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Aus der jüdischen Welt | Beitrag vom 08.11.2019

Smithbilt Hats aus Calgary Mickey Mouse, Wladimir Putin, Oprah Winfrey – alle wollen White Hats

Von Peter Kaiser

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In der alljährlichen Fragestunde, bei der russische Bürger per Telefon, über das Internet und bei Live-Schaltungen aus den Regionen Fragen stellen dürfen, übt der russische Präsident Waldimir Putin am 17.10.2007 in Moskau erneut deutliche Kritik an der Militärpolitik der USA im Irak. «Schießen können sie, aber keine Ordnung schaffen», sagte er. Er forderte von Washington ein konkretes Datum für einen Truppenabzug aus dem Irak. Neben diversen sozialen Versprechen kündigte der Präsident an, dass die russischen Streitkräfte bis 2015 mit modernsten Kampfjets, Atom-U-Booten und Interkontinentalraketen ausgestattet würden. «Das sind grandiose und zugleich auch realisierbare Pläne», sagte Putin. Foto: Tass Vladimir Rodionov +++(c) dpa - Report+++ | (dpa)
Auch Wladimir Putin trägt immer wieder einen Hut der kanadischen Firma. (dpa)

In diesem Jahr feiert die größte kanadische Hutfabrik ihr 100-jähriges Bestehen. Gegründet wurde sie vom jüdischen Hutmacher Morris Shumiatcher. Noch immer werden die Hüte von Hand gefertigt und finden aufgrund ihrer Qualität reißenden Absatz.

"Welcome to Smiothbilt Hats!"

Der Hutmacher Cody Harrison stellt die Firma "Smithbilt Hats" vor. Smithbilt Hats sind vor allem bei der alljährlichen Rodeo-Show in Calgary vertreten, der "Calgary Stampede". Die Show mit ihren 1,5 Millionen Besuchern geizt nicht mit Eigenlob und nennt sich "The Greatest Outdoor Show on Earth".

"Als sie an der Grenze ankamen, konnten sie ihren Namen nicht in Englisch buchstabieren, darum sagten sie, sie heißen Smith. Also heißen wir hier Smithbilt, das lässt sich leichter als Schumiatcherbilt täglich aussprechen."

Cody Harrison ist ein breitschultriger, freundlicher Mann im mittleren Alter. Sein Beruf ist typisch hier in Calgary, der größten Stadt in der westkanadischen Provinz Alberta. Cody ist einer der Hutmacher bei "Smithbilt Hats", die mit "Stetson" wohl die renommierteste Westernhut-Fabrik weltweit ist.

"Als Morris die Firma gründete, war sie genauso eine kanadische Firma wie jede andere. Sein Startkapital waren 300 Dollar, und im Jahr 1919 war das etwas. Er begann mit einfachen Hüten für Hirten und Viehtreiber. Im Jahr 1926 begann es mit der Stampede. Da fing er an Cowboyhüte zu machen."

Eine Legende wird geboren

Zwanzig Jahre später geschah es: Morris fertigte für die Stampede im Jahr 1946 den "White Hat".

"In diesem Jahr begann es auch mit der Ölfamilie von Bill Herron. Sie trugen in der Stampede-Parade des Jahres Schwarz und Weiß, und alles, vom Wagen, den Pferden, den Kleidern war Schwarz und Weiß. Und dazu trugen sie den weißen Hut. Alle sahen das, und fanden es wirklich cool. 1948 wurde die erste "White Hat Stampede" ausgerichtet. Heute will jeder einen White Hat, von Mickey Mouse Wladimir Putin, bis Oprah Winfrey, jeder will ihn."

Wer einen "Smithbilt" so möchte, wie er vor hundert Jahren gemacht wurde, ist hier genau richtig. Denn vier Hutmacher machen die Hüte immer noch mit den gleichen Maschinen wie zur damaligen Zeit, etwa den Pressblöcken, Zwingen und Dampfgeräten. Weil sich das kaum jemand vorstellen kann, zeigt Cody, wie das geht. Er nimmt einen zugeschnittenen Wolle-Hutstoff, legt ihn über einen gusseisernen Block, dann presst er eine Dampfhaube darüber.

Ehrliche Handarbeit

"Diese Blockmaschine hier ist 160 Jahre alt. Der Fertigungsweg hier ist: wir legen den Hut auf den Block, befestigen den Hut, dann wird das Dampfgerät angeschaltet. Sehen Sie hier, wir legen die Finger an den Hutstoff, wir ziehen hier, drücken und stretchen den Stoff dort, dann nehmen wir den Hut weg, und legen ihn zurück auf den Block. Den haben wir so sauber wie möglich gemacht… Also das ist ein Hutrohling, ein Wollhut, den legen wir in diese Presse hier, machen ihn nass und lassen ihn über Nacht dort trocknen. Die Filzhüte müssen eine Woche lang trocknen. All diese Hüte hier trocknen gerade innerhalb dieser Woche."

120 Dollar kosten die Wollhüte, für einen reinen Biberfellhut legt man an die 1100 Dollar auf den Tisch.

"Natürlich hat man einen solchen 1100-Dollar-Hut sein Leben lang. Wir verkaufen rund 10.000 Filzhüte im Jahr, und ungefähr 30.000 von den weißen Hüten."

Und die, sagt Cris Simmering, Vize-Chefin bei "Smithbilt Hats", sind nicht nur bei den Cowboys weltweit beliebt. 

"Wir haben eine Damenhutdesignerin, ihr Name ist Holly Allen, und sie entwirft die Damenwesternhüte oder bestimmte Kreationen für die Royal Family, oder für Hochzeiten. Wir machen auch diese Hüte sehr gern. Alle Leute denken, Smithbilt Hüte sind Westernhüte, aber wir machen auch andere. Unsere Hüte sind im Londoner Hutmuseum. Ich denke, als Meghan Markle geheiratet hat, bekam sie für ihren Hut dort ihre Inspiration, den sie dann getragen hat. Wir machen auch solche Hüte."

Cody ist am Ende seiner Führung durch die Fabrik angekommen. Ein Schritt fehlt noch, sagt er, bis zum fertigen "White Hat".

Die Herkunft Schumiatchers war nicht wichtig

"Der nächste Produktionsschritt ist einen Stock tiefer. Dort stehen über hundert Jahre alte Singernähmaschinen. Da werden die Hüte sorgfältig vernäht, und mit dem Hutband versehen, das der Kunde wünscht. Und erst dann ist alles so fertig, dass man damit herausgehen kann."

Zur Frage, ob man heute noch den jüdischen Hintergrund Morris Schumiatchers spürt, schütteln Cody Harrison und Cris Simmering ihre Köpfe. Die Herkunft Schumiatchers war nicht wichtig, sein Glauben ebenso wenig, er war mordstüchtig, das ist genug.

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