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Zeitfragen | Beitrag vom 24.05.2019

Schriftstellerinnen über Europa"Literatur wird uns retten"

Térezia Mora und Dana Grigorcea im Gespräch mit Dorothea Westphal

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Die Schriftstellerinnen Dana Grigorcea (l.) und Terézia Mora (r.) (picture alliance / dpa / APA)
Dana Grigorcea (l.) sieht Menschen in Hast, Terézia Mora (r.) Fremdheitsgefühle (picture alliance / dpa / APA)

"Ich fühle mich als Europäerin", sagt die Schriftstellerin Dana Grigorcea. Das Zuhause-Sein in verschiedenen Kulturen und Sprachen durchzieht auch das Werk von Tereziá Mora. Die ungarische Autorin lebt seit 1990 in Berlin.

"Ich finde, Literatur wird uns retten. Literatur ist so eine Insel der Ruhe, und ich glaube, dass ein Großteil unserer Probleme von der Hast, von dieser Atemlosigkeit kommt", sagt  die Schriftstellerin Dana Grigorcea.

Als Mensch und Künstlerin fühlt sich Dana Grigorcea verantwortlich auch für Europa, denn das Besondere an ihrer Tätigkeit sei es, darüber nachdenken zu können, was einen ausmache.

"Ich fühle mich als Europäerin", betont die 1979 im kommunistischen Rumänien geborene Autorin, die noch die Sehnsucht ihrer Eltern danach mitbekam, Europäer zu sein, weil sie sich hinter dem Eisernen Vorhang ausgeschlossen fühlten.

Korruption zerstört alles

Die gegenwärtige Situation in Rumänien macht sie traurig: "Hochkorrupte Politiker, eigentlich eine Verbrecherbande, haben das Land mithilfe der ungebildeten Leute vom Land, die leicht zu manipulieren sind, gekapert – und wegen der Nachlässigkeit all derjenigen, die nicht wählen gegangen sind."

Grigorcea spielt auf die Wahlen in Rumänien im vergangenen Jahr an, als nur 40 Prozent der Bevölkerung ihre Stimme abgaben.

Sie selbst lebt eine typisch europäische Existenz: Geboren in Bukarest, wohnt sie inzwischen in Zürich und ist mit einem Griechen verheiratet. Dass sie sich in verschiedenen Sprachen und Kulturen bewegen kann, empfindet sie als ein Privileg, das erst für ihre Generation überhaupt möglich geworden sei.

Fremdheitsgefühl in der Heimat

Europa gehört auch zur Biographie von Tereziá Mora, die im kommunistischen Ungarn geboren wurde. Ihre Familie war Teil der deutschsprachigen Minderheit. Seit 1990 lebt Mora in Berlin. Das heutige Ungarn erlebt sie als exotisch, weil sie zwar die Sprache spricht, dennoch das Gefühl habe, zu Besuch zu sein: "Es ist so lange gut, wie ich mich nicht mit den Leuten unterhalte."

Budapest, so Mora, mache den Eindruck einer westlichen Stadt, und auch auf dem Land sei trotz Armut alles viel weniger grau als früher.

Dazugehören, aber sich unverstanden fühlen

"Es herrscht eine Diskrepanz zwischen der Lebensweise, die man führt, und der Gedankenwelt. Das ist etwas, das mich frappiert: Wie es dazu kommt, zum einen, eine europäische Lebensweise zu führen mit Reisen und der Möglichkeit, zu konsumieren und andererseits, sich von der EU nicht verstanden zu fühlen und nichts zu tun haben zu wollen mit all diesen Fremden, die überhaupt nicht da sind."

Trotzdem sei die Idee, zu Europa zu gehören, noch immer stark. Es wäre fatal für das Land, sollte sich daran etwas ändern. Das Zuhause-Sein in verschiedenen Kulturen und Sprachen durchzieht Moras Werk. Und es spiegelt sich eigenes Erleben in den Schicksalen ihrer Figuren, die häufig Migranten sind.

Die aus Ungarn stammende Schriftstellerin und Übersetzerin Térezia Mora lebt seit 1990 in Berlin. Für ihr Werk hat sie bereits viele Preise bekommen u.a. den Preis der Leipziger Buchmesse, den Deutschen Buchpreis und im vergangenen Jahr den renommierten Georg Büchner Preis.

Die schweizerisch-rumänische Autorin Dana Grigorcea debütierte 2011 mit dem Roman "Baba Rada". Im vergangenen Jahr erschien die Novelle "Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen", eine hinreißende Hommage an Tschechows "Die Dame mit dem Hündchen".

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