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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 04.07.2017

Schutzgebiete in NotIst die Natur zur Ware verkommen?

Von Thilo Schmidt

Ulrich Schuster, Mitbegründer des Naturschutzbundes im Erzgebirge, steht vor dem Schild, das auf die Kernzone des Naturschutzgebietes Mothäuser Heide in Sachsen hinweist.  (Thilo Schmidt)
Ulrich Schuster, Mitbegründer des Naturschutzbundes im Erzgebirge, steht vor dem Schild, das auf die Kernzone des Naturschutzgebietes Mothäuser Heide in Sachsen hinweist. (Thilo Schmidt)

Wegen knapper öffentlicher Kassen kommt es immer wieder vor: Naturschutzgebiete werden an private Investoren verkauft. Doch warum? Es sind geschützte Gebiete, die eine kommerzielle Nutzung ohnehin kaum oder gar nicht zulassen, zumindest wenn die Regeln eingehalten werden.

Dennoch passiert genau das, zum Beispiel in Sachsen. Der Freistaat hat in den letzten 25 Jahren selbst in großem Maße landeseigene Naturschutzgebiete an Privat verkauft: Die Mothäuser Heide etwa, eines der ältesten sächsischen Naturschutzgebiete.

Der private Besitzer schlug derartig viel Holz, dass das sensible Moor beinahe trockengefallen wäre. Ulrich Schuster, ehemaliger Leiter des Botanischen Garten Chemnitz, Naturschützer und Mitbegründer des Naturschutzbundes im Erzgebirge, steht vor dem Schild, das auf die Kernzone des Gebietes hinweist, ein Naturschutzgebiet, das in Privatbesitz ist:

"Das ist das Schlimme: Dass man also ein Gebiet verkauft für einen relativ kostengünstigen Preis, an einen Freund, der vielleicht Interesse an der Jagd hat und der sich sagt: Na machen wir erst mal Geld an der Sache, dass ich mein Geld wieder reinkrieg. Und durch Holzverkauf verdient er ein Vielfaches von dem, was er dafür bezahlt hat."

Naturschützer Ulrich Schuster erklärt Ausmaß und Folgen der Abholzung im sächsischen Naturschutzgebiet Mothäuser Heide. (Thilo Schmidt)Naturschützer Ulrich Schuster erklärt Ausmaß und Folgen der Abholzung im sächsischen Naturschutzgebiet Mothäuser Heide. (Thilo Schmidt)

Ein Kahlschlag mit weitreichenden Folgen

Ungläubig schaut Schuster auf ein abgeholztes Waldstück, etwa einen Hektar groß. Bis an die Grenze der Kernzone reicht der der Kahlschlag – im Forstdeutsch "Räumung" genannt:

"Das war praktisch der Klimagürtel für das Moor, dass also der Wind das Moor nicht austrocknen kann. Und es war eine eigenständige Pflanzengesellschaft, ein Fichtenwald, der zu den vernässten Flächen mit gehört. Und der wurde einfach hier - da ist nicht ein Stück Fichte mehr vorhanden – gefällt. Hier wird also alles, was vorher als Vorarbeiten getan worden ist, das wird zunichtegemacht."

Warum verkaufen wir unsere wertvollsten Flecken Erde? Ist die Not der öffentlichen Kassen tatsächlich so groß? Oder ist die Natur zur Ware verkommen? Thilo Schmidt hat sich einige Brennpunkt-Gebiete genauer angesehen.

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