Freitag, 19.07.2019
 

Fazit | Beitrag vom 26.03.2019

Shitstorm gegen Abbas Khider Das Buch "Deutsch für alle" provoziert

Jo Lendle im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Buchcover: Abbas Khider: „Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch“ (Buchcover: Hanser Verlag, Foto: Deutschlandradio-Maurice Wojach)
Der deutsch-irakische Schriftsteller Abbas Khider. Sein Buch "Deutsch für alle" ist eigentlich eine Satire, mancheiner fühlt sich offenbar davon angegriffen. (Buchcover: Hanser Verlag, Foto: Deutschlandradio-Maurice Wojach)

Der Schriftsteller Abbas Khider hat ein Buch über die deutsche Sprache geschrieben: "Deutsch für alle". Seitdem wird er im Netz massiv angefeindet und rassistisch beschimpft. Dabei sei das Buch vor allem eine Satire, betont sein Verleger Jo Lendle.

Abbas Khider war 27, als er den Irak verließ. Seit 20 Jahren lebt er in Deutschland. In seinen Büchern hat er von Gefängnishaft und Folter im Irak erzählt oder den bürokratischen Irrsinn des Asylverfahrens beschrieben.

Jetzt hat er eine Art Sprachlehrbuch geschrieben: Deutsch für alle. Deutsch, meint er, solle endlich leichter zu lernen und zu sprechen sein - nicht nur für Zugewanderte.

"Er erzählt in dem Buch auch Geschichten", sagt sein Verleger Jo Lendle: 

"Er schreibt nicht nur einen Neuentwurf der deutschen Sprache, sondern er gibt eben auch preis, wie es ist, aus der Fremde in diese Sprache zu kommen und die Sprache ist eben nicht die einladendste der Welt. Und erzählt sehr unterhaltsam, wie man dann verzweifelt an den Umlauten, den syntaktischen Regelwerken und so weiter."

Satire auf die deutsche Sprache

Abbas Khider hat in Deutschland Philosophie und Literatur studiert. Er habe eine Leidenschaft für die deutsche Sprache, so Lendle, aber er sei auch gegen alle Mauern angerannt, die das Deutsche so errichte.

Khiders Buch "Deutsch für Alle" schaffte es auf die Spiegel-Bestsellerliste, auf Facebook und Twitter dagegen wird der Autor mit rassistischen Kommentaren überzogen, sagt der Verleger:

"Im Netz drehen die Leute durch, wenn sie hören, jemand, der von woanders kommt, äußert sich über unsere Sprache. Da werden die Leute gerne etwas engstirnig und kommen mit absurden Unterstellungen und da wird’s auch richtig hart, also da äußern sich auch einige AfD-Leute in einer Weise, dass es wirklich unterste Geschmacklosigkeit ist. Hässlich ist es schon."

Dabei ist Khiders Buch alles andere als ernst gemeint. Die Ironiesignale findet man schon auf der ersten Seite, so Lendle:

"Im Vorspruch steht gleich schon: Dieses Büchlein ist ernsthafter, sprachwissenschaftlicher Schwachsinn." Das Buch sei ein großer Klamauk, erklärt der Verleger. "Bloß, es ist ein sehr kluger Klamauk, weil man dadurch erfährt, welche Besonderheiten die deutsche Sprache bereithält und welche besonders knifflig sind."

Die "Erfolgsgeschichte eines hier Angekommenen"

Diejenigen, die Khider im Internet beschimpfen würden, würden ihn absichtlich missverstehen, sagt Lendle: "Das provoziert natürlich entsprechende Kreise aufs Grundsätzlichste. Es ist eigentlich eine sprachlich ausbuchstabierte Erfolgsgeschichte eines hier Angekommenen. Und das provoziert."

Dabei gebe es eine große Diskrepanz zwischen dem Internet und der Realität. "Also bei Lesungen, Veranstaltungen, in Kritiken kapieren alle sehr schnell die Ironie und den Witz, die Gewitztheit dieses Buches", so Lendle. Abbas Khider begegne dem Hass im Netz derweil relativ entspannt:

"Er hat heute ein wunderschönes Gedicht gepostet von Rückert. Es ist ein kleines Gedicht über das Deutscheste der Deutschen und wie die deutsche Sprache mit dem Deutsch und Deutscher-Sein umgeht. Es ist die brillanteste Antwort, die man darauf geben kann: Einen der unseren zu zitieren, um die Deutsch-Quierligkeit der Deutschen noch mal auszustellen."

Abbas Khider: Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch
Hanser, München 2019
128 Seiten, 14 Euro

(nho)

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