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Kompressor | Beitrag vom 14.08.2017

Serie neu aufgelegtDie Rückkehr der DuckTales

Stefan Mesch im Gespräch mit Moderator Timo Grampes

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Dagobert in seinem Geldspeicher - Ausschnitt aus der Zeichentrickserie von 1987 "DuckTales - Neues aus Entenhausen " (imago stock&people / United Archives)
Dagobert in seinem Geldspeicher - Ausschnitt aus der Zeichentrickserie von 1987 "DuckTales - Neues aus Entenhausen " (imago stock&people / United Archives)

Eine ganze Generation ist mit den DuckTales aufgewachsen: In den 80er-Jahren setzte Disney das Enten-Universum recht simpel in einer Fernsehserie um. Nun kommt eine Neuauflage, die mit einigen Ecken und Kanten überrascht.

Warum leben Tick, Trick und Track bei ihrem Onkel Donald? Warum ist Donalds eigene Bezugsperson in der Familie Duck sein Onkel Dagobert? Zum ersten Mal will Disney solche Fragen im großen Stil beantworten - in "DuckTales", einer Neuauflage der Trickserie von 1987. Am 12. August zeigte der Disney-Sender XD Episode 1 und 2 im US-TV, ein Deutschlandstart ist für 2018 geplant. Bisher glückt der Neustart - auch in vielen radikaleren Ideen und Entscheidungen.

Dagoberts besondere Rolle 

1938 hatte Carl Barks begonnen, für Disney zu zeichnen und zu schreiben; ab 1943 wurden seine Donald-Duck-Comics dann länger und komplexer: Oft waren es 30 Seiten voller Schatzsuchen und Abenteuer. 1947 erfand Barks den vereinsamten und menschenfeindlichen Milliardär Scrooge McDuck für ein Weihnachtscomic mit Charles-Dickens- und Citizen-Kane-Motiven. Dagobert verkleidet sich dabei heimlich, weil er Donald und den Neffen nur Geschenke überlassen will, falls sie Mut gegen Bären beweisen. Dann bricht ein echter Bär in die Villa ein, und erschreckt auch Dagobert im Bären-Kostüm. Für Barks bleibt Donald Duck noch 20 Jahre lang meist die Hauptfigur. Doch sein harscher, exzentrischer und oft tragisch geiziger Dagobert wird (besonders auch durch europäische Comics aus Italien und Skandinavien) weltbekannt.

"Jäger des verlorenen Schatzes", Teil eins der "Indiana Jones"-Reihe, übernahm 1981 eine Barks-Szene, in der die Panzerknacker eine indianische Statue auf einem Podest verschieben - und damit eine Steinkugel ins Rollen bringen, als Todesfalle für Grabräuber. Sechs Jahre später läuft es umgekehrt: Der Disney-Konzern kuckt sich bei "Indiana Jones" für seine bis dahin teuerste und langlebigste Trickserie, "DuckTales" (1987) so einiges ab. Donald Duck heuert bei der Marine an. Tick, Trick und Track leben in der Villa Onkel Dagoberts, zusammen mit Nicky, der Tochter der Haushälterin und Bruchpilot Quack. Viele Figuren, die Barks erfand, bekamen hier große Rollen, etwa die Hexe Gundel Gaukeley und der Erfinder Daniel Düsentrieb. Bis 1990 erzählten etwa 15 von 100 "DuckTales"-Folgen alte Barks-Comics neu.

1967 war Carl Barks in den Ruhestand getreten, aber er malte noch sehr lange und starb 2000, mit 99 Jahren. Vor allem in den 70er Jahren entwarf er große Dagobert-Ölgemälde. Seit den 80er Jahren dann versuchte der Zeichner und Barks-Fan Don Rosa, aus den Details, die Barks in seinen Comics oft eher humorvoll hingeworfen hatte, eine große Lebensgeschichte von Dagobert Duck zu rekonstruieren: "Onkel Dagobert: Sein Leben, seine Milliarden". Für Don Rosa wurde Duck 1867 in Schottland geboren und starb 1967 in Entenhausen.

