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Nachspiel | Beitrag vom 25.10.2020

Skisaison in den bayerischen AlpenGemütlichkeit statt Hüttenrausch

Von Tobias Krone

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Ein leerer eingeschneiter Skilift. (picture alliance / Stock4B / VisualEyze / Felbert+Eickenberg)
Skisaison in den Alpen: Bleiben die Lifte in diesem Winter leer? (picture alliance / Stock4B / VisualEyze / Felbert+Eickenberg)

Après-Ski ist abgesagt: In den bayerischen Alpen sorgt man sich vor einem Lockdown und hofft gleichzeitig auf die kommende Saison. Denn gerade jetzt können die eher familiären Wintersportorte Touristen anlocken.

Um hier gleich mal ein bisschen Euphorie zu verbreiten: Die Skipiste bleibt maskenfrei.

"Dort sollten natürlich auch ohne Corona immer die eineinhalb Meter Mindestabstand zu anderen Ski- oder Snowboardfahrern eingehalten werden. Daher keine Bedeckungspflicht in diesem Fall", sagt Verena Altenhofen, Pressesprecherin der Zugspitzbahn.

Drei Wochen sind es noch, bis auf Deutschlands höchstem Berg die Wintersaison losgeht. Längst ist klar, wie der Betrieb der großen Bergbahnen laufen soll – nämlich genauso wie schon im Sommer.

"Grundsätzlich werden wir weiterhin bei der Reduzierung der Beförderungskapazitäten bleiben, vor allem bei den Pendelbahnen", so Altenhofen "Das sind jetzt zum Beispiel diese großen Kabinen wie die Seilbahn Zugspitze oder die Alpspitzbahn. Da befördern wir beispielsweise nur zwei Drittel."

In den großen Gondeln heißt es Abstand halten, in den kleinen Liften braucht man den nicht:

"Dadurch, dass die Sessellifte und Schlepplifte offen sind, ist sogar eine Vollbesetzung möglich, natürlich nur unter Einhaltung der Mund-Nasenbedeckungspflicht."

Jeder Vierte plant Winterurlaub

Für die nahtlose Gesichtsbräune sollte man sich diesen Winter also lange Abfahrten und ausgiebige Mittagessen auf der Sonnenterrasse suchen, denn an anderen Orten muss man die Maske immer tragen. Daher darf man dann schon einmal fragen, wie verheißungsvoll so eine Corona-Skisaison werden kann.

Skiurlaub und Virusangst geht das zusammen? Jürgen Schmude, Experte für Tourismus an der Ludwig-Maximilians-Universität München verweist auf eine repräsentative Umfrage:

"Danach hat ungefähr ein Viertel der deutschen Bevölkerung vor, einen Winterurlaub zu machen."

Immerhin jeder vierte Mensch in Deutschland will also dem Virus trotzen und in den Schnee reisen. "Ein Viertel bedeutet aber, dass wir weniger Wintertouristen haben werden, als das in den vergangenen Jahren der Fall gewesen ist", so Schmude. Manchen sei die Lage einfach zu ungewiss.

Abhängigkeit vom Skitourismus

Zweifelnde Wintersportfans sind ein Problem für die Skigebiete. Viele reagieren daher mit speziellen Angeboten für den Saisonskipass, den sich vor allem Einheimische kaufen. Für jeden Ausfallmonat wegen eines eventuellen Lockdowns gibt es etwa bei den Skigebieten im Bayerischen Oberland ein Viertel des Kaufpreises zurück. Am Alpenrand hängen Existenzen am Skitourismus.

"Natürlich fragt der eine oder andere: Wie wirds denn aussehen?", sagt Michaela Gerg. "Ist denn überhaupt Arbeit vorhanden? Denn logischerweise sind viele dabei, die zum Beispiel Studenten sind, ihr Geld verdienen müssen. Oder natürlich auch welche, die im Sommer einen Handwerksberuf ausüben und im Winter auf der Piste ihrem Beruf als Skilehrer nachgehen – und natürlich auch ihr Geld verdienen müssen."

Michaela Gerg war WM-Bronze-Medaillen-Gewinnerin im Super-G. Heute betreibt sie eine Skischule am Fuß des Braunecks bei Lenggries. Sie glaubt:

"Der Unterricht kann, denke ich, ganz normal stattfinden. Außer bei kleinen Kindern, das heißt, bei Vier-, Fünf-, Sechsjährigen ist es doch oft, dass man das Kind trösten muss, dass man einfach zur Seite stehen muss und hier müssen wir mit den Skilehrern schauen, wie man einen Mittelweg finden, dass man die Kinder in den Arm nimmt, aber gleichzeitig den Kopf abwendet, den Kindern von Gesicht zu Gesicht nicht zu nahe kommt."

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Die Corona-Vorsicht verspricht die eine oder andere rührende Szene im Skikindergarten. Offenbar wollen viele Menschen auch dieses Jahr Kurse machen. Die Vorbuchungen stimmten sie optimistisch, sagt Gerg. Dann gibt es noch die eine große Hoffnung, dass sogar mehr Urlauberinnen und Urlauber kommen als sonst:

"In Zeiten, wo man einfach nicht so gerne wegfährt, wo die Möglichkeit nicht besteht wegen etwaiger Quarantänebedingungen, bleiben die Leute zu Hause. Ich glaube schon, dass es eine Chance für die bayerischen Skigebiete ist, sich hier in bester Kondition zu präsentieren."

Corona ist nicht das einzige Problem

Auch die Tourismusforschung teilt diese Vermutung. Zumal das Après-Ski-Verbot ohnehin stärker die Tiroler Destinationen treffe und weniger die familiären bayerischen Wintersportorte, die stärker auf Gemütlichkeit setzen als auf den Hüttenrausch. Doch Prognose hin oder her, die Gefahr eines Lockdowns schwebt diese Saison über allen. Eine weitere Ungewissheit für Michaela Gerg neben der des Klimawandels.

"Mehr Bauchschmerzen habe ich, seit ich meine Skischule hier in Lenggries führe, wegen des Schnees. Denn wir liegen relativ niedrig. Es ist schon so, dass wir gerade fürs Weihnachtsgeschäft immer wieder mal zittern müssen, weil der Skibetrieb an Weihnachten nicht immer gesichert ist."

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