Seit 01:05 Uhr Tonart
Montag, 26.07.2021
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Kompressor | Beitrag vom 07.05.2019

Sigrid Maurer kämpft gegen sexuelle Belästigung im Netz "Es ist notwendig, solche Leute manchmal an den Pranger zu stellen"

Sigrid Maurer im Gespräch mit Christine Watty

Die ehemalige Grüne Nationalratsabgeordnete Sigrid Maurer bei einer Pressekonferenz zum Thema Hass im Netz in Wien am 15.10.2018 (imago / Eibner Europa)
"Ich habe absolut kein Mitleid mit dem mutmaßlichen Verfasser dieser Nachrichten", sagt Sigrid Maurer auf der re:publica 2019. (imago / Eibner Europa)

"Kleine, dreckige Bitch" stand in der Nachricht, die Sigrid Maurer in ihrem Postfach fand. Statt sie zu ignorieren, postete sie einen Screenshot. Der mutmaßliche Täter verklagte sie und ein Gericht gab ihm Recht. Nun wird der Fall neu geprüft.

Auf ihrem Weg zur Arbeit musste Sigrid Maurer täglich an einer Wiener Kneipe vorbei. Dann landete eines Tages diese Nachricht in ihrem Facebook-Postfach: "Hallo! Du bist heute an meinem Geschäft vorbeigegangen und hast auf meinen Schwanz geguckt, als wolltest du ihn essen." Für Maurer war klar, der Account gehörte dem Wirt. Statt zu schweigen, entschied sie sich, die Nachricht mit dem Namen des Mannes zu veröffentlichen.

"Ich habe das deshalb gemacht, weil ich keine rechtliche Handhabe dagegen hatte", erklärt Sigrid Maurer. "Es war meine einzige Möglichkeit mich dagegen zu wehren." Ihr sei es darum gegangen ein Exempel zu statuieren.

Im Netz und in der österreichischen Gesellschaft sorgte Maurers Post für Aufsehen und entfachte eine Diskussion über sexuelle Belästigung im Internet.

Verklagt wegen übler Nachrede

"Die Unterstützung ist so extrem breit, dass ich das Gefühl habe, eine gewisse Verantwortung zu tragen, das für all die anderen Betroffenen durchzufighten", sagt Sigrid Maurer.

Während die einen Maurers Mut bewunderten, verklagte der Wirt sie wegen übler Nachrede. Er habe behauptet, die Nachricht nicht geschrieben zu haben, erklärt Maurer. Andere Personen hätten Zugang zu seinem Computer und Facebook-Account gehabt.

Das Gericht urteilte, dass Sigrid Maurer gegen ihre journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen habe: "Der Richter meint, ich hätte nachfragen müssen, ob er es wirklich selber war."

Maurer will ein Exempel statuieren

Der Fall wird nun erneut geprüft. Sigrid Maurer ist zuversichtlich, dass sie freigesprochen wird. Einige Menschen hätten von ihr verlangt, mit dem Wirt ein Bier zu trinken und sich mit ihm auszusprechen.

"Für die Versöhnung und die Belehrung und die Aufklärung und das Verzeihen sind dann auch immer die Frauen zuständig – und das sehe ich überhaupt nicht ein. Es wird gerichtlich geklärt."

Von dem Urteil erhofft sich Sigrid Maurer auch eine rechtliche Handhabung für ähnliche Fälle sexueller Belästigung.

"Das letzte Jahr und die Debatte bestätigt mir umso mehr, dass die Diskussion notwendig war. Und dass es auch notwendig ist, solche Leute manchmal an den Pranger zu stellen. Sonst ändert sich nie etwas."

(mwl)

Mehr zum Thema

Helene Nikita Schreiner über Training gegen Sexismus - "Es geht darum, diesen Schock zu überwinden"
(Deutschlandfunk Kultur, Echtzeit, 06.04.2019)

#MeToo in der Musik-Branche - Sexismus, Drugs and Rock’n’Roll
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 27.02.2019)

"MeToo" in der Medizin - Sexismus im Operationssaal
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 17.12.2018)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Fazit

75. Festival d’AvignonTriumph des Magisch-Weiblichen
Isabelle Huppert eröffnete das 75. Internationale Theaterfestival in Avignon. (picture alliance / abaca | Aventurier Patrick/ABACA)

Das Theaterfestival in Avignon war in diesem Jahr geprägt von starken Regisseurinnen und feministischen Manifesten. Es begann mit Stücken über kollektiv erlebte Katastrophen und endete mit stilleren Abenden voller individueller Frauenschicksale.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur