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Lesart / Archiv | Beitrag vom 11.10.2016

Schwarze Kunst, Literatur und MusikBack to Black

Von Fabian Wolff

Eine Ausgabe des Comics "Luke Cage", dessen Protagonist ein Schwarzer ist. Damit ist Luke Cage der erste schwarze Superheld. Das Comic ist jetzt von Netflix adaptiert worden (imago/ZUMA Press)
Die Netflix-Serie ist die Adaption eines gezeichneten Comics (imago/ZUMA Press)

"Luke Cage" ist ein schwarzer Superheld und gleichzeitig der Titelheld einer neuen Netflix-Serie. Die Serie steht exemplarisch für ein neues Bewusstsein für schwarze Kunst, Literatur und Musik.

Luke Cage ist nicht nur schwarz und unverwundbar, er ist auch ein Büchernarr: Wenn er nicht gerade Verbrechen in den Straßen von Harlem bekämpft, liest der Superheld Ralph Ellison und Walter Mosley. Die Netflix-Serie, die seinen Namen trägt, spielt nicht nur auf Hip-Hop und Gangsterfilme an, sondern enthält auch viele Referenzen an die Geschichte afro-amerikanischer Literatur.

Die Autorin Tara Betts hat anhand der Serie eine eigene Leseliste erstellt. Auf ihr sind der schwarze Krimiautor Walter Mosley und Dichter der Harlem Renaissance genauso vertreten wie historische Studien über die Entstehung von Hip-Hop in den Trümmern der brennenden Bronx, die soziale Bedeutung von Friseursalons als Treffpunkt in schwarzen Nachbarschaften und Studien über Experimente an schwarzen Gefängnisinsassen. Sie hat einen schwarzen Kanon geschaffen, der die Geschichte des schwarzen Amerikas der letzten 100 Jahre berührt.

Kein Gegenkanon, sondern eine parallele Ästhetik 

Exemplarisch für dieses neue Geschichtsbewusstsein ist nicht nur die Netflix-Serie, sondern auch der schwarze Essayist Ta-Nehisi Coates, der in Artikeln und Büchern die historischen Wurzeln von Rassismus und Marginalisierung in politischer Praxis und psychologischer Realität verortet. Dafür bedient er sich historischer und soziologischer Studien, die manchmal selbst schon wieder Teil dieser Geschichte sind. Der Grundsatz: Wir wussten das alles schon mal. Coates zieht dieses Wissen wieder an die Oberfläche.

Diese ideengeschichtliche Ausgrabung zeigt, wie die Probleme von heute im Gestern bedingt sind und nur ein Bewusstsein dafür kann sie überwinden. Dieser schwarze Kanon ist kein Gegenkanon, sondern eine parallele Geschichte, eine parallele Ästhetik. Auch damit spielt "Luke Cage”: ein traditionell weißes Genre wie die Superhelden-Serie wird zum Referenzfeuerwerk auf schwarze Kunst, Literatur und Musik.

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