Zeichner Barks vs. die Arbeit von Nachfolger Don Rosa

Barks Comics sind oft historische Abenteuer, meist in einem sehr konkreten geschichtlichen Rahmen, etwa der Goldrausch am Yukon River in Alaska oder die Cowboy-Abenteuer in Indonesien. Oft aber erfand Barks auch Reisen zu Fantasie-Zivilisationen wie dem Land der viereckigen Eier, versteckt in den Anden. Und: Barks' Comics sind schwungvoll, albern, oft kapitalismuskritisch und mitreißend.

Don Rosas Comics dagegen wirken pedantischer, nervöser, überfachtet: Abenteuer- und Männercomics fast ohne interessante Frauen, teuer gesammelt oft von Männern jener Generation, die zu Beginn der 90er Jahre Kindern etwa auch gerne "Asterix" und "Tim und Struppi" gaben und dabei raunten "Lies! Da kannst du noch was lernen!". Don Rosas Comics sind Deutschlehrer-Comics, Bildungsbürger-Comics, Pedanten-Comics, in Deutschland erfolgreich vor allem dank vieler älterer Herren, die "Duck" mit "u" aussprechen: Donaldisten.

"DuckTales" von 1987 blieb eine Kinderserie. Sie war meist etwas schleppend erzählt, bot simple Lösungen und hinter ihr versteckte sich kaum Psychologie. Tick, Trick und Track bleiben schlimm gutmütig und passiv und Nicky ist so jung, rosa, naiv und unwichtig, wie keine andere Disney-Serienfigur nach ihr. Als 2017 erste Trailer für den "DuckTales"-Neustart veröffentlicht wurden, waren viele Fans nervös: Denn Nicky ist hier ein hyperkompetentes Nerd-Mädchen mit Geheimagenten-Tick. Sie bewegt sich durch Dagoberts Villa wie in "Mission: Impossible". Tick, Trick und Track haben klare Persönlichkeiten, aber wirken übertrieben aggressiv: Tick (rot) trumpft durch Wissen auf, Trick (blau) ist nassforsch und liebt Abenteuer, und Track (grün) wird von Fans mit Slytherin-Figuren aus "Harry Potter" verglichen: ambitioniert, aber verschlagen.

Die Neuauflage erzählt dreimal so schnell

Die große Angst der Fans war kurz gesagt: Klingt, witzelt, frotzelt und erzählt "DuckTales" 2017 wie jede andere US-Trickserie? Stülpt Disney das Strickmuster gesucht hipper Konzepte wie "Gravity Falls" über die Barks-Figuren?  - Nein. Die flächigen, an alte Comics erinnernden Hintergründe und Farben der neuen Serie sind schroffer als die warmen, liebevollen Details im Original. Die Neuauflage erzählt dreimal so schnell und bisher auf höchstem Niveau: warmherzig, mitreißend, überraschend. Die Neuauflage der "DuckTales" sind  eine Kinderserie für das denkbar größte Publikum.

Und: Überall in Dagoberts Villa hängen die alten Barks-Ölgemälde! Ein Problem allerdings bleibt: Donald Duck. Es ist toll, dass Donald dieses Mal selbst bei Dagobert einziehen darf. Schlimm aber ist, dass man seine typische Enten-Schnatterstimme kaum versteht. Donald liefert zwanzig handlungstragende Sätze oder Pointen pro Episode. Bei zwei Dritteln aber ist nur "Quack" zu verstehen. Sobald die Serie erzählen wird, wo Donalds Eltern sind oder warum die Neffen von Donalds Schwester in seiner Obhut aufwuchsen, wird das anstrengend und holprig.

"DuckTales" läuft erst ab 2018 in deutscher Synchronisation auf dem Bezahl-Sender Disney XD.

 

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