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Tonart | Beitrag vom 24.06.2020

Sehnsucht nach GesangCorona und die Chöre - eine Zwischenbilanz

Kai-Uwe Jirka im Gespräch mit Mathias Mauersberger

Mitglieder des Staats- und Domchors an der Universität der Künste Berlin singen im Berliner Dom. (Johannes Jost)
Ist das Singen auch unter Coronabedingungen möglich? Der Leiter des Staats- und Domchor an der Universität der Künste Berlin sagt: ja. (Johannes Jost)

Seit Corona sind die meisten Chöre verstummt, zu hoch ist das Ansteckungsrisiko. Es gebe aber durchaus Möglichkeiten, sicher zu singen, sagt der Berliner Chorleiter Kai-Uwe Jirka, und sieht auch die Politik in der Pflicht.

Ob das Singen im Chor tatsächlich gefährlicher sei als der Gang ins Theater, könne er nicht beurteilen, sagt Kai-Uwe Jirka, er sei schließlich kein Wissenschaftler. Dass das Singen aber unter Beachtung gewisser Regeln möglich und auch sinnvoll sei, da ist er sich sicher.

Jirka ist seit 2002 Professor für Chorleitung und Leiter des Staats- und Domchors an der Universität der Künste Berlin, außerdem ist er künstlerischer Leiter der Sing-Akademie zu Berlin. In der Hauptstadt, so hat es der Senat nun beschlossen, bleibt das Chorsingen in geschlossenen Räumen weiterhin verboten. Eine Entscheidung, die Jirka stark kritisiert:

"Das zerstört Kultur und für mich das Allerschlimmste in einer Stadt wie Berlin, die die Singakademie zu Berlin als ersten gemischten Chor der Welt überhaupt hat, die mit dem Staats- und Domchor und vielen anderen Chören herausragende Klangensembles hat, dass kein einziges Fenster gezeigt wird, wie es denn geht."

Die Politik soll den Chören entgegenkommen

Die Berliner Chöre, so Jirka, seien mit den Einschränkungen vorsichtig und kreativ umgegangen. Hätten etwa in Kleingruppen und mit Abstand im Freien geprobt oder digital. Auch Auftritte vor Altenheimen habe es gegeben.

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Den Berliner Senat fordert er nun auf, sich für die Chöre einzusetzen, um Proben und auch Auftritte wieder leichter möglich zu machen, Konzepte dafür gebe es bereits, sagt Jirka.

"Der Senat hätte ja zumindest die Möglichkeit gehabt, wenn er sagt, ihr dürft nur noch draußen proben, Gelände zur Verfügung zu stellen, das Rote Rathaus, den Innenhof zu öffnen, die Bauabteilung des Senates aufzufordern, flexible Freiluftbühnen zu bauen. Irgendetwas."

Protest mit dem dreigestrichenen C

Dafür werde Jirka sich einsetzen. Und er sei mit seinem Engagement nicht alleine, da ist er sich sicher. Es gebe viele Sängerinnen und Sänger in Berlin:

"Ich denke, dass der erste Flashmob organisiert wird, und ich kann nur sagen, wenn 100 Knaben das dreigestrichene C zusammen singen, und das können sie, das können sie lange und laut. Dann werden sie gehört.

Wir sind zwar nicht ganz so laut wie die Traktoren, aber ich muss noch mal sagen bei aller Diskussion über die Abstände und über die Wissenschaftlichkeit: Das emotionale Momente des Singens, die Notwendigkeit als Lebens- und Kulturäußerung, das ist etwas, was uns von anderen Bereichen abhebt und wo ich mir etwas mehr Differenzierung wünsche."

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