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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.08.2017

Serie: "Ferne Welten" - Außerirdisches Leben"Durchaus möglich, dass sie schon hier sein könnten"

Daniel Gerritzen im Gespräch mit Dieter Kassel

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Eine Drohne filmt die Aliens aus der Grand Show "The WYLD" des Friedrichstadt-Palastes am 02.07.2015 in Berlin bei einem Pressetermin in der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg. Die Tänzer gehören zum Ensemble der Show im futuristischen Stil, die seit Oktober 2014 gezeigt wird und noch zwei Jahre laufen soll. Foto: Jens Kalaene/dpa (dpa/Jens Kalaene)
Sind die Außerirdischen längst unter uns? Keine Sorge, hier im Bild posieren lediglich die Tänzer aus der futuristischen Show "The Wyld". (dpa/Jens Kalaene)

Was passiert, wenn wir tatsächlich einmal auf intelligentes Leben außerhalb unseres Planeten treffen? Buchautor Daniel Gerritzen hat sich lange mit dieser Frage beschäftigt -und ist zu dem Schluss gekommen, dass er doch lieber nicht auf Außerirdische treffen möchte.

Dieter Kassel: Überall auf der Welt suchen Menschen nach außerirdischen Wesen – Wissenschaftler und Laien zum Beispiel gemeinsam mit dem Seti-Projekt, einem Zusammenschluss öffentlicher und privater Computer zum Absuchen möglichst vieler Frequenzbereiche nach außerirdischen Signalen. Aber was machen wir eigentlich, wenn wir tatsächlich Kontakt zu Außerirdischen bekommen? Damit beschäftigt sich der Gründer des Forschungsnetzwerks Extraterrestrische Intelligenz Daniel Gerritzen in seinem Buch "Erstkontakt". Deshalb habe ich mit Daniel Gerritzen gesprochen und ihn am Anfang einfach mal gefragt, wie er das eigentlich sieht, was denkt er: Wäre ein Kontakt mit Außerirdischen für die Menschheit eigentlich gut oder schlecht?

Daniel Gerritzen: Es kommt immer darauf an, welche Form der Kontakt annimmt. Wenn wir jetzt beispielsweise entdeckt würden, wäre das für mich persönlich und ich glaube auch für einen Großteil der Menschen auf der Erde schon ein ziemlicher Schock, weil das würde bedeuten, dass die Außerirdischen, die uns entdeckt haben, technologisch viel weiter fortgeschritten sind als wir. Das würde bedeuten, sie könnten zum Beispiel hier hinreisen, sie hätten vielleicht sogar irgendwelche Waffensysteme, die unseren Planeten einäschern könnten. Sie könnten uns irgendwelche Dinge mitteilen, die unser Weltbild so dermaßen auf den Kopf stellen, dass wir quasi an unserer Existenz zweifeln.

"Wir wissen nicht, ob sie bösartig oder gutartig sind"

Kassel: Erstaunlich ist ja, dass in Filmen und Fernsehserien oft – nicht immer, aber Sie beschreiben das ja auch in Ihrem Buch doch sehr oft – Außerirdische als feindselig, als Bedrohung dargestellt werden. Ich hab aber das Gefühl, in der Realität, bei dieser Suche – wir haben ja diese Woche über das Seti-Projekt gesprochen, über das Plato-Projekt auch erst – bei der Suche gehen wir Menschen eigentlich immer davon aus, dass wir auf freundliche Gestalten stoßen. Das ist doch ein erstaunlicher Widerspruch, oder?

Gerritzen: Das ist ein großer Widerspruch in dem Sinne, dass eigentlich diese ganze Konzeption von Außerirdischen, die ist ja im Laufe der Jahrtausende in unseren Köpfen entstanden. Es fing ja an mit Engeln und Teufeln – das, was damals Engel und Teufel waren, sind heute halt Außerirdische, böse Außerirdische, gute Außerirdische. Und eigentlich gibt es überhaupt keine Grauzone bei dieser ganzen Debatte. Das schlägt sich ja auch zum Beispiel in diesen vielen Hollywoodfilmen wieder, die wir ansehen können, "Independence Day", "Alien" und so weiter, oder eben auch der gute E.T. Da sieht man schon, dass wir schwarz und weiß in unseren Köpfen haben, und ich denke, das wird bei einem Erstkontakt eine sehr, sehr große Rolle spielen, wie wir halt darauf reagieren werden.

