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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 09.08.2017

Schriftstellerin María Cecilia BarbettaPhantastische Literatur gegen die Angst

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María Cecilia Barbetta (Deutschlandfunk Kultur/Jana Demnitz)
María Cecilia Barbetta zu Gast beim Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandfunk Kultur/Jana Demnitz)

"Bloody Mary", der neue Roman von María Cecilia Barbetta, spielt im Buenos Aires der 70er Jahre und erzählt die Geschichte kleiner Leute am Vorabend der blutigen Militärdiktatur. Im Gespräch verrät Barbetta, ob phantastische Literatur die Schrecken der Politik bewältigen kann.

Als Kind erlebte sie die Militärdiktatur in ihrem Heimatland, ohne ihr Ausmaß ganz zu verstehen. Die allgegenwärtige Angst der Erwachsenen aber, sagt die argentinische Schriftstellerin María Cecilia Barbetta heute, hat sich ihr und ihrer ganzen Generation eingeschrieben. 

Erst als sie vor mehr als 20 Jahren als junge Studentin nach Deutschland kam und fasziniert war von der Selbständigkeit und dem Selbstbewusstsein ihrer Kommilitonen, begriff sie, welchen Verlust die 30.000 Toten und Verschwundenen und die vielen ausgewanderten,  fortschrittlichen Intellektuellen für ihr Land bedeutet.

Eine neue Sprache als neue Heimat

María Cecilia Barbetta entdeckte das Phantastische in der deutschen Literatur und begann, eher zufällig, zu schreiben – und zwar auf Deutsch. 

"Die Liebe und das Glücklichsein sind für mich immer verknüpft mit dem Fremden, immer verknüpft mit der deutschen Sprache, mit dem Verlassen meiner eigenen Welt, auf der Suche nach etwas Eigenem. Und das Eigene, das habe ich dann hier gefunden, aber auch wieder verknüpft mit dem, was ich hinter mir gelassen habe."

Der Stil ist lateinamerikanisch, die Sprache deutsch

Für ihren ersten Roman "Änderungsschneiderei Los Milagros" erhielt María Cecilia Barbetta den Aspekte-Literaturpreis. Für ihren zweiten, noch unveröffentlichten Roman in diesem Jahr den Alfred-Döblin-Preis. Dabei hält sie zumindest inhaltlich ihrer Heimatstadt Buenos Aires die Treue – beide Romane sind dort angesiedelt – auch wenn sie sich inzwischen in Berlin richtig zuhause fühlt. 

"Natürlich wird es immer Leser und Kritiker geben, die mit meinem Überbordenden in meinem Stil nicht zurecht kommen. Es gehört aber auch zu mir, es gehört zu Lateinamerika, es gehört zum Katholizismus, meine Sprache ist blumig und ich hab ein großes Herz für Kitsch."


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