Dienstag, 27.07.2021
 

Interview | Beitrag vom 18.06.2021

Schule und CoronaNoch nicht fit für den Herbst

Heinz-Peter Meidinger im Gespräch mit Nicole Dittmer

Unterrichtsszene: In einem Klassenzimmer sieht man zwei Kinder von hinten. Sie sitzen jeweils einzeln an einer Bank und blicken nach vorne zur Tafel, neben der ihre Lehrerin steht. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleu)
Wechselunterricht in einer vierten Klasse in Frankfurt/Oder im Februar: Ob im Herbst wieder Regelunterricht stattfinden kann, ist angesichts einer möglichen vierten Welle noch unklar. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleu)

Im Herbst könnten die Infektionszahlen wieder steigen. Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Lehrerverband mahnt, die Schulen bis dahin mit Luftfilteranlagen und schnellem Internet auszustatten: Distanzunterricht könnte wieder notwendig werden.

Die Delta-Variante des Coronavirus ist in Deutschland angekommen. Bisher gehen sechs Prozent der Neuinfektionen auf die besonders infektiöse Mutation des Virus zurück. Bis Herbst rechnet Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, damit, dass sie auch in Deutschland dominieren werde. Erfahrungsgemäß würden dann auch die Infektionszahlen steigen.

Doch noch mal Distanzunterricht?

Wie gut sind die Schulen für eine mögliche vierte Welle der Pandemie im Herbst vorbereitet, um mit den Gefahren der Delta-Variante umzugehen? Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, sagt, er blicke eher unruhig-angespannt auf den Herbst. 

Die Kultusministerkonferenz habe sich "sehr optimistisch" geäußert, findet er, als sie vor gut einer Woche versucht habe, die Pandemie in den Schulen sozusagen für beendet zu erklären und Normalität für den Herbst versprochen:

"Jetzt sehen wir, dass wir gut beraten sind, uns doch auf mehrere Szenarien vorzubereiten, also auch wieder in Erwägung zu ziehen, dass vielleicht doch noch mal Phasen des Distanzunterrichts notwendig sind."

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Gut wäre es, wenn die aktuell niedrigen Infektionszahlen bleiben, sagt Meidinger: "Wir dürfen ja nicht vergessen: Es sind derzeit fast keine Kinder und Jugendlichen geimpft. Wir haben hier auch große Infektionsgefahr."

Luftfilter und schnelles Internet

Der Präsident des Lehrerverbandes plädiert dafür, die Digitalisierung voranzubringen, Luftfilteranlagen einzubauen und nicht zu früh die Maskenpflicht im Klassenzimmer abzuschaffen. 

Es sei noch viel zu tun, betont Meidinger: "Wir haben immer noch etwa 40 Prozent der deutschen Schulen ohne schnelles Internet". Und ohne schnelles Internet könne man das Streamen von Unterricht vergessen. Auch bei den Raumluftfilteranlagen müsse jetzt gehandelt werden, um die Technik noch in den Sommerferien in den Klassenzimmern einzubauen.

Zumindest seien etwa die Hälfte der Lehrkräfte inzwischen vollständig geimpft. An weiterführenden Schulen liefen teilweise aber auch noch die Erstimpfungen.

(jfr)

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