Wie werden wir beim Erstkontakt mit Außerirdischen reagieren? Der Film "E.T." schlägt Blumen mit Küsschen vor. (dpa picture alliance)Wie werden wir beim Erstkontakt mit Außerirdischen reagieren? Der Filmklassiker "E.T." schlägt Blumen mit Küsschen vor. (dpa picture alliance)

Kassel: Im Grunde genommen sind doch viele Science-Fiction-Darstellungen, ob nun in Büchern oder Filmen, Fabeln, weil wenn man ehrlich ist, schreiben wir doch Außerirdischen im Grunde genommen immer gewisse menschliche Eigenschaften zu, oder wir glauben zumindest, dass die das gleiche Konzept von Gut und Böse, von Friedlich und Kriegerisch haben wie wir.

Gerritzen: Ja, das sind alles anthropozentrische Denkweisen, würde ich jetzt mal sagen, wo wir unsere Denkweise auf Außerirdische extrapolieren. Wir wissen ja nicht, wie sie sind. Wir wissen nicht, ob sie bösartig oder gutartig sind. Wir hoffen halt, dass sie so ähnlich sind wie wir, aber wenn wir genau uns mal vorstellen, wenn sie so wären wie wir, ich glaube nicht, dass das so gut wäre, weil wir haben ja auch einige aggressive Tendenzen bei bestimmten Konflikten, und ich glaube nicht, dass das wirklich sehr hilfreich beim Kontakt wäre, wenn sie uns ähneln.

"Außerirdische Raumschiffe könnten winzig klein sein"

Kassel: Dieser Erstkontakt, wie stellen Sie sich den denn am realistischsten vor, so wie in manchen Filmen, dass riesige Raumschiffe unter greller Beleuchtung irgendwo in der Nähe von New York landen oder eher, dass die ganz geheim so bei uns ankommen, dass es erst mal gar nicht leicht zu merken ist?

Gerritzen: Wenn Sie jetzt den physischen Kontakt meinen, dann glaube ich eher nicht daran, dass gigantische Raumschiffe über den Metropolen schweben wie bei " Independence Day" zum Beispiel gezeigt. Ich glaube eher, dann würde es so aussehen, dass kleine Sonden, die vielleicht Jahrmillionen lang in der Galaxis unterwegs waren, unseren kleinen Planeten Erde finden und unsere Radiosignale auffangen und dann eben hier vielleicht abstürzen oder landen oder in einen Erdorbit einschwenken. Und dann würden vielleicht Astronauten rausfliegen, diese Sonde untersuchen und dann versuchen, Informationen aus diesen ganzen neuen Erkenntnissen herauszuziehen, was, wenn ich ehrlich bin, sehr schwierig sein dürfte, weil wir wissen nicht, wer diese Sonde gebaut hat, wir wissen nicht, zu welchem Zweck sie hier wäre, wir könnten noch nicht mal Schriftzeichen entziffern.

Das heißt, die Außerirdischen müssten uns also Informationen an die Hand geben, wie wir Menschen oder andere intelligente Lebewesen im All diese Sonde behandeln. Ich glaube persönlich, dass das ein wahrscheinlicheres Szenario wäre als große Raumschiffe, die hier offen landen und den offenen Kontakt suchen. Die Reaktion darauf wäre auch vielleicht eine andere, es könnte sein, dass eben keine Panik entsteht, wie beispielsweise bei "Independence Day" gezeigt, sondern dass die Informationen über den Erstkontakt eben langsam an die Öffentlichkeit durchsickern.

