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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 31.03.2017

Sinologin Eva Lüdi KongWie man China übersetzt

Moderation: Kolja Mensing

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Seitenausschnitt aus einem antiken Buch aus China (imago/View Stock)
Seitenausschnitt aus einem antiken Buch aus China (imago/View Stock)

17 Jahre arbeitete Eva Lüdi Kong an ihrer Übersetzung des chinesischen 1000-Seiten-Klassikers "Die Reise nach Westen". Viel Kontextwissen habe sie sich aneignen müssen, Wörter abwägen. Sie sei zufrieden mit dem Ergebnis, sagt Lüdi Kong – und fragt sich doch: Warum schreibe ich das nicht alles um?

"Die beseelte Wurzel keimt, der Quell nimmt seinen Lauf." Mit diesen zarten Worten beginnt der über 1000 Seiten schwere Roman "Die Reise nach Westen", eines der vier klassischen Werke der chinesischen Literatur. Im Mittelpunkt steht eine seltsame Gruppe von Pilgern – ein Mönch, ein Affe, ein Dämon, ein Schwein und ein Drachenpferd –, die sich aus China aufmachen, um heilige Schriften des Buddhismus aus Indien in ihre Heimat zu bringen.  

Zahlreiche Gefahren begegnen den Pilgern auf ihrem Weg – "Die Reise nach Westen" (der Autor ist unbekannt) ist erst einmal eine ausgesprochen spannende Abenteuergeschichte. Aber es ist auch eine Reise tief in die chinesische Kultur: Es geht um die spirituellen und philosophischen Lehren des Buddhismus, des Daoismus und des Konfuzianismus – sie prägen China bis heute. 

Beijing, China: Der Löwentanz im Ditan Park und das Cover des Buches "Die Reise in den Westen". (Reclam / Vcg / MAXPPP)Beijing, China: Der Löwentanz im Ditan Park und das Cover des Buches "Die Reise in den Westen". (Reclam / Vcg / MAXPPP)

Erste vollständige Übersetzung auf Deutsch

"Die Reise nach Westen" stammt aus dem 16. Jahrhundert. Lange konnte man diesen Roman, der nicht nur eine, sondern gleich viele Welten enthält, auf Deutsch nur in Auszügen lesen – doch jetzt gibt es zum ersten Mal eine vollständige Übersetzung. Die Schweizer Sinologin Eva Lüdi Kong hat den wuchtigen Klassiker ins Deutsche übertragen und ist dafür vor wenigen Tagen mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie "Übersetzung" ausgezeichnet worden. 

Die Übertragung des Klassikers stellte Lüdi Kong vor große Herausforderungen. Das klassische Chinesisch lasse sich nicht Wort für Wort mit dem Wörterbuch übersetzen, man müsse sich viel Kontextwissen aneignen, sagte die Sinologin im Deutschlandradio Kultur. Ein Grund: Die Schriftzeichen ließen sehr viele Möglichkeiten der Übersetzung zu. Lüdi Kong: "Ich habe mir das kürzlich alles noch mal ziemlich genau angeschaut und ich habe gedacht: Warum mache ich das nicht anders? Warum schreibe ich das nicht um?" Sie sei aber grundsätzlich zufrieden mit ihrer Arbeit.

Eva Lüdi Kong bei der Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse 2017 (picture alliance / dpa / Jan Woitas)Eva Lüdi Kong bei der Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse 2017 (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Roman wird in China bis heute begeistert gelesen

Kolja Mensing hat sich mit Lüdi Kong über den 500 Jahre alten Roman unterhalten, der in China bis heute begeistert gelesen wird – und über die Frage, wie man nicht nur Wörter und Begriffe, sondern ganze Weltanschauungen von einer Sprache in die andere überträgt.

"Die Reise nach Westen. Ein klassischer chinesischer Roman"
Übersetzt und kommentiert von Eva Lüdi Kong
Reclam, Stuttgart 2016
1320 Seiten (gebunden), 88 Euro

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