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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 27.07.2017

Schriftstellerin Yoko Tawada"Europa ist, wenn alle Milch trinken, ohne zu erbrechen"

Susanne Führer im Gespräch mit Yoko Tawada

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Die Schriftstellerin Yoko Tawada (Deutschlandradio Kultur / Leila Knüppel)
Die Schriftstellerin Yoko Tawada. Die in Berlin lebende japanische Schriftstellerin Yoko Tawada wird mit dem Kleist-Preis 2016 ausgezeichnet. (Deutschlandradio Kultur / Leila Knüppel)

Mit 22 Jahren kam Yoko Tawada aus Japan nach Europa: Die in Berlin lebende Autorin schreibt auf Deutsch und Japanisch, im vergangenen Jahr erhielt sie den Kleist-Preis. Im Interview erklärt sie zum Beispiel, warum es im Japanischen 20 Wörter für "Ich" gibt.

Für ihre erste Reise von Japan nach Europa  nahm sie die Transsibirische Eisenbahn. Wie sie damals den Übergang von Asien nach Europa erlebte, erinnert sie so:

"Für mich war Moskau, wo Europa anfängt, aber in der Eisenbahn waren auch Franzosen z.B. die mir gesagt haben, nein Moskau gehört nicht zu Europa, und, und, und. Und dann habe ich ein Schild gesehen, mitten in Sibirien, wo kein Haus steht, wo keine Kultur, nichts ist und da steht ein Schild "Geografische Grenze" und da steht "Rechts Asien, Links Europa". Und das ist so absurd, das es mich wieder interessiert hat."

Yoko Tawada schlug ihre Zelte in Deutschland auf. Zunächst wollte sie nur zwei Jahre zu bleiben - daraus ist fast ein ganzes Leben geworden. Sie lernte Deutsch und schrieb bald in beiden Sprachen: Prosa, Essays und Gedichte:

"Zuerst ist eine wirklich fremde Sprache wie ein Klumpen von Lauten, die kann man nicht auseinander nehmen und man weiß nicht, wo ein Wort zu Ende geht und wo das nächste beginnt. Wenn man deutsch kann zum Beispiel, kann man sehr leicht Englisch oder noch mehr Italienisch, ohne dass man das wirklich verstehen kann, als Sprache wahrnehmen. Wo ist ein Satz und wo ist ein Wort. Man sieht die Struktur zumindest und das war es nicht, das war wie eine Nebelwolke, einfach ungreifbar für mein Trommelfell."

Gegen Atomkraft und jede Form von Krieg

Die deutsch-japanische Schriftstellerin erhielt 2016 den Kleist-Preis, eine Auszeichnung für Autoren, die sich um die Verbindung der deutschen Literatur zur Welt verdient gemacht haben. Sie habe sich darüber unglaublich gefreut, sagt Yoko Tawada:

"Ich weiß nicht, ob ich mich in der letzten Zeit so gefreut habe. Und diese Freude war nicht vergänglich. Meistens freut man sich und das ist vorbei und man denkt schade, dass man so was nicht eindosen kann. Aber diese Freude war wie Dauerdroge. Also ich nehme keine Droge deshalb weiß ich nicht, ob es sowas gibt aber wirklich, die Freude ist immer noch da bei mir."

Bis heute mischt sich die in Berlin lebende Autorin in die politischen Debatten ihres Heimatlandes ein, setzt sich seit Fukushima konsequent für eine kulturelle Öffnung Japans zur Welt ein, gegen Atomkraft und gegen jede Form von Krieg.

"Ohne, dass ich das will, kommt in jedem Essay, das ich in Japan veröffentliche, dieses Problem Anti-AKW vor und das beschäftigt mich sehr, weil das ja nicht nur das Thema AKW betrifft, sondern insgesamt die Wirtschaft und die Politik in Japan."

Was es bedeutet, sich einer Sprache über die Bilder in ihren Zeichen zu nähern und warum "Europa ist, wenn alle Milch trinken, ohne zu erbrechen", darüber hat  sich Yoko Tawara mit Susanne Führer in der Sendung "Im Gespräch" unterhalten.

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