Kassel: Aber das ist ja eine interessante Frage mit dem Langsam-durchsickern. Ich bin wirklich kein Esoteriker und kein Anhänger von Verschwörungstheorien, aber gerade, als ich gehört habe, wie Sie so einen möglichen Erstkontakt beschrieben haben mit Sonden und Ähnlichem, da geht mir schon durch den Kopf: Würden Sie denn 100-prozentig ausschließen, dass die nicht vielleicht schon irgendwie da waren und wir wissen es bloß nicht?

Gerritzen: Ja, also ich glaube, dass es durchaus möglich ist, dass sie schon hier sein könnten. Im Rahmen von Seta, der Suche nach außerirdischen Artefakten, wird beispielsweise diskutiert, dass Außerirdische Raumschiffe so klein, so winzig konstruieren könnten, dass sie so groß wären wie Nanopartikel, also auf Millimeter oder noch kleinere Dimensionen geschrumpft, die dann interstellare Reisen unternehmen und dann irgendwann vielleicht als Schwarm hier auf der Erde ankommen würden. Wir würden diese kleinsten Teilchen, die kleinsten Raumschiffe überhaupt nicht wahrnehmen. Sie könnten uns unerkannt beobachten, zu welchem Zweck auch immer, und wir würden davon überhaupt nichts merken. Ich glaube, dass so was durchaus schon längst passiert, ja, ganz ehrlich.

"Die Reaktion der Menschen könnte dramatisch ausfallen"

Kassel: Herr Gerritzen, wir haben uns jetzt eher darüber unterhalten, was könnte das für uns bedeuten, je nachdem wie die sich, wenn sie sich doch mal zu erkennen geben, uns gegenüber benehmen. Die Frage ist natürlich auch, wie werden wir uns ihnen gegenüber benehmen, und ich hab ehrlich gesagt nach dem Lesen Ihres Buches "Erstkontakt" das Gefühl, egal wie Staatenorganisationen damit umgehen, es ist fast nicht zu vermeiden, dass so eine Ankunft von außerirdischen Lebensformen auf der Erde unter uns Menschen für Panik sorgt, oder?

Gerritzen: Ich kann mir schon vorstellen, dass die bloße Information, dass wir nicht mehr allein sind und dass sie sogar hier im Sonnensystem oder innerhalb des Mondorbits oder sogar auf der Erde sind, für einige Unruhe sorgen würde. Es kommt drauf an, welche Informationen wir durch diesen Erstkontakt von den Außerirdischen ableiten. Vielleicht gibt's eine Kommunikation. Wenn beispielsweise der erste Eindruck von den Außerirdischen eher so ist, dass wir Bilder sehen, die beispielsweise spinnenähnliche, schlangenähnliche, reptilienähnliche Außerirdische zeigen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass die Reaktion der Menschen schon recht dramatisch ausfallen würde.

Kassel: Ich stelle Ihnen zum Schluss jetzt die gleiche Frage wie am Anfang, aber ich finde, sie ist ein bisschen anders durch das, was wir jetzt alles besprochen haben. Ganz persönlich, es ist ja eines Ihrer Lebensthemen, diese Frage, gibt es außerirdische Intelligenz und wird sie uns erreichen oder hat sie vielleicht schon: Bei all den Problemen, die damit verbunden sind, sagen Sie, es ist schon mein Lebenstraum, das wirklich noch zu erleben, bewusst, vielleicht persönlich, so einer Form des Lebens zu begegnen, oder sagen Sie, na ja, eigentlich hab ich Glück gehabt, wenn mir das nicht mehr passiert in meinem Leben?

Gerritzen: Das ist eine gute Frage. In mir drin gibt's natürlich schon die Sehnsucht nach der Antwort auf die Frage, ob wir allein sind, aber ganz ehrlich, nach all der ganzen Zeit und in den Jahren, in denen ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es, glaube ich, eher besser für uns wäre, wenn uns der Kontakt erspart bliebe oder zumindest noch sehr lange weit in der Zukunft liegt.

Kassel: Sagt Daniel Gerritzen, der Gründer des Forschungsnetzwerks Extraterrestrische Intelligenz, in unserer Serie "Ferne Welten", die Sie auch im Internet finden unter deutschlandfunkkultur.de.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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