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Tonart | Beitrag vom 28.07.2021

Shirley Collins über "Crowlink"Musikalische Verbeugung vor einem magischen Ort

Moderation: Carsten Beyer

Die britische Folksängerin Shirley Collins mit einem Mikrofon in der Hand bei einem Konzert in der Berliner  Kulturbrauerei. (Imago / Votos - Roland Owsnitzki)
Immer noch aktiv und produktiv: die britische Folksängerin Shirley Collins. (Imago / Votos - Roland Owsnitzki)

Shirley Collins gilt als die Grande Dame des britischen Folk. Nach großen Erfolgen verlor sie für Jahrzehnte ihre Stimme, kämpfte sich aber zurück zur Musik. Mit 86 Jahren ist sie produktiver denn je und hat mit "Crowlink" ein neues Album produziert.

Der britische Singer-Songwriter Billy Bragg soll über sie gesagt haben, Shirley Collins sei zweifellos einer der bedeutendsten Kulturschätze Englands. Die so Gepriesene ist mit ihren inzwischen 86 Jahren eine Institution und die Grande Dame des British Folk, zu dessen Wiederbelebung sie maßgeblich beigetragen hat.

Jetzt hat Collins, die 1935 in Hastings, East Sussex, zur Welt kam, ein neues Album veröffentlicht, auf dem wieder ihre weiche, dunkle Stimme erklingt: "Crowlink". Wie schafft sie es, im hohen Alter noch so produktiv zu sein?

"Ich denke manchmal, dass ich gar nicht mehr die Energie dazu habe. Aber es ist wohl immer noch die Liebe zur Musik bei mir. Musik hat mich mein ganzes Leben lang begleitet", erzählt die Britin. "Das kann ich nicht loslassen."

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Für "Crowlink" schöpfte sie auch aus älteren Werken: Beispielsweise aus Liedern, die ihr während eines USA-Aufenthalts vor über 60 Jahren begegnet sind. Außerdem kennt sie über 100 traditionelle englische Volkslieder. "Ich habe diese Art von Gedächtnis, das sich sehr gut Songs merken kann", sagt Collins.

Comeback nach Jahrzehnten

Für viele Musikjournalisten ist sie ein Phänomen und ein Wunder: Fast vier Jahrzehnte lang war es nämlich, im wahrsten Sinne des Wortes still um Collins. Die Sängerin hatte ihre Singstimme verloren und kämpfte sich vor ein paar Jahren zurück ins Folk-Business.

Der Titel "Crowlink" sei eine Referenz an einen von ihr sehr geliebten Ort, über den sie ins Schwärmen gerät: "Es ist erst mal ein schönes Wort. Und ist es ein Ort, an dem ich oft war, um dort spazieren zu gehen. Crowlink ist ein beeindruckendes Cliff. Man sieht dort die raue Küstenlinie. Man hat einen weiten Blick auf den Ärmelkanal in Richtung Europa. Kreischende Möwen in der Luft. Manche Orte liebt man mehr als andere – das ist einfach so."

Neues ausprobieren

Dazu passt, dass Collins für ihre Songs mit Vogelstimmen, dem Wind und den Wellen gearbeitet hat. Ein Versuch, die Magie dieses Ortes auf das Album zu bannen? Die Idee stamme von dem Komponisten Matthew Shaw, mit dem sie zusammenarbeitete, und von ihrem Sohn, sagt die Sängerin. Das sei ungewohnt für sie gewesen, aber das Ergebnis sei etwas Neues und passe zu den Songs.

Und apropos: Blick über den Ärmelkanal nach Europa. Shirley Collins bedauert den Austritt Englands aus der Europäischen Union sehr: "Das war ein großer Fehler. Ich bin Engländerin und Europäerin. Ich bin traurig, dass wir nicht mehr in der EU sind. Das ist eine Tragödie."

Und sie fügt hinzu: "Eine dumme Tragödie."

(mkn)

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