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Kompressor | Beitrag vom 27.07.2016

Schriftstellerin Thea DornDas laue Comeback der Romantik

Thea Dorn im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Die Schriftstellerin Thea Dorn auf dem Blauen Sofa der Leipziger Buchmesse (Deutschlandradio / Margarete Hucht)
Einer der Protagonisten in Thea Dorns Roman "Die Unglückseligen" lebt in der Zeit der Romantik. (Deutschlandradio / Margarete Hucht)

Nächtliche Picknicks bei Kerzenschein sind schwer angesagt und eine japanische Firma will gar künstliche Sternschnuppen herstellen. Feiert die Romantik ihr Comeback in neuem Gewand? Autorin Thea Dorn, Expertin für diese Epoche, hält das eher für "Lifestyle-Faxen".

Candlelight-Dinner im Park, Kuschel-Wochenende im Wellness-Hotel, Vintage statt brandneu gilt als schick, und die Heimatliebe wird wieder entdeckt: Bewegen wir uns geradewegs auf eine neue Romantik zu? Hat das mögliche Comeback mit einer ähnlichen politischen Großwetterlage zu tun wie damals um 1800, als die Romantiker wider die Konzepte der Aufklärer schrieben, liebten und lebten? 

Die Autorin Thea Dorn, die sich in ihren letzten beiden Büchern "Die deutsche Seele" und "Die Unglückseligen" mit der Romantik beschäftigt hat, sagt, die radikale Gedankenwelt der Romantiker habe kaum Ähnlichkeit mit der "Wellness-Selbstschonungsmentalität" des 21. Jahrhunderts. Was jetzt zu beobachten sei, sei eher "Romantizismus", auf jeden Fall aber sehr "lau", verglichen mit den echten Romantikern. Überschneidungen gebe es allenfalls, was den Rückzug ins Biedermeierliche anbelange – diese Tendenz sei im frühen 19. Jahrhundert ebenfalls zu beobachten gewesen.

Romantik? Von wegen!

"Natürlich würde unsere Zeit eigentlich gut sein für eine echte Romantik. Denn wenn man sich die historische Romantik anschaut: Sie war eine klare Gegenbewegung gegen den allgläubigen Rationalismus – dass man jetzt alles meistern kann, dass die Vernunft die einzige Sonne ist, die alles durchdringt."

Die Menschen des 21. Jahrhunderts ertrügen den Gedanken nicht, "dass es etwas gibt, das nicht unserer Steuerung, unserer Kontrolle unterworfen ist. Das macht uns ja vollkommen panisch." Ein trauriger Beweis dafür seien die schrecklichen Attentate und Amokläufe in der letzten Zeit. Zu akzeptieren und danach sein Leben auszurichten, dass wir Dinge nicht immer kontrollieren könnten und auch Ausgelieferte seien, mache heute vermutlich den wahren Romantiker aus. Alles andere seien nur "Lifestyle-Faxen". Doch wer wie ein wahrer Romantiker lebe, gelte vermutlich als "tendenziell verrückt".

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