Seit 10:05 Uhr Lesart
Montag, 25.01.2021
 
Seit 10:05 Uhr Lesart

Studio 9 | Beitrag vom 23.11.2020

Silvester und CoronakriseVerbietet das Böllern, schützt die Branche!

Ein Kommentar von Brigitte Scholtes

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein explodierter roter Böller liegt auf der Straße. (imago images / Rene Traut)
Die Pyrotechnikbranche macht rund um Silvestern die Hälfte ihres Jahrsumsatzes. (imago images / Rene Traut)

Weniger Feuerwerk, weniger Kontakte: Die Coronakrise stellt die Frage nach Sinn und Unsinn des Böllerns noch einmal anders. Die Wirtschaft warnt vor einem Verbot. Verständlich. Dabei könnte es der Branche langfristig nützen.

Böllern an Silvester – das muss nun wirklich in diesem Jahr nicht sein. Es mag ja sein, dass es psychologisch befreiend wäre, an Silvester Raketen zu zünden in der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Das würde auch der Pyrotechnikbranche helfen – schließlich ist das Jahresende die wichtigste Zeit für diese Unternehmen, denn da wird die Hälfte des Jahresumsatzes gemacht, und der liegt bei ungefähr 130 Millionen Euro.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Dabei produzieren die deutschen Unternehmen das Feuerwerk schon längst nicht mehr selbst, das kommt vollständig aus Asien. 3000 Mitarbeiter arbeiten in der pyrotechnischen Wirtschaft in Deutschland, und die beschäftigen sich nur mit Lagerung, Vermarktung und Vertrieb. Klar: Ein Verbot könnte dazu führen, dass mehr gefährliche Böller auf dunklen Pfaden ihren Weg nach Deutschland finden, die hier nicht zugelassen, also illegal sind. Das ist das Risiko.

Der Staat muss helfen

Das ist auch der wichtigste Grund, warum man die Unternehmen in Deutschland erhalten muss. Denn die schauen darauf, dass die Sicherheitsrichtlinien eingehalten werden. Und deshalb sollte der Staat ihnen unter die Arme greifen wie vielen anderen Unternehmen aus anderen Branchen auch und ihnen den Umsatzausfall erstatten.

Und auch die Mitarbeiter sollen natürlich nicht unter einem Verbot leiden, denn viele von ihnen könnte es den Job kosten, wenn die private Böllerei an Silvester verboten würde.

Die Unternehmen sollten die Zeit nutzen

Es ist hoffentlich ein Ausnahmejahr, und wenn etwa schon die Fitness-Studios zumachen müssen, die sich um die Gesundheit der Menschen kümmern, dann wäre es nicht nachvollziehbar, warum dann eine relativ kleine Branche normal weiterarbeiten könnte, und eben eine, deren Produkte ja schnell zu Verletzungen und Verbrennungen führen können.

Deshalb meine ich: Dieses Jahr sollte man die Böllerei verbieten und die Branche gleichzeitig stützen. Die Unternehmen könnten die Zeit nutzen, um sich für die weitere Zukunft nachhaltiger aufzustellen.

Mehr zum Thema

Silvester-Ausschreitungen - "Wer mit Böllern Helfer beschmeißt, gehört in den Knast"
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 2.1.2020)

KulturSchock - Satire an Silvester - Bei uns gibt's noch Knaller!
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 31.12.2019)

Resch (DUH) - "Wir möchten Silvester ohne Knaller und Raketen"
(Deutschlandfunk, Interview, 17.12.2019)

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

Iva Procházková: "Die Residentur"Russische Machtspiele
Cover des Buchs „Die Residentur“ von Iva Procházková. (Braumüller / Deutschlandradio)

Wirklichkeit ohne Happy End: Die tschechische Autorin Iva Procházková macht in "Die Residentur" Putins aggressive Außenpolitik in Osteuropa zum Thema. Ein ungewöhnlicher und komplexer Polit-Thriller, der am Schluss viele Handlungsstränge offen lässt.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur