Freispiel, vom 15.04.2021, 22:30 Uhr

SchwerpunktTrauerarbeit

Wie umgehen mit Tod und Trauer? (Unsplash/ kilarov zaneit)
Wie umgehen mit Tod und Trauer? (Unsplash/ kilarov zaneit)

"Nur unter Bedingungen, unter denen der Verlust 
von Bedeutung sein wird, zeigt sich der Wert des Lebens. 
Die Betrauerbarkeit (grievability) ist also eine Vorbedingung 
für Leben, das eine Bedeutung hat." 
Judith Butler

Betritt man den Raum der Beschäftigung mit dem Tod und dem Sterben, fällt heute oft der auf Freud zurückgehende Begriff der "Trauerarbeit". Hiermit ist gemeint, dass eine Auseinandersetzung mit dem Tod eines geliebten Menschen nötig ist, um den schmerzlichen Verlust zu verarbeiten. Der Begriff betont die Anstrengungen und den Aufwand, der mit dieser aktiven Tätigkeit verbunden ist. Diese "Trauerarbeit", die vermutlich jede Person in ihrem Leben früher oder später ausführen wird, hat auch eine soziale Dimension, die oft in kulturellen Ritualen stattfindet. Rituale können sich im Laufe der Zeit verändern und werden von den Menschen einer Gesellschaft an sich wandelnde Bedürfnisse und Umstände angepasst. Dazu gehört die reflexive, diskursive und künstlerische Auseinandersetzung mit den Praktiken des Trauerns. Wie sich in klassischen Medien sowie in popkulturellen Kontexten zeigt, gibt es eine lebendige Beschäftigung mit dem Thema auf unterschiedlichen Ebenen, sei es in aktuellen Podcasts oder Serien, in Sachbüchern oder Kolumnen. Diese Formate thematisieren auf niedrigschwellige Weise typische Fehlannahmen zum Umgang mit Trauer oder weit verbreitete Wissenslücken zum gesetzlich festgeschriebenen Anspruch auf Palliativversorgung. Auch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Februar 2020 zum Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben macht das Gespräch über den Umgang mit dem Tod notwendig. Diese Entscheidung setzte einen neuen Rahmen, dessen konkrete Ausgestaltung noch vor uns liegt. Es gibt also weiterhin viel zu besprechen. Unsere Hörspiel-Ursendung "Gespenster" vom Theaterkollektiv Markus&Markus stellt uns in diesem Kontext auch vor die Frage nach dem Verhältnis von Kunst, Leben und Sterben. Die Hörstücke in diesem Schwerpunkt sollen einen Beitrag leisten zu dem bereits differenziert geführten Gespräch über "Trauerarbeit" und dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Tod.

Doku-Hörspiel über Sterbehilfe: "Gespenster"

Feature über ein Trauerritual: "Zwei Seiten leben. Drei Trauerredner"

Hörspielgroteske über Tod und Wissenschaft: "Der sich langsam etwas seltsam entwickelnde Kongress der Thanatologen"

Hörspiel von Noam Brusilovsky nach Leo Tolstoi: "Der Tod des Iwan Iljitsch – Sterben in Bern"

Feature über selbstbestimmtes Sterben: "Ich dank dir für die Zyt"

Krimi-Hörspiel nach dem Roman von Friedrich Ani: "Der namenlose Tag"

Komposition für Stimme, Percussion und Elektronik: "Consolamini"

Mehr zum Thema:

Hintergrund: Die Kontroverse um den assistierten Suizid

Hörsaal: Philosophie und Ethik des Sterbens

Mikrokosmos: Sterben auf Probe

Zeitfragen: Ist der Tod berechenbar?

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