Seit 20:03 Uhr Konzert

Mittwoch, 13.11.2019
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Studio 9 | Beitrag vom 30.10.2019

Schwarze Models in der Zeitschrift "Elle"Warum Schwarzsein kein Trend ist

Von Robin Droemer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Naomi Campbell im Profil, daneben die Worte "Here to stay". (imago images/Starface)
"We are here to STAY": Dieses klare Statement twitterte Naomi Campbell als Reaktion auf den Titel der Elle. (imago images/Starface)

Sogar Supermodel Naomi Campbell empört sich über die Zeitschrift "Elle". Ihr Vorwurf: Das Heft degradiere schwarze Haut zur Mode. Das Magazin hat sich bereits entschuldigt. So richtig verstanden aber haben die Macher dort noch nichts.

"Back to black: Schwarz ist wieder da!" So lautet der Titel der aktuelle Ausgabe des Modemagazins "Elle". Es ist ein Titel, der im Netz für viel Empörung gesorgt hat. Denn unter dieser Überschrift stellt das Heft nicht nur angesagte Klamotten vor, sondern auch sechs erfolgreiche Models mit dunkler Hautfarbe. Und nicht nur das: Das Magazin hat auch noch den Steckbrief des schwarzen Models Janaye Furman mit einem ganz anderen Model bebildert, nämlich mit Naomi Chin Wing. 

Auf viele Leser wirkt das, als solle schwarze Hautfarbe jetzt auch ein Trend sein. Als wäre schwarze Hautfarbe nichts anderes als eine hippe Bomberjacke. Doch dunkle Haut kann man nicht einfach an- und ausziehen –  je nachdem, ob sie zum Anlass passt. Schwarze Menschen sind jeden Tag schwarz. Und sie spüren jeden Tag, wie es sich anfühlt, nur aufgrund seiner oder ihrer Hautfarbe auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen und eingeordnet zu werden. 

Sehr, sehr plump

Auch die Verwechslung des Fotos ist verletzend, nicht nur den Models gegenüber. Es entsteht der Eindruck, als hätte die Zeitschrift beliebig schwarze Models zeigen wollen und keinen Wert auf ihre Identitäten gelegt. Ganz nach dem Motto: 'Lass uns doch mal ein paar Schwarze ins Heft nehmen, egal wen, denn die sind ja eh alle irgendwie gleich'.

Sicherlich sollte man dem Magazin keine böse Absicht unterstellen. Aber es bleibt ein Beitrag, der schlichtweg sehr, sehr plump und nicht respektvoll ist. Die "Elle" hat inzwischen ein Statement mit einer Entschuldigung auf ihrer Webseite veröffentlicht. Leider merkt man an der Entschuldigung selbst erneut, dass die Zeitschrift nichts verstanden hat. Dort steht, dass sie in ihrer aktuellen Ausgabe "die Farbe Schwarz von allen Seiten beleuchten" wolle. Ganz offensichtlich verstehen die Verantwortlichen nicht, dass es bei der Bezeichnung einer Person als weiß oder schwarz nie bloß um eine Farbe geht.

Ein blonder Mann aus Schweden mit heller Haut wird genauso als weiß bezeichnet wie ein Mann aus Südspanien mit viel dunklerer Haut. Andersherum wird jemand mit einem Schwarzen und einem weißen Elternteil in unserer Gesellschaft Schwarz genannt, auch wenn seine Haut vergleichsweise hell sein kann. Schwarz als Bezeichnung für Personen meint nie die exakte Farbe der Haut – genauso wenig wie bei weißen Personen, die farblich ja auch nicht weiß sind. Ich habe als Kind immer eher den Rosa-Stift genommen, um weiße Menschen zu malen, nicht Tipp-Ex.

Politische Dimension des Wortes verkannt

Schwarz zu sein heißt, Teil einer Gruppe zu sein, die von der Mehrheitsgesellschaft auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen wird. Es geht um diese Erfahrungen, die Schwarze Menschen teilen. Die "Elle" hat diese politische Dimension des Wortes "Schwarz" nicht verstanden. Ihr Einsatz für Vielfalt wirkt deswegen auf mich wie Heuchelei.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der Modezeitschrift "Vogue". Deren deutsche Webseite versuche schon seit dem Sommer dieses Jahres aktiv nachzuholen, was eigentlich schon viel früher hätte stattfinden müssen: Schwarze Menschen als Teil der Gesellschaft wirklich zu repräsentieren. Nicht kurzzeitig als Trend, sondern als dauerhafte, gleichwertige Mitglieder der Branche und der deutschen Gesellschaft.

Dafür müssen zuallererst Redaktionen vielfältiger gestaltet werden. So dass nicht mehr nur über schwarze Menschen geredet wird, sondern dass sie selbst zu Wort kommen und ihre Lebenswelt und Erfahrungen, auch die Rassismuserfahrungen, angemessen abgebildet werden. Magazine, die so eine große Reichweite haben wie die "Elle", sollten diese dazu nutzen und ihrer Verantwortung als Medien gerecht werden.

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur