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Radiofeuilleton - Kino und Film / Archiv | Beitrag vom 30.03.2014

Science-FictionApokalypse! Revolution!

"Snowpiercer" des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon Ho

Von Anke Leweke

Zeichner Jean-Marc Rochette (v. l. n. r.), Schriftsteller Benjamin Legrand, Schauspielerin Tilda Swinton, Regisseur Bong Joon-ho und Schauspieler Tomas Lemarquis bei der Premiere von "Snowpiercer / Schneekreuzer" beim American Film Festival in Deauville (picture-alliance / dpa / Etienne Laurent)
Zeichner Jean-Marc Rochette (v. l. n. r.), Schriftsteller Benjamin Legrand, Schauspielerin Tilda Swinton, Regisseur Bong Joon-ho und Schauspieler Tomas Lemarquis bei der Premiere von "Snowpiercer" beim American Film Festival in Deauville (picture-alliance / dpa / Etienne Laurent)

Der Film ist Action-Avantgarde und Gesellschaftssatire in eimen. Nach dem Weltuntergang tobt in einem rasenden Zug der Klassenkampf. Tilda Swinton führt als Generalin Mason die Fratzenhaftigkeit der Herrschenden überzeugend vor.

Alle Versuche, die globale Erwärmung zu stoppen sind gescheitert. Die Erde ist in einer neuen Eiszeit versunken. Die wenigen Überlebenden retten sich in einen 650 Meter langen Zug, den Titel gebenden "Snowpiercer". Er rast während des Jahres einmal rund um die Erdkugel. Er ist immer in Bewegung, denn bei einem Halt würden seine Räder festfrieren, würde seine komplexe Maschinerie zum Erliegen kommen, was den Kältetod aller Passagiere zur Folge hätte.

Die Geschwindigkeit des Zuges gibt denn auch den Rhythmus der atemlosen Filmhandlung vor. In diesem futuristischen Setting wird die gute alte Geschichte einer Rebellion erzählt. "Snowpiercer" ist eine wilde Mischung aus Actionspektakel und Gesellschaftssatire.

Auch nach der Apokalypse tobt der Kampf zwischen Oben und Unten. Auch im Zug ist die Welt eine Klassengesellschaft. Am Zugende haust man unter menschenunwürdigen Bedingungen: kein fließendes Wasser, keine Gesundheitsversorgung, primitivste Ernährung, während man in den vorderen Waggons ins Saus und Braus lebt. Und schon befinden wir uns mit der dritten Klasse mitten im Aufstand.

Action ohne Heldenpathos

Die Revolte, von der "Snowpiercer" erzählt, kennt nur eine Richtung. Die Rebellen müssen zur Zugspitze, in die erste Klasse vordringen, um das Steuer selbst in die Hand zu nehmen, um für gerechte Verhältnisse zu sorgen. Virtuos wird die Action auf engstem Raum inszeniert, die Gewalt gleichzeitig ins Groteske überführt, sodass die Macht der Herrschenden sich in ihrer ganzen Fratzenhaftigkeit offenbart. Gestalt nimmt sie in der Figur der von Tilda Swinton gespielten Generalin Mason an. Im militärischen Tonfall erklärt sie den Rebellen, welche gnadenlosen Strafen sie erwarten. Etwa das Erfrieren einzelner Körperteile.

Das Besondere an "Snowpiercer" ist, dass dieser Film nicht nach konventionellen Actionregeln funktioniert. Es gibt kein Heldenpathos! Ohne Rücksicht auf die Zuschauer muss ein Sympathieträger nach dem anderen dran glauben. Auch kennt die Gewalt keine Altersgrenzen. Gleichzeitig ist "Snowpiercer" eine exzentrische Science-Fiction-Fantasie, der es gelingt, in den Decors der plastisch ausgemalten Zugwelten auch von den Auswüchsen unserer Gegenwart zu erzählen.

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