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Studio 9 | Beitrag vom 01.09.2017

Schulstudie über StressDie Schmerzen der Kinder

Nicole Dittmer und André Hatting im Gespräch mit Reiner Hanewinkel

Kinder und ihre Aggressionen (imago stock&people)
Schüler klagen über Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Schlafprobleme. (imago stock&people)

Fast jeder zweite Schüler klagt über zu viel Belastung in der Schule. Der Psychologe Reiner Hanewinkel über subjektiven Stress, permanente Erreichbarkeit und ausreichend Bewegung.

"Zunächst einmal ist Stress etwas ganz subjektives. Den objektiven Stress gibt es ja gar nicht", sagte Reiner Hanewinkel, Psychologe beim Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung und Leiter der DAK-Studie, im Deutschlandfunk Kultur.

Aber wichtig sei, dass der subjektive Stress bei Schülern tatsächlich hoch sei, sagt Hanewinkel. Die Belastung mit Stress wurde mit somatischen Beschwerden in Verbindung gebracht. Das Ergebnis: Schüler, die häufiger gestresst sind, berichten auch häufiger von Kopf- und Rückenschmerzen. "Das ist etwas, was uns sehr beunruhigt." 

Gründe für Beschwerden

Die Gründe dafür sind unterschiedlich: 

"Da sind verschiedene Faktoren, die in der Schule selbst auch liegen", sagte Hanewinkel. Aber die Probleme würden auch in der Gesellschaft liegen.

"Wir haben ja eine dramatische Entwicklung hin zu den neuen Medien", so Hanewinkel. "24 Stunden online immer verfügbar zu sein, kann Stress auslösen."   

Schlaf und viel Bewegung könnten aber schon viel helfen: Die WHO empfiehlt, 60 Minuten anstrengende Bewegung am Tag. Heutige Kinder würden sich aber viel zu wenig bewegen. Mit Sport könnten die Kinder auch lernen, besser mit Stress umzugehen, sagte Hanewinkel.  

Reiner Hanewinkel (Imago / Metodi Popow)Reiner Hanewinkel (Imago / Metodi Popow)

Knapp 7000 Schüler wurden für die Studie befragt: 43 Prozent gaben an, dass sie unter Stress leiden. 1/3 der betroffenen Jungen und Mädchen hat Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Schlafprobleme. 

Die Studie entstand in der Zusammenarbeit der Krankenkasse DAK mit dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord). Befragt wurden Fünft- bis Zehntklässler. 

Energydrinks und schlechte Ernährung

Ein weiteres besorgniserregendes Ergebnis: Viele Kinder trinken vor und während der Schule koffeinhaltige Energydrinks - je älter sie sind, umso häufiger. 1/4 der Fünftklässer gab an, schon einmal einen Energydrink getrunken zu haben. Bei den Zehntklässlern hat mit 84 Prozent die überwiegende Mehrheit schon einmal solche Getränke ausprobiert, ermittelten die Forscher. 

Nur rund die Hälfte der Schüler isst täglich Obst oder Gemüse, dagegen stehen Fastfood und Softdrinks vergleichsweise oft auf dem Speiseplan. 1/4 aller befragten Kinder konsumiert mehrmals pro Woche oder öfter Fastfood. Die Angewohnheit zu Hause zu Frühstücken nimmt auch mit dem Alter ab: Schon in der 5. und 6. Klasse verzichten 37 Prozent darauf. In der 9. und 10. Klasse frühstückt nur noch jeder zweite zu Hause. 

Ein kleines Mädchen sitzt auf Stufen, den Kopf in ihren Schulranzen vergraben. (imago stock&people)Ein kleines Mädchen sitzt auf Stufen, den Kopf in ihren Schulranzen vergraben. (imago stock&people)

Erfahrungen mit Alkohol und Cannabis

Mädchen fühlen sich laut Studie häufiger gestresst als Jungen: Während jede zweite Schülerin sehr oft oder oft Stress hat, sind es bei den Schülern nur 37 Prozent. Erschreckend auch diese Zahl: Knapp 60 Prozent der befragten Schüler haben Erfahrungen mit Alkohol. Während es bei den Fünftklässlern 22 Prozent sind, steigt dieser Wert bis zur 10. Klasse auf 89 Prozent an. Cannabis ist nicht ganz so weit verbreitet: Insgesamt 13 Prozent der Befragten haben Cannabis bereits ausprobiert.

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