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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.06.2018

Sexting Wie Eltern ihre Kinder schützen können

Julia von Weiler im Gespräch mit Dieter Kassel

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Ein Mädchen sitzt in seinem Zimmer auf dem Boden und macht Selfies. (imago / Felix Jason)
Ein Mädchen sitzt in seinem Zimmer auf dem Boden und macht Selfies. (imago / Felix Jason)

Wenn ein Nacktfoto von ihnen im Netz landet, kämpfen Jugendliche mit Scham und tiefer Verzweiflung. Und sie finden meist keine Hilfe, sagt Julia von Weiler vom Verein Innocence in Danger. Denn Erwachsene machen es sich mit dem Thema oft zu einfach.

Ein Nacktfoto an den Schwarm ist schnell verschickt - doch hinter der vermeintlichen Bekanntschaft im Netz stecken oft Täter, die Jugendliche dann mit den Aufnahmen zu weiteren Entblößungen oder sexuellen Handlungen erpressen. In Berlin findet zur Zeit die Fachtagung "Das Netz, die Pubertät und der Missbrauch" statt, die sich mit der Frage beschäftigt, wie Kinder und Jugendliche vor dem sogenannten Sexting geschützt werden können.

"Da brauchst Du Dich ja nicht wundern"

Die digitalen Medien und das Smartphone seien für Täter das ultimative Tatmittel, sagt Julia von Weiler vom Verein Innocence in Danger, der die Tagung veranstaltet. "Wenn ich einmal intime Fotos oder auch Kommunikation - also Chatverläufe - habe, habe ich ein fantastisches Druckmittel." Viele Mädchen und Jungen wüssten nicht, an wen sie sich wenden sollten und würden dann Opfer fortlaufender Erpressungen - auch "weil wir als Erwachsene da immer noch ganz viele blinde Flecken haben und die Opfer ganz schnell verantwortlich machen für das, was da passiert und sagen 'Naja, hättest Du Dich ja nicht wundern müssen, wenn Du so ein Bild verschickst'."

Falsche Annahmen Erwachsener

Mit dieser Annahme überfordere man Kinder und Jugendliche allerdings "mit Ansage", so von Weiler. Kinder und Jugendliche befänden sich noch in der Entwicklung und seien zu reflektierten Entscheidungen manchmal noch nicht in der Lage. Statt die jungen Menschen verantwortlich zu machen, müssten jedoch "wir als erwachsene Gesellschaft Verantwortung übernehmen und die Anbieter in die Pflicht nehmen". Gleichzeitig denke man selbst als Erwachsener beim Verschicken von Bildern über Messenger wie WhatsApp oft nicht nach. Zu denken, Jugendliche seien sich ständig der möglichen Konsequenzen bewusst, "ist wirklich ein bisschen bescheuert".

Reden muss selbstverständlich sein

Um Kinder und Jugendliche zu schützen, sei es wichtig zu lernen, selbstverständlich über diese Themen zu sprechen. "Wenn ich einem zwölfjährigen Kind schon ein Smartphone schenke, dann muss ich sehr gut überlegen, wo kontrolliere ich das und wie gut bin ich im Gespräch damit?" Wenn man schon in sehr jungen Jahren anfange, mit dem Kind darüber zu sprechen, wie es ihm und auch seinem Körper gehe, mache man es Betroffenen später leichter, sich mitzuteilen. "Wir müssen uns klar machen, ein intimes Bild oder auch ein Missbrauchsbild stellt die Betroffenen in einem Ausmaß bloß, das es ihnen ganz schwer macht, sich mitzuteilen - das heißt, wir müssen diese Türen für sie aufhalten."

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