Seit 23:05 Uhr Fazit
Donnerstag, 04.03.2021
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Kompressor | Beitrag vom 02.10.2020

Schwarze Künstler*innen in DeutschlandWer war Rasha, die schwarze Taube?

Tmnit Zere im Gespräch mit Christine Watty

Beitrag hören Podcast abonnieren
Porträt einer schwarzen Frau mit einem weißen Mann. (Christian-Schad-Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst Bonn / DACS London 2020)
Portrait ohne Namen: "Rasha, die schwarze Taube" hat bei Maler Christian Schad keinen Nachnamen. (Christian-Schad-Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst Bonn / DACS London 2020)

Die Geschichte schwarzer Künstler*innen in Deutschland ist voller Leerstellen. Ein Festival im Berliner Theater Hebbel am Ufer will sie von den "Rändern der Archive" in die Öffentlichkeit holen.

"Agosta, der Flügelmensch und Rasha, die schwarze Taube", heißt ein Bild des Malers Christian Schad aus dem Jahr 1929. Schad porträtierte oft Außenseiter der Gesellschaft. "Rasha" wurde in Madagaskar geboren, ist Schauspielerin, kam irgendwann nach Deutschland und trat mit ihrem weißen Ehemann auf einem Berliner Marktplatz auf – mit einer Boa constrictor. Mehr ist über sie nicht bekannt.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Es sind Leerstellen und Geschichten wie diese, auf die das Festival "Radical Mutation: On the Ruins of Rising Suns" am Berliner Theater Hebbel am Ufer aufmerksam machen will. Geschichten "an den Rändern des Archivs", wie sie Tmnit Zere, eine der Kuratorinnen, nennt.

Ein Porträt ohne Nachnamen

Bei der Recherche hätten sie sich gefragt, wie es schwarzen Schauspieler*innen und Künstler*innen während der Weimarer Republik ergangen sei. Doch die Informationen über Rasha und andere seien "sehr lückenhaft".

"Was wir so bezeichnend fanden, war diese Leerstelle: Dass Christian Schad sie mehrmals zu sich ins Studio eingeladen hat, um dieses Porträt zu machen, aber es nie geschafft hat, ihren vollen Namen zu dokumentieren."

Mit ihrer Arbeit wollen Zere und die anderen Kurator*innen Geschichten wie diese "fokussieren und in die Gegenwart bringen".

Porträt einer schwarzen Frau mit einem weißen Mann. (Christian-Schad-Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst Bonn / DACS London 2020)"Agosta, the Pigeon-Chested Man, and Rasha, the Black Dove" von Christian Schad (1929) (Christian-Schad-Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst Bonn / DACS London 2020)

Raum für komplexe Geschichten

Gerade im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung sei es wichtig, einen Schritt zurückzugehen und zu schauen, wann sich schwarze Menschen bereits mit Rassismus künstlerisch auseinandergesetzt hätten und wie sie sich organisiert hätten.

Außerdem gehe es auf dem Festival um die Frage, wie das Theater die Geschichten von schwarzen Menschen erzählen könne – ohne stereotype Zuschreibungen: "Sich diesen Freiraum zu erarbeiten, auch komplexe Themen und Geschichten zu erzählen, das ist das, was wir versuchen", sagt Zere.

Radical Mutation: On the Ruins of Rising Suns
Hebbel am Ufer, Berlin
23.9. bis 4.10.2020

(sed)

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur