchen wir jeden Tag nach Möglichkeiten, um den Musikgenuss insgesamt zu verbessern – indem wir Künstler und Fans besser miteinander vernetzen. Dieses Projekt mit Genius ist eine immersive Möglichkeit Musik zu erkunden", lässt Lyor Cohen, YouTubes Global Head of Music verlauten.

Youtube will demnächst einen kostenpflichtigen Aboservice für Musikvideos starten. Für Zusatzangebote könnte die Zusammenarbeit mit Genius gelegen kommen. Dabei werden die Songtexte auch Spotify zur Verfügung gestellt, einem Angstgegner von Youtube Music. Praktisch um nachzulesen, ob die Band a-ha wirklich Sachen singt wie "Almigurth" und Michael Jackson "Da geht der Gärtner".

"Dirty Diana" ist ein Lied über Groupies, erklärt mir die Genius-App. Michael Jackson hat es bei einem Konzert in London extra aus der Setliste gestrichen, um Lady Di nicht zu verärgern. Dabei war es ihr Lieblingslied.

100 Millionen Suchanfragen verzeichnet Genius.com pro Monat. Einige Antworten werden ab jetzt die Song-Stories liefern.

"Ah hier ist auch noch eine Diashow über ein ganzes Genre – über 'Trap-Music'. Ein Trap ist ein Ort, an dem Drogen hergestellt und gedealt werden. Und Trapmusik hat den Ruf Atlantas als Zentrum der Rapmusik zementiert. In der Story werden 27 Bilder und Videos eingeblendet, auch jeweils mit Text. Katy Perry und Lady Gaga haben auch schon mal Trapsounds verwurstet. Und seit 2017 gibt es sogar einen Hochschulkurs für Trapmusik."

Einblicke hinter die Fassade der Popstars

Aus Musikclips, Konzertmitschnitten, Interviews und Fotos entsteht ein kleines Gesamtkunstwerk, das Einblick hinter die glitzernde Fassade der Popstars gewährt. Mittlerweile habe ich auch herausgefunden, wie ich die Tafeln anhalte, mich durch die Story vor- und zurückklicke. Immer wieder ploppen Links zu relevanten Videos auf Youtube auf.

"Hier bei Genius haben wir ein eigenes redaktionelles Team, das die aufschlussreichsten Einträge von Mitgliedern unserer Community kuratiert und für eine Story mit den neusten Fakten über Künstler und ihre Songs kombiniert. Das ist kein automatisierter Prozess", schreibt mir ein Genius-Mitarbeiter in einer E-Mail.

Deswegen geht die Produktion von neuen Song Stories wohl eher schleppend voran. Dabei hat Genius noch so einiges vor: In der Datenbank sind insgesamt 1,7 Millionen Lieder verzeichnet.

Alle bisher erschienen Song Stories können Sie hier anschauen. 

Fazit

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