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Tonart | Beitrag vom 28.09.2017

Shania Twain: "Now"Comeback als kanadische Helene Fischer?

Jens Balzer im Gespräch mit Andreas Müller

15 Jahre war es still um Shania Twain. Jetzt erscheint ihr neues Album "Now" (imago stock & people / Daniel DeSlover)
15 Jahre war es still um Shania Twain. Jetzt erscheint ihr neues Album "Now". (imago stock & people / Daniel DeSlover)

Shania Twain gilt als die erfolgreichste Country-Sängerin aller Zeiten. Doch seit vor 15 Jahren ihr letztes Album erschien, wurde es still um die Sängerin. Auf ihrem neuen Album "Now" wagt die Königin der Country-Musik einen musikalischen Neuanfang.

Wenn Shania Twain auf diesem Album als Königin zurückkehre, so Musikjournalist Jens Balzer, dann nicht als Country-Königin. Es gäbe alle möglichen Arten von Stilen auf ihrer Platte zu hören – darunter natürlich dann auch Country.  Von dem habe sie sich ja schon auf dem letzten Album "Up!" verabschiedet. Man denke nur mal an ihren damaligen Hit "Ka! Ching" – das sei opulent produzierter Mainstream-R’n’B-Pop, der auch von Mariah Carey hätte stammen können.

Auf der neuen Platte herrsche jedoch jetzt ein Eklektizismus, der für die Künstlerin im Besonderen, aber auch für heutige Hörer im Allgemeinen selbstverständlicher wirke. Dabei sei Shania Twain bei allen stilistischen Exkursen immer darum bemüht, ihre Country-Basis nicht zu verlieren. Im Country habe bislang ja eher so ein "Ethos des Authentischen" gegolten. 

Shania Twain lässt ihre Stimme tunen

So sei Shania Twain schon öfter vorgeworfen worden, ihre Stimme mit Autotune zu bearbeiten. Autotune werde meistens als Schummelei angesehen: wer die Stimme mit elektronischen Mitteln manipulieren lässt, durfte kein richtiger Künstler sein. Shania Twain habe dazu nie Stellung genommen. Auf dem neuen Album würde sie das nun ganz offensiv tun. Einerseits sicher aus dem Willen heraus, zum R’n’B aufzuschließen – das ist gerade in den USA ja das kommerziell erfolgreichste Genre und noch erfolgreicher als Country.

Andererseits, meint Jens Balzer, höre er aber bei dem Album auch einen gewissen Trotz heraus: Ihr habt mir das immer vorgeworfen, jetzt mache ich das erst recht und ganz bewusst. Und das besonders krass in dem Stück "Poor Me", in dem Shania Twain davon singt, wie sie von ihrem Mann verlassen wurde.

Pionierin des Eklektizismus

Die Country-Szene habe sich so verändert, dass Shania Twain mit ihrem Stilgrenzen überschreitenden Eklektizismus heute als Pionierin gelten dürfe. Er verweist dabei auf Taylor Swift, wie sie in der Countryszene gestartet ist und von da für ein Massenpublikum zum genreübergreifenden Popstar aufstieg und jetzt wiederum damit begonnen habe, sich wieder ihrem alten Stammpublikum zuzuwenden. So sei sie bei den letzten Country Music Awards nominiert worden und fungierte als Laudatorin auf Garth Brooks, einem besonders traditionstreuen Country-Cowboy.

Außerdem sei das Country-Stammpublikum offener geworden, was man auch bei dieser Preisverleihung gesehen habe, als Beyoncé und  die Dixie Chicks zusammen aufgetreten waren, was noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen sei.

Shania Twain – eine kanadische Helene Fischer?

Auf das Cover bezogen, auf dem Shania Twain wie Andrea Berg aussähe, sieht Jens Balzer eine gewisse Ähnlichkeit mit Helene Fischer. Was ja auch musikalisch passe, denn auch sie käme aus einem extrem traditionsseligen Genre. Der Schlager sei für die Deutschen, was der Country für die Amerikaner ist - und habe das in alle möglichen Richtungen geöffnet. Und auch Helene Fischer habe dabei das Problem, dass sie das Stammpublikum bei ihrer Öffnung nicht verlieren darf.

So sei Shania Twain durchaus eine Art kanadische Helene Fischer. Jetzt brauchten wir nur zu warten, bis die Affären von Florian Silbereisen endlich auffliegen, Helene Fischer ihre Stimme verliert und uns 15 Jahre später mit einem reifen Weltmusik-Comeback beglückt.

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