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Kompressor | Beitrag vom 13.10.2021

Serie "Reservation Dogs"Lässigkeit, Poesie und dumme Ideen

Maren Haffke im Gespräch mit Ramona Westhoff

Die vier Protaginisten der Serie laufen nebeneinander, in dunklen Anzügen eine Straße entlang. (FX Networks / Disney+  )
Die vier Protagonisten der Serie Willie Jack (Paulina Alexis), Elora Danan Postoak (Devery Jacobs), Bear (D’Pharaoh Woon-A-Tai), Cheese (Lane Factor) wollen dem Reservat entfliehen. (FX Networks / Disney+ )

"Reservation Dogs" erzählt von vier Teenagern in einem Reservat in Oklahoma. Die Serie sei eine historische Errungenschaft, sagt Medienwissenschaftlerin Maren Haffke: Zum ersten Mal sind Native Americans vor und hinter der Kamera Entscheidungsträger.

Die Serie "Reservation Dogs" folgt vier Teenagern, die in einem Reservat in Oklahoma für Native Americans leben und sich dort die Zeit vertreiben. Sie versuchen Geld aufzutreiben, um dieses Reservat zu verlassen, denn sie wollen nach Kalifornien. Die Teenager machen das Reservat für den Tod eines Freundes verantwortlich und entwickeln kleinkriminelle Aktivitäten, um aus dem Reservat, das sie als perspektivlos empfinden, rauszukommen.

In den acht Folgen der ersten Staffel lerne man die Lebensrealität in einem Reservat kennen, "die mit viel Komik und ganz viel Poesie, aber auch mit einiger Härte beschrieben wird", sagt die Medienwissenschaftlerin Maren Haffke.

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Die Serie sei eine historische Errungenschaft, sagt Haffke, "das ist die erste Mainstream-Fernsehserie, bei der Native Americans vor und hinter der Kamera die Entscheidungsträger*innen sind." Das heißt, Schauspieler und Schauspielerinnen, Autoren und Autorinnen, sogar Maske und Musik seien mit Native Americans besetzt worden.

Insiderwitze und gesellschaftliche Fragen

"Das ist ein lange überfälliges Stück Repräsentation und zeigt Leben, die bisher im Grunde keine Abbildung erfahren haben", sagt Haffke. Zugleich hätten die Geschichten jedoch auch eine gewisse Allgemeinverständlichkeit: Es geht um Trauer, erdrückende Langeweile und Perspektivlosigkeit und dumme Ideen von Teenagern.

"Die Serie ist sehr erfolgreich darin, ihre vielen Insiderwitze und die spezifischen gesellschaftlichen Anliegen, die sie sehr engagiert vertritt, wie Fragen zur Gesundheitsversorgung in Reservaten, zur Fetischisierung und Sexualisierung indigener Frauen, Fragen zum Recht auf dieses Land zu verbinden mit einer Inszenierung, die einem großen internationalen Publikum einen Einstieg gibt", sagt Haffke.

Ästhetisch knüpfe "Reservation Dogs" an die Tradition des US-amerikanischen Indiekinos der 1990er-Jahre an, schon der Titel sei ein augenzwinkernder Verweis auf Quentin Tarantinos Film "Reservoir Dogs", so Haffke: "Das hat viel Lässigkeit und Coolness, ein luftiges, geduldiges Erzählen kleiner Vignetten und Begegnungen."

Haffke lobt das Ensemble, das hervorragend sei. Das gelte für die Newcomer in den Hauptrollen genauso wie für die legendären Darsteller in den vielen Nebenrollen. "Ich würde Paulina Alexis hervorheben, die als Willie Jack wirklich eine Offenbarung ist", so Haffke, deren Fazit positiv ausfällt: "Sie sollten sich das angucken, denn das macht Spaß."

"Reservation Dogs" wird ab 13. Oktober auf Disney+ ausgestrahlt.

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