Montag, 16.07.2018
 

Kompressor | Beitrag vom 09.07.2018

Schriftstellerin Uljana Wolf über ihre Mehrsprachigkeit"Raum, um neu zu sehen"

Uljana Wolf im Gespräch mit Timo Grampes

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Uljana Wolf (Deutschlandradio / Jürgen Kalwa)
Chamisso-Preis-Trägerin Uljana Wolf in New York (Deutschlandradio / Jürgen Kalwa)

Auf dem Urban-Dictionary-Festival treffen sich Dichter aus Berlin und New York. Mit dabei die Schriftstellerin Uljana Wolf. Seit Jahren pendelt sie zwischen New York und Berlin. Mehrsprachigkeit heißt für sie, Dinge neu wahrzunehmen.

Seit zehn Jahren pendelt die Schriftstellerin und Chamisso-Preisträgerin Uljana Wolf zwischen zwei Welten und zwei Sprachen. Als Dozentin für Dichtung und Übersetzung arbeitet sie in New York, zugleich kehrt sie immer wieder nach Berlin zurück. Nun ist sie zum Berliner Urban-Dictionary-Festival gereist und stellt dort ihr neues Buch vor: "Subsisters: Selected Poems". Das Buch ist die erste große Auswahl und Übersetzung von Wolfs Gedichte ins Englische.

Die Übersetzung selbst ist mehrsprachig

Das Besondere: Der Aspekt der Mehrsprachigkeit wurde in der Übersetzung selbst thematisiert. In dem Gedicht "mittens" gebe es zwei Stellen, die mit der deutschen und englischen Sprache spielen, erklärt Uljana Wolf:

"Es gibt zwei Stellen im Text, wo es mehrsprachig wird. Der Text heißt 'mittens' das ist das englische Wort für Fäustlinge. Aber wenn man es in einem deutschen Gedicht liest, könnte man auch meinen, es hat etwas mit in der Mitte sein zu tun."

Uljana Wolf lobt den Mut der Übersetzerin Sophia Saita. Sie habe mit ganz viel Verve die Mehrsprachigkeit in der Übersetzung thematisiert und auch den Rhythmus des deutschen Originals ins Englische übertragen. Diesen Mut will Uljana Wolf auch ihren Studenten vermitteln, die sie im Übersetzen unterrichtet:

"Ich versuche den Studenten zu sagen, dass sie auch schreiben müssen in der Zielsprache. Dass es auch Mut kostet, nicht an der Bedeutung zu hängen, sondern auch die ganzen tertiären Schichten, die im Gedicht liegen, der Klang oder eben der Rhythmus in den Vordergrund zu stellen."

In einer anderen Sprache Dinge neu sehen

Sprache habe viel mit Identität zu tun, sagt Uljana Wolf. In einer anderen Sprache zu schreiben und zu denken, ermögliche es, einen anderen Blick auf die Welt werfen, erklärt sie.

"In der Muttersprache - oder sagen wir auch in der Alltagssprache - hängen viele Dinge wie selbstverständlich an unserem Denken oder an den Worten dran. Und wenn man nicht in der Muttersprache arbeitet, oder wenn man auch in einer poetischen Sprache arbeitet, sagt Yoko Tawada, dann ist es, als ob man einen Heftklammerentferner hat, bei dem die Dinge auseinandergenommen werden: das Ding und das Wort, der Gedanke und der Satz – und man wieder Raum bekommt, um wieder neu zu sehen."

(mw)

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