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In Concert / Archiv | Beitrag vom 19.11.2018

Schweizer Liedermacher Faber & BandPunkig-poetische Brachialsongs

Moderation: Holger Beythien

Faber mit seiner Band beim Rudolstadt-Festival 2018 (Matthias Kimpel)
Faber mit seiner Band beim Rudolstadt-Festival 2018 (Matthias Kimpel)

Noch bevor Faber im vergangenen Jahr sein Debütalbum veröffentlichte, avancierte er zum Liebling des Feuilletons. Und das zu Recht, wie man vor allem auf seinen Konzerten feststellen kann.

Faber ist Punk. Vielleicht weniger in seiner Musik, als in seinen Texten. Verstörend zuweilen und nicht jedermanns Sache, wie der junge Liedermacher aus Zürich einen (vermeintlichen oder tatsächlichen) Tabubruch nach dem anderen begeht. Und wer dann anfängt, die provokanten Wortspiele, Floskeln und Sprachbilder auf ihren Bezug zur Realität abzuklopfen, der kommt schnell unter die Räder des fauchenden Faber-Zuges.

Sachen andersrum drehen

Er wolle mit seinen Texten nicht einfach klare Gefühle abrufen, sagte er einmal in einem Interview mit dem "Tagesanzeiger" aus Zürich. "Mir macht es Spaß, Sachen andersrum zu drehen. Klar ist es schön zu sagen: ‚Wenn Du gefallen bist, helfe ich dir auf die Beine.’ Aber meistens ist es doch so, dass jemand, der am Boden ist, erstmal am Boden bleibt. Und weil das so ist, muss man es eben auch aushalten, dass genau das auch gesagt wird. Allerdings mag es bei mir dann wiederum in die andere Richtung gelogen sein. Denn ganz so schlimm, wie es manchmal in meinen Stücken klingt, ist es dann auch nicht."

Dabei ist der 1983 in Zürich als Sohn des sizilianischen Cantatore Pippo Pollina geborene Julian Pollina ein ungemein ernst zu nehmender Singer/Songwriter. Einer, der von vornherein wusste, dass er nach der Schule (einem Musikgymnasium) Musiker werden wollte. Der sich zunächst nicht zu fein war, in italienischen Restaurants und auf Festen mit nachgesungen italienischen Evergreens und Stimmungsmusik aufzutreten. Der das große Glück hatte, 2013 von Sophie Hunger, sozusagen vom Fleck weg, als Support einer größeren Tournee mitgenommen zu werden, sich seitdem Faber nennt und selbst nicht weiß, warum.

Ein hellwacher Querdenker

Spätestens seit dem Debütalbum "Sei ein Faber im Wind" eroberte er mit seinen keinem Klischee entsprechenden Liedern die deutschsprachige Popmusik- und Liederwelt quasi über Nacht. Ein hellwacher Querdenker, der sich einen Teufel darum schert, ob seine Songs nun nach Leonard Cohen, Tom Waits oder Element of Crime klingen, ob sie sich bei Klezmer, Balkanbeat, Rock oder Folk bedienen. Unverwechselbar und überraschend sind Fabers Songs allemal.

Aufzeichnung vom 08.07.2018
Rudolstadt, Konzertbühne

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