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Kompressor | Beitrag vom 17.12.2019

Sexspielzeuge im Wandel Der Abschied vom Phallus

Stefanie Lohaus im Gespräch mit Shanli Anwar

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Eine Frau massiert ihren Kopf mit dem Liedbeck-Vibrator (picture alliance/dpa/Mary Evans Picture Library)
Schon um 1900 konnten sich Frauen mit Vibrationsstäben etwas Gutes tun. Die Form hat sich seitdem sehr gewandelt – auch die der Vermarktung. (picture alliance/dpa/Mary Evans Picture Library)

In der Veränderung der Sextoys spiegelt sich der gesellschaftliche Wandel wider, sagt die Journalistin Stefanie Lohaus. Die phallische Form sei heute weniger dominierend und die Vielfalt des Designs von Sexspielzeugen groß.

Das richtige Design ist auch in der Sex-Spielzeugbranche immer wichtiger. Seit etwa 20 Jahren gebe es eine immer größere Auswahl an unterschiedlich gestalteten Vibratoren und anderen "Sex Toys", sagt die Journalistin und Mitherausgeberin des "Missy Magazines", Stefanie Lohaus. Sie sähen heute eher wie Design-Objekte oder Kunstskulpturen aus, mit biomorphen Formen. "Man fühlt sich teilweise sogar an surrealistische Skulpturen von Hans Arp oder Marina Schreiber erinnert."

Eine andere Linie seien niedliche Vibratoren, die wie Tiere anmuteten. "Maulwürfe oder Frösche kann man da kaufen", so Lohaus. "Das hat tatsächlich überhaupt nichts mehr mit dem zu tun, was man früher kannte." Die Journalistin erinnerte an den traditionellen Massagestab hinten im Otto-Katalog oder naturalistische, mit Adern durchzogene, fleischfarbene Geräte. Die Zeit ist offenbar vorbei. Es gebe inzwischen sogar Auszeichnungen für besonders gelungenes Design von Sexspielzeugen.

Feministische Entwicklung

Diese Veränderungen spiegelten einen kulturellen Wandel wider, sagt Lohaus. Sie beobachtet eine "Entphallisierung des Sexspielzeugs", also eine "Loslösung der Sexualität der Frau vom Mann als etwas Eigenständiges". Das sei durchaus eine feministische Entwicklung. "Gleichzeitig wird die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, die Loslösung, die wir hier quasi symbolisiert haben, auch in der Gesellschaft vollzogen." Als Beispiel nannte Lohaus die Schauspielerin Emma Watson, die sich kürzlich selbst verpartnert habe und ganz auf den Mann verzichte. Das sei auch in der Sexualität zu beobachten.

Parallel hätten sich auch Sexspielzeuge für Partnerschaften entwickelt, bei denen die "toys" als Ergänzung dienten. "Wir wissen eben auch viel mehr über die weibliche Anatomie", sagt Lohaus. Vor einigen Jahren sei im Netz ein Video viral gegangen, das eine aus einer Masse geformte Klitoris abgebildet habe. Sie habe viel größer und anders ausgesehen, als man es aus den Anatomiebüchern kenne. "Das ist alles Teil dieser Entwicklung."

(gem)

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