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Fazit | Beitrag vom 10.01.2021

Selbstverwaltetes Projekt in HeidelbergEin Wohnheim bauen in Eigenregie

Franziska Meier im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Die Projektgruppe des Collegium Academicum. (Johannes Roßnagel)
Diese Studierenden wollen bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum in Heidelberg schaffen. (Johannes Roßnagel)

Seit 2013 kämpft der Verein Collegium Academicum für ein besonderes Projekt: Sie wollen ein selbst verwaltetes Studierendenwohnheim in Heidelberg bauen. Der Kampf hat sich gelohnt, denn Ende des Jahres werden die ersten Wohnungen bezugsfertig sein.

Seit 2013 arbeitet Franziska Meier mit ihren früheren Mitbewohnern daran, in Heidelberg selbst verwalteten Wohnraum für über 200 Studierende und Auszubildende zu schaffen – zu einem fairen Mietpreis. Das Projekt Collegium Academicum will Freiräume schaffen, wie die Historikerin erklärt. 

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"Letzten Endes hat das aber sehr, sehr lange gedauert, nicht unbedingt das Konzept auszuarbeiten, aber die Flächen zu finden, die Finanzierung aufzustellen und die ganze Planung voranzutreiben", erklärt sie. Als Franziska Meier mit ihren Freundinnen und Freunden das Projekt startete, gingen alle noch zur Uni.

Baustelle des Collegium Academicum. (Uli Hillenbrand)Auf diesem Gelände entsteht das neue Wohnheim des Collegium Academicum. (Uli Hillenbrand)
Seit letztem Jahr wird nun endlich auf dem Gelände eines früheren Militärkrankenhauses der US-Armee im Süden von Heidelberg gebaut. Ende 2021 sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein, wie Meier erklärt. Dann sollen noch zwei Altbauten saniert werden. Doch bislang steht nur die Finanzierung für den Neubau.

2,5 Millionen Euro private Darlehen eingeworben

"Wir haben keine tiefen Taschen", sagt Meier, "dementsprechend mussten wir viele Klinken putzen". Dabei habe man viel Unterstützung aus der Bevölkerung erfahren, sagt sie. Das bedeutet: Die Gruppe konnte über 2,5 Millionen Euro an Direktkrediten, also privaten Darlehen, einwerben. "Und auf dieser Grundlage konnten wir bei einer Bank einen Kredit aufnehmen", so Meier.

Daneben konnten die Studierenden Fördermittel vom Bund, vom Land und von der Stadt Heidelberg akquirieren. Wenn der Neubau fertig ist, geht der gesamte Prozess der Finanzierung von vorne los.

Ein Bild von der Baustelle. Die Primärkonstruktion des Neubaus ist komplett aus Holz. (Uli Hillenbrand)Hier sieht man die Primärkonstruktion des Neubaus. Sie ist komplett aus Holz. (Uli Hillenbrand)

Bei der Architektur hat man auf Nachhaltigkeit geachtet. So ist der Neubau in der Primärkonstruktion komplett aus Holz, eine Fotovoltaikanlage, ein Passivhaus und die Nutzung von Regenwasser sind geplant.

Es geht aber auch um Fragen des Teilens. Das Projekt ist ähnlich aufgebaut wie eine Genossenschaft, wie Meier erklärt, nur hält niemand Anteile daran.

Wie groß muss der Privatraum sein?

Es geht aber auch um das Teilen von Räumen. Deswegen ist die Architektur innen sehr flexibel, wie Meier erklärt: Man kann Räume vergrößern und verkleinern und so mehr oder weniger Gemeinschaftsfläche schaffen, "ganz flexibel nach den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner".

Franziska Meier auf der Baustelle des Collegium Academicum in Heidelberg. (Uli Hillenbrand)Franziska Meier auf der Baustelle des Collegium Academicum in Heidelberg. (Uli Hillenbrand)
Franziska Meier wird, wie viele Weitere, die bei der Planung und Umsetzung von Anfang an mit dabei waren, gar nicht mehr selbst einziehen. Die Wohnungen sind für Menschen gedacht, die sich noch im Studium oder in Ausbildung befinden. Meier promoviert gerade in Geschichte.

(ckr)

Um die Wohnungen kann man sich auf der Homepage des Collegium Academicum bewerben.

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