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Interview / Archiv | Beitrag vom 16.11.2017

Simbabwe"Hinter dem Putsch stehen knallharte Militärinteressen"

Afrika-Experte Christian von Soest im Gespräch mit Christine Watty

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In Harare/Simbabwe gehen Menschen an einem bewaffneten Fahrzeug vorbei.  (imago stock&people / Philimon Bulawayo)
In Harare/Simbabwe gehen Menschen an einem bewaffneten Fahrzeug vorbei (imago stock&people / Philimon Bulawayo)

Was wollen die Putschisten in Simbabwe? Die Militärführung beteuert, es gehe nicht um einen Staatsstreich, sondern darum, "Kriminelle" im Umfeld des Präsidenten auszuschalten. Christian von Soest glaubt jedoch nicht an das "demokratische Potenzial" des Putsches.

Panzer auf den Straßen von Harare, Präsident Robert Mugabe und seine Frau unter Hausarrest: In Simbabwe hat das Militär die Macht übernommen – nach eigenen Angaben nur vorübergehend.

Viele Simbabwer verspürten angesichts des Putsches offenbar sogar eine gewisse Erleichterung, meint der Afrika-Experte Christian von Soest vom Hamburger GIGA-Institut, einfach, weil sich endlich etwas tue. "Es lag eine bleierne Schwere über dem Land in den letzten Jahren. Es gibt eine große politische Krise und auch eine wirtschaftliche Krise."  

Das Militär befürchtet Anklagen wegen Menschenrechtsverletzungen

Von Soest ist skeptisch, was das demokratische Potenzial dieses Putsches angehe: "Man muss klar sagen, dass knallharte Eigeninteressen des Militärs hinter diesem Putsch stehen", betont er im Deutschlandfunk Kultur. "Man will eigene Vorrechte sichern für die Zukunft, eigene wirtschaftliche Rechte und eben auch verhindern, dass man in Zukunft für Menschenrechtsverletzungen in der Vergangenheit angeklagt wird."

Simbabwes Präsident Robert Mugabe mit seiner Frau Grace beim Parteitag der ZanuPF. (AFP/Jekesai Nijikizam)Simbabwes Präsident Robert Mugabe mit seiner Frau Grace beim Parteitag der ZanuPF. (AFP/Jekesai Nijikizam)

Mugabe habe sich unter anderem deshalb so lange an der Macht halten können, weil er es immer geschafft habe, seine Gegner in der Regierungspartei ZANU-PF gegeneinander auszuspielen, sagt von Soest. "Das hat bisher immer sehr, sehr gut geklappt, dass er bestimmte Akteure eben unterstützt hat und dann oft auch wieder hat fallen lassen. Nur diesmal scheint es mit seinem Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa eben nicht funktioniert zu haben."

Steckt ein Machtkampf um die Nachfolge Mugabes hinter dem Putsch?

Mugabe hatte den 75-jährigen Mnangagwa in der vergangenen Woche entlassen – eine Maßnahme, die von der Armeeführung scharf kritisiert wurde. Der Vizepräsident wird genauso wie die Frau des Staatschefs, Grace Mugabe, als möglicher Nachfolger des 93-jährigen Robert Mugabe gehandelt. Die Armee lehnt die als prunksüchtig geltende Grace Mugabe als künftige Präsidentin ab. 

(uko)

Hören Sie zur Situation in Simbabwe auch den Bericht unseres Korrespondenten Jan-Philippe Schlüter aus unserer Sendung "Studio 9" vom 16. November:
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