Dienstag, 25.06.2019
 

Interview | Beitrag vom 09.02.2019

Schutzsystem gegen FälscherEin Barcode für mehr Medikamentensicherheit

Gerd Glaeske im Gespräch mit Ute Welty

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Eine Hand mit einer gelben Dose Tabletten vor einem Barcode-Scanner. (imago/Science Photo Library)
Rezeptpflichtige Arzneien müssen nun neue Sicherheitsmerkmale tragen. (imago/Science Photo Library)

Manipulierte Arzneimittel sind ein Millionengeschäft. Ein neues Scanner-Schutzsystem hilft, gefälschte Medikamente zu erkennen. Panschern in Apotheken könne man damit allerdings nicht das Handwerk legen, sagt der Gesundheitsforscher Gerd Glaeske.

Manipulierte Medikamente gelangen nur selten in die Apotheke - doch dann können die Gesundheitsschäden bei Patienten groß sein. Mit  solchen gefälschten Arzneimitteln verdienen Kriminelle viele Millionen.

Am heutigen Samstag ist  ein neues Schutzsystem in Europa an den Start gegangen, das Sicherheitsmerkmale für Arzneien vorschreibt. Rezeptpflichtige Mittel müssen dann von Herstellerseite einen Barcode auf der Verpackung tragen, mit dem sich in der Apotheke per Scan – in Gegenwart des Kunden - die Echtheit überprüfen lässt. Zudem soll ein Siegeletikett garantieren, dass Schachteln nicht schon aufgemacht oder Pillen umverpackt wurden.

Der End-to-End-Code ist sinnvoll

Der Gesundheitsforscher, Gerd Glaeske, Professor am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen,  hält einen solchen End-to-End-Code für sehr sinnvoll und hilfreich.

Der Bremer GesundheitsforscherGerd Glaeske im März 2018 in der Talkshow 'hart aber fair' in Berlin (picture alliance/dpa/Geisler-Fotopress)Besonders der internationale und der Online-Handel seien betroffen, sagt Gerd Glaeske. (picture alliance/dpa/Geisler-Fotopress)

Apotheken in Deutschland seien zwar eher selten von manipulierten Medikamenten betroffen. Problematisch sei aber der internationale Handel und Online-Handel – "mit Packungen, die ganz ähnlich aussehen, wie die der Hersteller". Wie erkennt man beispielsweise beim Online-Kauf, dass man es mit kriminellen Cybershops zu tun hat? Auch bei Online-Apotheken müssen für rezeptpflichtige Medikamente eigentlich Rezepte eingereicht werden, aber, so Glaeske:

"Was diese Fälscher tun und was diese Versandstellen letztlich dem Kunden anbieten, ist, dass sie all diese Medikamente auch ohne Rezepte bekommen. Und das ist der erste Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmen kann."

Die Patientendaten sind geschützt

Ein ebenfalls wichtiger Aspekt des neuen Code-Systems sei, dass es sich um ein zweistufiges System handelte, über das keine Patientendaten an den Server weitergegeben würden, betonte Glaeske: "Sondern dieser Server wiederum ist verbunden mit dem Industrieserver, der anonymisiert prüft, ob dieser Code tatsächlich ein echter Industrie-Code ist. Und insofern ist dort auch für den Datenschutz gesorgt. Ich halte das für eine geglückte Lösung."

Allerdings, räumte Glaeske ein: Ein Fall wie der eines Bottroper Apothekers, der in großem Stil Krebsmedikamente gepanscht und damit auch Menschenleben gefährdet habe, lasse sich durch das neue Sicherheitssystem leider nicht verhindern. Denn in diesem Fall seien industriell hergestellte Originalmittel vom Apotheker in Rezepturen verarbeitet worden, die dann aber nicht den Rezepturen entsprochen hätten, wie sie vom Arzt vorgesehen gewesen seien.

(mkn)

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